Die Ulmer Synagoge wird mit einer Mikwe ausgestattet
Ulm. Jüdinnen ist auferlegt, sich regelmäßig rituell zu reinigen. Ein Tauchbad, in dem sie dem Gebot nachkommen können, wird seit gestern im Untergeschoss der neuen Synagoge auf dem Weinhof gebaut.
. Bis die Synagoge eröffnet wird, müssen Frauen jüdischen Glaubens, die das Gebot der rituellen Reinigung befolgen, noch nach München oder Stuttgart fahren, wo die nächsten Bäder stehen. Das ist umständlich und weit. Deshalb hat die jüdische Gemeinde in Ulm Wert darauf gelegt, den Bau ihres rituelles Tauchbads direkt mit dem der Synagoge zu verbinden.
Bauarbeiter ließen gestern Nachmittag Beton in die aufwendigen Verschalungen fließen, zwischen denen das Bad entsteht. Um ihre diffizile Arbeit zu überwachen, ist Jeremias Katz aus New York angereist. Rabbiner Katz ist Spezialist für den Bau von Mikwes, wie die Tauchbäder heißen. "Es gibt dabei unendlich viel zu beachten", hält Rabbiner Shneur Trebnik fest, der für die Menschen jüdischen Glaubens in unserer Region zuständig ist.
Geschaffen wird das Tauchbad in einer Aussparung des Synagogen-Fundaments. Von der Bodenplatte aus geht es 3,30 Meter in die Tiefe. Das 2,30 mal 2,30 Meter große Tauchbecken wird in die Mitte eines ebenfalls quadratischen Raums gestellt. In seiner Form erinnert das Becken an eines, wie es sie in finnischen Saunen gibt. Es wird 1,60 Meter hoch mit Wasser gefüllt, berichtet Trebnik weiter.
In dieses Wasser steigen dann hauptsächlich Frauen: nackt, ohne jeden Schmuck und absolut ungeschminkt, um ihren Körper samt der Kopfhaare für einen Augenblick unterzutauchen.
Im orthodoxen und konservativen Judentum ist der Besuch der Mikwe vorgeschrieben, wenn eine verheiratete Frau ihre Menstruation oder eine Entbindung hinter sich hat. Den ersten Besuch in der Mikwe absolviert die Frau als Braut, meistens am Vorabend des Hochzeitstages. Die Vorschrift dazu liefert das vierte Buch Mose, erläutert Trebnik. Dabei handele es sich um eine der wenigen Vorschriften, zu denen Gott nicht erklärt habe, warum sie einzuhalten sind.
Aus der Ulmer Gemeinde, die von der Ostalb bis zum Bodenseeraum reicht, werden es 15 bis 20 Frauen sein, die die Ulmer Mikwe nutzen, schätzt Trebnik. Sie werden das Bad ganz individuell besuchen und sprechen sich dazu lediglich mit der Frau ab, die das exakte Befolgen des Rituals überwacht und bei Bedarf Frauen dabei hilft. Auch Männer können das Tauchbecken nutzen, eine Vorschrift dazu existiert aber nicht.
Das Wasser einer Mikwe muss "lebendiges" Wasser sein. Die Ulmer Synagogenbauer greifen dazu auf das Regenwasser zurück, das vom Synagogendach herabfließen wird. Es wird in einem 3,40 Meter hohen Behälter gesammelt, der direkt neben dem Tauchbad steht.
Früher gehörte wohl zu jeder jüdischen Gemeinde in Westeuropa ein rituelles Tauchbad, oft Judenbad genannt. Noch heute lassen sich Mikwes an gut 400 Orten in Deutschland nachweisen. Die meisten Synagogen, die jetzt wieder entstehen, werden mit Bädern ausgestattet.
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Autor: JÜRGEN BUCHTA | 19.01.2012
Unter kritischer Aufsicht der Rabbiner fließt Beton in die Verschalung. Spezialist Jeremias Katz (rechts) ist aus New York angereist. Fotos: Volkmar Könneke
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