"Wer baut, der bleibt"

Ulm.  Eine Frau steckt hinter dem Entwurf, der Grundlage des Baus einer neuen Synagoge am Weinhof werden soll: Susanne Gross. Ihr Vorschlag und die anderen acht sind jetzt im Ulmer Schwörhaus zu sehen.

Die Lobgesänge auf ihren Entwurf waren schon verhallt, als Susanne Gross gestern im Haus der Stadtgeschichte am Ulmer Weinhof eintraf. Im Gewölbegeschoss des Schwörhauses war eine Stunde zuvor die Ausstellung eröffnet worden, in der neun Architektenarbeiten für eine neue Synagoge am Weinhof zu sehen sind - als Modelle, in Zeichnungen, an Computersimulationen. Mit ihnen hatte sich tags zuvor eine vielköpfige Jury auseinander gesetzt. Wie berichtet, hatte die Expertenrunde den Vorschlag des Kölner Büros Kister, Scheithauer, Gross einstimmig als den städtebaulich überzeugendsten angesehen und empfohlen, ihn der Planung zugrunde zu legen.

Susanne Gross, 49, Architektur-Professorin, ist nicht nur eine der Namensgeberinnen des Büros. Sie steckt auch als Person hinter diesem Entwurf und hat die Federführung dieser Planung. Weil ihr Vorschlag ausgewählt worden war, wollte Gross der Ausstellungseröffnung gestern beiwohnen, setzte sich also in den Frühzug nach Ulm, auch noch wägend, die Stunde im Schwörhaus schlage erst um 11. Sie traf 10 Uhr in Ulm ein - zu spät.

Die Freude über den gelungenen Wurf - ihn hatte zuvor gegenüber unserer Zeitung auch Peter Fink anerkannt als Vertreter von Mühlich, Fink und Partner, des einzigen Ulmer Büros, das zur Teilnahme aufgefordert gewesen war - konnte ihr der verpasste Ausstellungsauftakt nicht vermasseln. "Es ist eine außergewöhnliche Freude für so ein außergewöhnliches Projekt vorgeschlagen zu werden", sagte Gross. Sie fühle sich bestätigt in ihrer Auffassung, dass es für den Weinhof die beste Lösung sei, ein zwar selbstbewusstes, aber kompaktes und daher von seinen Ausmaßen nicht dominantes Gebäude zu entwickeln.

Entgangen waren der Architektin drei Ansprachen, die zur morgendlichen Stunde Oberbürgermeister Ivo Gönner, Baubürgermeister Alexander Wetzig und Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, gehalten hatten. Gönner hob darauf ab, dass mit dem Bau der Synagoge und des Gemeindezentrums "ein gesellschaftliches und ein religiöses Signal gesetzt werden", das Traub geradezu kongenial mit einem Satz des jüdischen Architekten Salomon Korn ergänzte: "Wer baut, der bleibt." Hatte der OB seiner Willkommensfreude darüber Ausdruck verliehen, dass die jüdische Gemeinde in Ulm wieder eine Heimat findet, die zudem nur einen Steinwurf weit weg vom Ort liege, an dem die alte Synagoge gestanden hatte, so spann Barbara Traub den Faden weiter: Mit jedem jüdischen Neubau kläre sich die Frage, ob es in Deutschland nach der Shoa je wieder jüdisches Leben werde geben können. Bemerkenswert sei, dass gerade auch nicht-jüdische Architekten, wie das ausgewählte Kölner Büro, so beeindruckende Entwürfe vorgelegt hätten.

Wetzig nannte die Arbeiten "höchst qualitätsvoll". Am Ende habe es in der Jury keine Zweifel gegeben, dass die von Kister, Scheithauer, Gross vorlegte Lösung einer kompakten Kubus-Architektur die beste für den Weinhof sei. "Dieser Baukörper zeigt Respekt vor der Umgebung". Er schaffe dem Weinhof im Norden einen "würdigen städtebaulichen Abschluss". Wetzig sprach von einem schlichten Baukörper, der kraftvoll stehe, ohne protzig aufzutreten. "Diese Gebäude wirkt identitätsstiftend auf die jüdische Gemeinde."

Eine Gemeinde, die aufgrund des Zuzugs von Juden aus Osteuropa 450 Mitglieder hat - und regionale Ausstrahlung, wie Ivo Gönner sagte. Sichtbarer Ausdruck: In Landrat Erich-Josef Geßner war unter den Gästen ein sonst in Ulm eher selten gesehener Neu-Ulmer Gast.

Info

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr


Kommentare (1)

23.01.2010 18:53 Uhr |   rosty

Neue Synagoge

Auf den ersten Blich fragte ich mich warum gerade dieser Entwurf das Rennen gemacht hat und nicht eine andere Lösung bevorzugt wurde, die etwas " pfiffiger " ist. Man muss schon sehr genau hinsehen um zu erkennen, daß es wirklich auf den Weinhof " passt ". Schuld an diesem ersten Eindruck ist auch, daß alle anderen Entwürfe klarer,deutlicher und besser präsentiert sind. Vielleicht könnte man noch durch das eine oder andere Fenster alles auflockern und auch den Lichteinfall verbessern. Auf jeden Fall eine mutige Entscheidung der Verantwortlichen aber letztendlich sicher richtig. Wegen der zu fällenden Bäume sollte man sich auch fragen ob man nicht ( wie in einigen anderen Vorschlägen ) hier wieder " Ersatz " vorsieht.

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Autor: HANS-ULI THIERER | 23.01.2010

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