Jakob Fugger könnts richten

Vortrag im Historischen Stadttheater

Weißenhorn.  In seinem Weißenhorner Festvortrag zum 550.Geburtstag des Augsburger Kaufmanns Jakob Fugger zog Johannes Burkhardt Vergleiche zu heute.

Ach, hätten wir doch ein paar Jakob Fuggers, wie anders sähe unsere Wirtschaftpolitik, unsere gesamte Gesellschaft aus. Einen solch flapsig-banalen Stoßseufzer erlaubte sich Dr. Johannes Burkhardt, der Direktor des Fürstlich und Gräflich Fuggerischen Familien-und Stiftungs-Archiv Dillingen, bei seinem gelehrten Festvortrag im historischen Stadttheater Weißenhorn selbstverständlich nicht. Aber die Botschaft wurde von den zahlreichen Zuhörern wohl gehört: Jakob Fugger (1459-1525) wäre es nicht im Traum eingefallen, in finanzieller Not den Staat um Hilfe zu bitten! Er fand andere Lösungsstrategien, wenn eine Krise auf ihn zurollte.

Er ließ sich Zeit, baute in Ruhe weiter, wartete ab und besprach das Problem nicht öffentlich. Und vielleicht kam er auch deswegen heil über Krisen, "weil es damals noch keine Wirtschafts-Weisen gab". Solche Aussagen erfreuten. Aber Johannes Burkhardt hatte es in seinem überaus kenntnis- und faktenreichen Vortrag nicht auf Lacher abgesehen. Dem Historiker kam es darauf an, Jakob Fuggers enorme Leistung aufzuzeigen, die darin bestand, dem "stützungsbedürftigen Staat" nicht nur mit Geld, sondern auch mit seinem wirtschaftlichen Knowhow zu helfen.

Die große, nachhaltige Bedeutung des berühmten Kaufmanns sieht Burkhardt in "der Qualität seiner Geschäftstüchtigkeit" und in der Kunst, seine in Venedig erworbenen exzellenten Handelskenntnisse nach Augsburg zu transferieren und in großem Stil über die Grenzen hinweg weiterzuentwickeln.

Natürlich gewann Fugger an kolossalem Einfluss, indem er Hauptkreditgeber von Kaiser MaximilianI. wurde, natürlich sicherte er sich mit seinem Reichtum Monopole und Macht. Doch er missbrauchte sie nicht, im Gegenteil. Könnte also, da Banker derzeit als skrupellose Geschäftemacher ins Blickfeld gerückt sind, dieser "erste Kapitalist", wie Jakob Fugger gern genannt wird, nicht einen nachdenkenswerten Gegenpol bilden? "Auch er wusste, wie man Geschäfte macht. Doch er hatte ein soziales und kulturelles Gewissen. Die Logik des Geldes dominierte nicht sämtliche Lebensbereiche." Nur so, ganz leise, aber deutlich vernehmbar, brachte Burkhardt seine Kritik an der heutigen Wirtschafts- und Finanzpolitik zum Ausdruck.


Autor: Susanne Rudolph | 28.10.2009

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