Sebastian-Lotzer-Haus
: Baut Herzog die Lotzer-Arkaden?

Der Presse erzählt Mayk Herzog von einem griechischen Restaurant. Die Baubehörde stellt Wohnnutzung fest. Viele Horber Fragen sich, was wirklich im „Studentenhotel“ passiert.
Von
Benjamin Breitmaier
Horb

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Nicht gesetzt

Der Schriftzug ist verschwunden, die Fassade übermalt. Monate stand auf der roten Flanke des Sebastian-Lotzer-Hauses eine schreiende Anschuldigung an die Stadtverwaltung. Sie ist weg. Die klaffenden Löcher in der Fassade bleiben. Doch um das Gebäude herum stehen Bauzäune mit Motiven von Horb, die den „Schandfleck“ – wie viele Horber das Gebäude mittlerweile bezeichnen – etwas verdecken.

Mayk Herzog scheint seinen Konfrontativkurs gegenüber der Stadtverwaltung aufgegeben zu haben. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE hält er am Plan fest, ein griechisches Restaurant im Erdgeschoss anzusiedeln. Die Baubehörde Horbs, unter der Führung von Wolfgang Kronenbitter, zeigt sich skeptisch, was die Umsetzung dieses Plans betrifft. Außerdem bietet Herzog im Internet aktuell Wohnungen an, die nicht einmal auf dem Papier existieren.

Vor-Ort-Termin mit Baubehörde

Aber von vorn: Eigentlich müsste das rote Gebäude im Herzen der Neckarstadt von Gesetzes wegen leer stehen. Die Baubehörde hatte aufgrund fehlender Baugenehmigungen für Wohnungen in mehreren Stockwerken sowie verletzter Brandschutzbestimmungen eine Anordnung zur Nutzungsunterlassung gegen Birgitt Herzog, Eigentümerin des Sebastian-Lotzer-Hauses, verfügt. Diese trat bis zum 1. April in Kraft.

Seither fragen sich Mieter wie Anwohner, wie es weitergeht. Mitte Mai gab es nun einen Vor-Ort-Termin, an dem Vertreter der Baubehörde und Mayk Herzog zugegen waren. Herzog tritt immer noch offiziell nur als Hausverwalter auf. Während er noch vor zwei Monaten behauptete, die Löcher in der Fassade aus Protestgründen für zehn Jahre nicht anrühren zu wollen, klingen seine Töne im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE aktuell versöhnlicher. Als „ruhig und besonnen“ kommentiert der Hausverwalter das Zusammentreffen, als „ein Gespräch, das Hoffnung macht, dass man alles hinbekommt“.

Grieche soll immer noch kommen

In der Tat war der umstrittene Bauunternehmer in den vergangenen Wochen nicht untätig. Bewohner des Hauses berichten, dass mittlerweile Fluchtpläne in jedem Stockwerk hängen. Herzog selbst erklärte am vergangenen Montag, dass spätestens in drei Wochen alle fehlenden Unterlagen bei der Stadt Horb eingegangen sein müssten. Zur Erinnerung: Zahlreiche Wohnungen des „Studentenhotels“, die Herzog seit Jahren in dem Haus vermietet, wurden nie bei der Baubehörde gemeldet.

Weiterhin hält Herzog an der Darstellung fest, dass in die Räumlichkeiten der früheren Gaststätte „Belle Arti“ ein griechisches Restaurant einziehen soll. Nach seiner Vorstellung soll der neue Betreiber die angrenzende „Haifischbar“ gleich mitbewirtschaften. An den Plänen hätte sich nicht viel geändert. Auf der Zeichnung, die dieser Zeitung von Herzog zur Verfügung gestellt wurde, befindet sich nun an der Fassade zur Kreuzung hin, eine Freifläche, die unter einem Arkadendach weitere Sitzgelegenheiten bieten soll. Außerdem soll die Küche des Restaurants aus dem ersten Stock ebenfalls im Erdgeschoss platziert werden.

Bei dieser Darstellung zieht Baubehördenleiter Wolfgang Kronenbitter die Brauen nach oben. Er erklärt: „Dort, wo bisher das Belle Arti war, wurden nach unserer Feststellung Vorbereitungen für eine Wohnnutzung getroffen.“ Der Blick auf das Gebäude selbst legt die Vermutung nahe, dass Kronenbitter recht hat. Mittlerweile baute Herzog eine herkömmliche Haustür beim ehemaligen Restaurant-Zugang ein. Er müsste auch für die Umnutzung zum Restaurant wieder sämtliche Trockenbauten an der Fassade verändern.

Weitere Online-Anzeigen

Skeptisch verfolgt Kronenbitter auch die Anzeigen Herzogs auf Immobilienscout24. Bis vor drei Wochen bewarb der Hausverwalter hier noch seine Studentenapartments. An deren Stelle sind mittlerweile wenige große Wohnungen mit bis zu 140 Quadratmetern gerückt. Wörtlich heißt es in der Anzeige: „Ab Oktober 2017 sind sieben große Wohnungen verfügbar. Die Wohnungen haben fünf bis sechs Zimmer.“ Sie werden zu einer Kaltmiete von 1000 Euro angeboten. Laut Herzog hat sich aber in den vergangenen Wochen kein Interessent für die größeren Einheiten gemeldet, und er werde jetzt wieder zum ursprünglichen Plan zurückkehren und Studentenwohnungen anbieten.

Offiziell dürfte er das jedoch erst nach erfolgter Baufreigabe. Diese kostet Zeit. Selbst bei einem reibungslosen Ablauf müssten die Bauunterlagen von Anwohnern vier Wochen lang kommentiert werden dürfen. Danach haben Institutionen wie das Landesdenkmalamt vier Wochen Zeit, ihre Kommentare zum Vorhaben abzugeben, danach könnte erst die Abschlussprüfung der Baubehörde erfolgen. Heißt im Klartext: Selbst wenn Herzog alle erforderlichen Unterlagen innerhalb von drei Wochen einreicht, dürfte er das Haus in drei Monaten immer noch nicht nutzen. Arbeiten an der Fassade wären ebenso erst ab September möglich. Hinzu kommt, dass laut Aussage von Kronenbitter Herzog in der Vergangenheit, was die Einreichung von Unterlagen angeht, nicht zuverlässig war. Der Kommentar des Baubehördenleiters: „Wir warten jetzt einfach mal ab, ob die Unterlagen kommen und ob diese vollständig sind. Wir sind in dem Fall gebrannte Kinder.“

Neben-Projekt aufgegeben

Da Herzog immer noch gegen die verfügte Nutzungsunterlassung verstößt, wurde mittlerweile von der Baubehörde ein zweites Zwangsgeld festgesetzt. Die Obergrenze für ein solches liegt laut Landesbauordnung bei 100000 Euro.

Ein anderes Projekt hat Herzog mittlerweile ganz aufgegeben. Ursprünglich wollte er in der Ihlinger Straße ein weiteres Studentenhotel mit 21 Einheiten bauen, doch das Grundstück steht mittlerweile für Bauträger zum Verkauf. Herzogs Kommentar: „Die Finanzierung läuft auf 20 Jahre, man muss schauen, ob man sich das nochmal antun will. Man wird schließlich auch älter.“