Trauerbegleitung
Während der Trauerarbeit lernen die Hinterbliebenen, sich mit der Wirklichkeit des Verlustes auseinandersetzen und zu akzeptieren, dass der verstorbene geliebte Mensch kein physischer Bestandteil des Lebens mehr ist. Trauerbegleitung kann in dieser Lebensphase unterstützend wirken, besonders wenn geeignete Gesprächspartner fehlen oder der Weg zurück in das Alltagsleben schwerfällt.
Aber was meint „Trauerbegleitung" eigentlich? Oft erfolgt sie durch einen professionellen Trauerbegleiter, der unter anderem in den Bereichen Psychologie, Religion, Philosophie und Soziologie, aber auch in Gestaltungstherapie, Entspannungstechniken und der Supervision von Trauernden geschult wurde. Wie ein Lotse geleitet er den Hinterbliebenen durch die hohe See des Trauerprozesses. Er hilft ihm, die eigene Situation und den Verlust anzunehmen, führt mit dem Betroffenen Gespräche über den Verstorbenen und ist da, wenn Zorn und Wut über den Tod sich immer wieder ihre Bahn brechen. Ziele der Trauerbegleitung können individuell verschieden sein. Häufig bestehen sie jedoch darin, dem Trauernden zu helfen, einen neuen Sinn zu finden und Mut für ein Leben ohne den Verstorbenen zu fassen.
Der Trauerbegleiter kann den Schmerz nicht ungeschehen machen. Aber er kann den Trauernden zur Weiterentwicklung und Verarbeitung anleiten. Dabei steht die Auffassung im Vordergrund, dass Trauernde einen psychischen Schutz aufgebaut haben, der nur nach und nach abgebaut werden kann. Die Aufgabe des Trauerbegleiters besteht deshalb auch darin, zu erkennen, wann die Zeit reif für einen Schritt nach vorn ist.
Um den Verarbeitungsprozess zu unterstützen, arbeiten viele Trauerbegleiter mit Kreativtechniken. Sie regen die Hinterbliebenen an, ihren Gefühlen durch Malen, Zeichnen, Töpfern oder Gedichteschreiben Ausdruck zu verleihen. Aber auch gemeinsame Unternehmungen und Rituale können Bestandteil der gemeinsamen Arbeit sein. Daneben helfen Trauerbegleiter, denn Alltag zu
bewältigen: Sie geben Rat, wenn Formulare auszufüllen sind oder begleiten bei Behördengängen. Manchmal greifen sie auch im wahrsten Sinne des Wortes unter die Arme.
Die individuelle Trauerbegleitung stellt nur ein Angebot dar. Alternativ dazu veranstalten unterschiedliche Träger Gesprächsgruppen, angeleitete Selbsthilfe- bzw. Trauergruppen sowie Trauercafés. An vielen Krankenhäusern und Pflegeheimen besteht ebenfalls die Möglichkeit der Trauerbegleitung, meist durch christliche Seelsorger. Um für sich selbst die am besten geeignete Hilfe zu finden, empfiehlt es sich, den jeweiligen Träger und die dahinterstehende Philosophie zu recherchieren. Das gilt übrigens auch für den Kostenaufwand. Wer beispielsweise ein Trauercafé besuchen möchte, muss selten einen Beitrag zahlen, allerdings sind Spenden für Kaffee und Kuchen gern gesehen.Trauergruppen bieten – je nach Trägerschaft – Hilfe entweder kostenlos oder gegen einen geringeren Beitrag an.
Individuelle Trauerbegleitung ist meist die kostenintensivste Form. Hierfür entstehen etwa Preise zwischen 30 und 60 Euro für eine Stunde, meistens ist das Erstgespräch kostenlos, manchmal muss ein separater Betrag entrichtet werden.
Auch Angehörige, Freunde oder Bekannte leisten eine Art Trauerbegleitung, in dem sie am Schicksal der HinterbliebenenAnteil nehmen. Regelmäßige Telefonanrufe oder Besuche helfen, der Trauer zu begegnen und vorsichtig Raum für Schritte allein zu schaffen. Oft haben Nahestehende aber Angst, dass ihre Kommentare angesichts der Trauer unangebracht oder nutzlos sein könnten. Diese Angst entsteht meist durch fehlende Leitbilder in der Trauerbegleitung und weil Trauer selten im öffentlichen Raum stattfindet.
Dabei benötigen viele Trauernde eher einen verständnisvollen Zuhörer und die Gelegenheit, ihre Gedanken zu artikulieren. Gesten wie eine Umarmung, das Gefühl, nicht allein zu sein und Ausflüge sind ebenfalls eine wirksame Trauerbegleitung, die das persönliche Umfeld leisten kann.
Wie lange der einzelne für die jeweilige Trauerphase benötigt und welche Art der Trauerbegleitung der Betroffene wünscht, hängt von ihm selbst und seinen Bedürfnissen ab. Niemand sollte ihn unter Druck setzen oder das Gefühl vermitteln, die durch die Trauer bedingte „Funktionsunfähigkeit" sei schlecht. Unterdrückte oder unzureichend bewältigte Trauer kann das persönliche Wohlbefinden des Hinterbliebenen massiv beeinträchtigen und zu seelischen oder körperlichen Krankheiten führen.
Springmann Stiftung: Bundesweiter Veranstaltungskalender für den Bereich Trauerbewältigung
Zentrum für Trauerbegleitung und Lebenshilfe e.V: Bundesweit tätiger Verein für Lebenshilfe und Trauerbegleitung, bietet auch Ausbildung zum Trauerbegleiter
10 Wünsche eines Sterbenden an seinen Begleiter: Denkanstöße für Trauerbegleiter nach Johann Chr. Hampe
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24.01.2011
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