Primiz stresst die Feuerwehr

Senden.  Wer früher dran war, ist nicht mehr zu klären. Fest steht: Die Feuerwehr Wullenstetten muss ihr Dorffest wegen einer Gottesdienst-Premiere verlegen.

Eigentlich wollte die Freiwillige Feuerwehr Wullenstetten dieses Jahr bei ihrem alljährlichen Dorffest mal etwas anderes versuchen: Eine stilechte Münchner Hofbräuhaus-Kapelle sollte die Gäste unterhalten, berichtet Feuerwehrvereins-Vorsitzender Josef Ölberger. Doch Pustekuchen. Der örtliche Musikverein "Harmonia" wird auftreten. Schuld daran ist niemand geringeres als die katholische Diözese Augsburg. Denn das Bistum erzwang eine Verlegung des Dorffests von Samstag und Sonntag, 2. und 3. Juni, auf das Wochenende darauf - und am neuen Termin können die Münchner nicht.

Grund dafür wiederum ist eigentlich ein hocherfreulicher: Am Sonntag, 3. Juni, wird Stefan Bosch in Wullenstetten seine Primiz feiern. Bosch stammt aus dem Ort. Er hat Physik studiert, im berühmten Kernforschungszentrum CERN in Genf promoviert, arbeitete als Teilchenphysiker an verschiedenen Universitäten in Deutschland und im Ausland. 2005 trat der jetzt 36-jährige in den Orden der Benediktiner ein, absolvierte in München und Rom sein Studium der Theologie und Philosophie. Mittlerweile trägt er den Namen Bruder Timotheus.

Im August 2011 bereits wurde Bosch in der Erzabtei St. Ottilien nahe Landsberg zum Diakon geweiht. Am 26. Mai folgt der nächste Schritt: die Priesterweihe in Augsburg. Und genau eine Woche später, also am 3. Juni, soll eben in Wullenstetten die Primiz stattfinden. "Die Primiz ist die erste Messfeier eines Priesters in seiner Heimatpfarrei", erklärt Markus Kremser, Pressesprecher der Diözese. Und die Primiz müsse am Sonntag nach der Weihe stattfinden - das lasse sich nicht verschieben. Genausowenig wie die Priesterweihe, bei der gleich fünf neue Pfarrer in die Gemeinschaft aufgenommen werden: Der Termin stehe schon lange fest, sei mit dem Bischof und den anderen Priestern abgestimmt, sagt Kremser. "Das ist eine richtig große Nummer."

Also konnte Ölberger gar keinen Erfolg haben mit seinen alternativen Terminvorschlägen: Er verwies die Diözese beispielsweise auf das Vatertagsfest des RSV Wullenstetten am 17. Mai: "Das Festzelt hätte der Verein am Sonntag nicht gebraucht, es hätte also für die Primiz genutzt werden können." Nein, der Termin stand fest - und Ölberger musste umbuchen. Stress und eine "beherrschbare Verärgerung" habe es aber schon ausgelöst, dass sich die Kirche ohne Rücksprache mit den Vereinen "reingedrückt" habe.

Zumal die Feuerwehrleute deswegen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenende ran müssen: Für die Primiz soll nach dem Willen der örtlichen Kirche beim Musikerheim ein 1000-Mann-Zelt aufgebaut werden. Natürlich von den Vereinen, die auch für die Bewirtung sorgen sollen - alles für "Gotteslohn".


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