Entwurf für Ulms neue Synagoge überarbeitet

Ulm.  Der Entwurf für die Synagoge am Weinhof hat die Zustimmung des Ulmer Gemeinderats gefunden. Die überarbeitete Version unterscheidet sich durchaus markant von der Wettbewerbsarbeit.

Vor Jahresfrist entschied eine Jury: Die Kölner Architektin Susanne Gross (Büro Kister, Scheithauer, Groß) soll die neue Synagoge mit jüdischem Gemeindezentrum am Weinhof bauen. Ihr Vorschlag eines kompakten Gebäudes, das wenige Meter weiter südlich vom alten, heute durch die Sparkasse belegten Synagogen-Standortes entfernt liegt, war unter neun Arbeiten ausgewählt worden.

Seither hat die 50 Jahre alte Professorin für Architektur ihr zum Wettbewerb eingereichtes Planungskonzept durchgreifend überarbeitet, Anregungen der Jury aufgegriffen. Das Ergebnis, darin sind sich Stadträte und Stadtspitze einig, ist ein Entwurf „von großer stadträumlicher Kraft“ (Bürgermeister Alexander Wetzig), ein „echter Solitär, nicht Nullachtfünfzehn“ (Herbert Dörfler, CDU). Maßgebliche Fortschritte gegenüber der ursprünglichen Arbeit sind ein städtebaulicher und ein architektonischer:

Indem sie das streng kubischen Formen und Normen folgende Gebäude leicht gedreht hat, erreicht die Architektin eine von der Sattlergasse auf den Weinhof zuleitende Linienführung. Dadurch entsteht für die innere Organisation der Synagoge ein frappierender Effekt: Der Gebetsraum befindet sich im Südosten des Gebäudes; die Verlängerung seiner Raumdiagonale über das Südosteck hinaus weist exakt die Himmelsrichtung nach Jerusalem.

Folglich heißt das nunmehr dort übers Eck vorgesehene Fenster mit den Motiven des David-Sterns „Jerusalem“-Fenster. Welche Symbolik für den ohnehin an Metaphern reichen jüdischen Glauben! Dieses Fenster sorgt samt einem weiteren großen Fenster überm Eingang dafür, dass die im Wettbewerbsvorschlag komplett geschlossene und nur mit einem Wandrelief gestaltete Fassade zum Weinhof hin transparenter und einladender wirkt.

Dahinter steckt auch eine Geste an die weiteren Funktionen des Hauses, das nicht nur Synagoge ist, sondern Gemeindezentrum mit: Laden für koschere Lebensmittel im Souterrain; Bibliothek, Foyer im Erdgeschoss; Saal mit Küche im ersten Obergeschoss; Religionsschule, Verwaltung, Gästezimmer im zweiten OG; Kindertagesstätte mit Speiseraum im dritten OG.

Der Baugrund ist inzwischen verkauft an die israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg als Bauherrin. In nichtöffentlicher Sitzung sei einem ortsüblichen Preis zugestimmt worden, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Damit steht dem Projekt, das 4,5 bis 5 Millionen Euro teuer wird, nichts mehr im Weg. Spatenstich ist am 17. März, Eröffnung soll am 9. November 2012 sein.


Kommentare (3)

13.02.2011 15:15 Uhr |   ulmer55

Kein Klotz - ein Kubus

Es war an der Zeit, dass unsere jüdischen Mitbürger(innen) eine neue Synagoge als würdige Gebets- und Begegnungsstätte erhalten.

Dass es wiedermal ein Klotz sein muss, dafür kann die jüdische Gemeinde nichts.
Es trifft auch zu das der Sicherheitsaspekt mit berücksicht werden muss.
Was bei vielen anderen neuen Bauten allerdings wohl weniger eine Rolle spielte.
Das Touristen nach Ulm nicht wegen der neuen Mitte, sondern wegen des Münsters und der Altstadt kommen wird nach wie vor ignoriert.
Ebenfalls, dass mehrfach prämierte und ausgezeichnete Klotzbauten
unter der großteils in höheren Sphären schwebenden Architektenwelt für Verzückungen sorgen, nicht jedoch beim gemeinen Ulmer Bürger.
Mein tiefstes Mitgefühl gebührt Herrn Hans-Uli Thierer, welcher ganz verstört , nicht begreifen kann, wie doch manche(r) Ulmer(in) einen prächtigen Kubus zu einem Klotz herabwürdigen kann.
Ich jedenfalls staune künftig nur noch Baukuben statt
-klötze. Alles andere wäre zu gewöhnlich.
12.02.2011 18:23 Uhr |   K21_Befuerworter

"Belebung" der Innenstadt durch Sparkasse?

Die Sparkasse Ulm hat in den letzten Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter deutlich erhöht, ohne dass man als Kunde etwas davon hätte (Öffnungszeiten sind für Berufspendler absolut unzureichend). In den nächsten Jahren soll die Sparkasse mitten im Zentrum immer mehr Platz bekommen - weil sie ja mehr Mitarbeiter hat. Abends ab 18 Uhr, samstags und sonntags stehen dann riesige Büroflächen in der "Neuen Mitte" leer. Aber die Kommunalpolitiker fragen nie nach, warum die Sparkasse so viel Fläche braucht, warum das mitten im Zentrum sein muss und warum dann die Synagoge irgendwo auf einen Platz "gequetscht" werden muss und sie nicht an ihrem früheren Standort gebaut werden kann. Es ist in Leserbriefen in der Vergangenheit mehrfach gefragt worden, warum am alten Standort der Synagoge jetzt die Sparkasse steht. Eine Antwort gab es nie. Die Sparkasse und die verantwortlichen Politiker tun sich mit diesem Schweigen keinen Gefallen.
12.02.2011 17:33 Uhr |   Paco

Entwurf für Ulms neue Synagoge überarbeitet

Wie kann es zulassen das so ein häßlicher Bau neben historischen Gebäuden gebaut werden soll.

Geschmack sieht anderst aus !!!

Ich wollte mal sehen wenn eine Privatperson einen solchen Klotz auf dem Platz errichten wollte -
ein Aufschrei ginge durch die Stadt -

und jetzt ?

Schweigen der Lämmer ???????????

Danke

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Autor: HANS-ULI THIERER | 11.02.2011

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