Grüne suchen S-21-Strategie

Stuttgart.  Kritisch oder konstruktiv? Innerhalb der Grünen ist der Umgang mit dem Volksentscheids- Votum zu Stuttgart 21 strittig. Vor allem in der Landeshauptstadt macht die Basis Druck auf die eigene Regierung.

Als die Bahn vergangenes Wochenende in einer Nachtaktion am Wagenburgtunnel nahe dem Hauptbahnhof über 30 Bäume fällen ließ, machte die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagsvize-Präsidentin Brigitte Lösch ihren Unmut auf ihrer Facebookseite publik: "Ich erwarte von meinem Ministerpräsidenten und meiner Landesregierung nun deutliche Worte an die Bahn - die ohne vorherige Information diese Nacht- und Nebelaktion gestartet hat."

Die Reaktionen waren gespalten. Während viele Lösch für ihre Worte dankten ("So habe ich wenigstens das Gefühl, doch die Richtigen gewählt zu haben"), erinnerten andere an die neue Rolle der Partei: "Dann schreitet ein. Ihr stellt jetzt die Regierung!"

Dass die grüne Landtagsvizepräsidentin meint, ihren Parteifreund und Regierungschef Winfried Kretschmann via Facebook mahnen zu müssen, zeigt, wie schwer sich die Partei seit der Niederlage der Volksabstimmung mit dem Thema Stuttgart 21 tut - besonders in der Landeshauptstadt selbst.

Während etwa Kretschmann nach dem Volksentscheid erklärt hatte, er halte "weitere Demonstrationen nicht für zielführend", nehmen Stuttgarter Parteifreunde nach wie vor an "Montagsdemos" teil. Und während Regierungsstrategen darauf verweisen, dass die Südwest-Grünen auch nach der S-21- Abstimmung in den Umfragen hervorragend dastehen, bekommen die Stuttgarter Grünen mächtig Ärger von der Basis und fürchten um den schon sicher geglaubten Erfolg bei der diesjährigen OB-Wahl.

In der Landeshauptstadt, wo die Abstimmung knapper verloren ging als im Landesschnitt, hat die Gegnerschaft zu dem Milliardenprojekt die Grünen zur stärksten Kraft im Gemeinderat werden lassen. Hier ist das Thema präsenter als im Rest des Landes, die Debatte emotionaler aufgeladen und der Frust größer.

Den Ärger über eine seit dem Volksentscheid gegenüber der Bahn vermeintlich zu zahnlose Regierung bekommt vor allem die grüne Gemeinderatsfraktion in Stuttgart zu spüren. Es gebe vereinzelte Austritte und viel Kritik, sagt Gemeinderatsfraktionschef Peter Pätzold: "Wir sind der Ansprechpartner vor Ort, bei uns kommt der Unmut direkt an." Die Stuttgarter Landtagsabgeordnete und grüne Stimmenkönigin bei der Landtagswahl, Muhterem Aras, sagt, es gebe "in allen Ortsverbänden massiven Druck auf alle Mandatsträger", klarer gegenüber der Bahn Stellung zu beziehen.

Um den Konflikt zu befrieden, hat es am Donnerstagabend ein Gespräch zwischen grünen Regierungsvertretern und Stuttgarter Parteifreunden gegeben. "Das war hilfreich", sagt Pätzold. "Der grüne Teil der Regierung ist ja bereits kritisch - aber das muss der Bürger mehr mitbekommen als bisher." Natürlich akzeptiere man das Ergebnis des Volksentscheids, aber das bedeute keinen Freibrief für die Bahn. "Es ist deshalb auch kein grünes Projekt, sondern eines, das wir weiter sehr kritisch sehen."

Aras sagt, auch sie werde S 21 kritisch begleiten und die Finger in die Wunden legen und die Bahn auffordern, sich an die Gesetze zu halten. "Aber wir müssen den Volksentscheid akzeptieren. Deshalb sind unsere politischen Hebel begrenzt."


Kommentare (38)

02.02.2012 16:52 Uhr |   Albert Ulmer

Grüner Strategie-Vorschlag - NICHT Wasser predigen und Wein saufen

NICHT Wasser zu predigen und Wein zu saufen - das wäre ein guter Ansatz für eine 'Grüne Strategie'.
Und das nicht nur für S21.

Siehe hierzu:
(..) Umstrittener Politikerfreund Schmidt
Das System M@nfred
Dem Bundespräsidenten bereitet er Ärger - jetzt kommen auch pikante Details über Manfred Schmidts Bekanntschaft zu anderen Politikern ans Licht. Kurt Beck ließ sich von dem Party-Manager einen Flug im Privatjet bezahlen, Grünen-Chef Özdemir feierte mit ihm eine Fußballsause. (..)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812888,00.html

Ob's jetzt gleich damit losgeht, das der Spiegel ein ganz arg doll pöses kapitalistisches und CDU/FDP gesteuertes Blatt sei?
Lassen wir uns überraschen.

Alles wird Gut!
... das kann mittlerweile bezweifelt werden.
30.01.2012 11:23 Uhr |   Albert Ulmer

Die Idee der Woche - Eine Strategie-Wettbewerb und Tipp für Grüne

Nachdem man leider Feststellen muss, das Grüne gerne in der Öffentlichkeit die Handlungsweise ihres Ministerpräsidenten 'anmahnen' (vielleicht besser 'anprangern') und sich damit offensichtlich sehr schwer tun der Strategie-Empfehlung ihres Ministerpräsidenten zu folgen ...

Wie wäre es mit einem Wettbewerb - 'Die Grüne S21-Strategie'?!
Einsendeschluss in so ca. einem halben Jahr (so lange hat man sich auch mit der ganz wichtigen Volksabstimmung nach dem nach oben Kommen in der Regierung Zeit gelassen).

Die MP-Strategie kann hier herausgelesen werden:
http://www.gruene-stuttgart.de/fileadmin/Kreisverband/Aktuell/S21/Offener_Brief_von_MP_Kretschmann_an_Parksch%C3%BCtzer.pdf

Noch ein Tipp für Grüne.
Vor lauter anscheinlicher Öffentlichkeits-Profilierungs-Sucht - nicht immer gleich dem MP in den Rücken fallen!
Das ist nicht fair.
Und schadet auch dem Öffentlichkeitsbild der GESAMTEN Partei.

Alles wird gut!
29.01.2012 19:08 Uhr |   Peter  Küpper

Im Gegensatz zu den Amtsträgern Palmer und Hermann, welche

ihre Zuhörer schamlos belogen und betrogen, hat Dr. Schuster die Stuttgarter Bürger sachlich und objektiv aufgeklärt, wie es sich für einen guten Bürgermeister gehört.

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