Zwei Spuren im Schnee

Ulm.  Was mit manchem Sturz aufs Hinterteil begonnen hat, ist für Linus Reulein und Angela Walter zum liebsten Zeitvertreib geworden. Die beiden Zwölfjährigen gehören zu den größten Talenten im Ski-Bezirk.

Das mit dem Schnee, das ist ein Problem für Linus Reulein. "Es wird langsam Zeit, dass es richtig losgeht", sagt der Zwölfjährige. Zeit, dass der Schnee reichlich kommt, dadurch die Wege zum Training kürzer und vor allem häufiger werden. Zeit auch, dass endlich die ersten Rennen gefahren werden. Am vergangenen Wochenende war es soweit. Beim Saisoneröffnungsrennen in Nesselwang konnten die Talente aus der Region endlich zeigen, was sie draufhaben. Linus landete im Vorderfeld. Die gleichaltrige Angela Walter feierte sogar einen Sieg. Gelungener Einstand.

Angela Walter und Linus Reulein besuchen die 7a am Anna-Essinger-Gymnasium. Das Glück liegt für die beiden auf zwei schmalen Brettern, mit denen sie jeden Winter die Berge runterbrettern. Möglichst elegant, aber vor allem möglichst schnell. "Gas geben", will Linus in diesem Winter. "Voll angreifen", hat sich Angela vorgenommen.

Das Mädchen aus Unterkirchberg hat im Allgäu das Skifahren gelernt, genauer gesagt in Steibis bei Oberstaufen. Schon als kleines Mädchen von drei Jahren stand sie dort auf den Brettern. "Dann haben mich meine Eltern irgendwann im Skiklub angemeldet", erzählt sie. Inzwischen ist die Zwölfjährige beim DAV Ulm, wo nicht nur Talente wie sie eine Heimat haben, sondern auch Kinder, die vielleicht nicht ganz so schnell unterwegs sind, aber trotzdem jede Menge Spaß am Skifahren haben.

Skifahren ist Familiensache, noch mehr als viele andere Sportarten. Wenn die Eltern nicht die gleiche Begeisterung für die weiße Pracht aufbringen wie ihr Nachwuchs, wird es schwer. Oft sind bei den Talenten Mutter oder Vater Skilehrer, zumindest aber gibts regelmäßig Winterurlaub, Wochenenden in den Bergen. Bestes Beispiel ist Linus Reulein. Papa Thomas ist Sportwart der Skiabteilung beim TSV Erbach, auch sein älterer Bruder Moritz hat es in den Landes-Kader geschafft. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann auch der junge Reulein dran ist.

Dann ist da natürlich noch die Frage der Kosten. Einige hundert Euro ist man schon für eine ganz normale Ski-Ausrüstung los. Leihen ist eine Alternative, gerade für Kinder gibt es Angebote über eine ganze Saison hinweg. Für diejenigen, die auf Bezirks- und sogar Landesebene Rennen fahren ist das natürlich keine Alternative.

Bei Angela Walter stehen vier Paar Ski im Keller, bei Linus Reulein sind es fünf - und die Väter dazu. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich da unten einschließen", erzählt Thomas Reulein lachend. Schleifen, schrauben, wachsen, das ist bei beiden Familien Männer-Sache. Die Schuld-Frage, wenn das Brett mal nicht so läuft, ist entsprechend schnell geklärt.

Den Sommer über haben die Zwölfjährigen an der Kondition gefeilt. Denn der alte Spruch "Wintersportler werden im Sommer gemacht", ruft bei ihnen zwar keine Begeisterungsstürme hervor, "aber man gewöhnt sich dran", meint Linus. Auf den Gletscher gehen sie da viel lieber, und wenn im Allgäu die Unterlage passt, dann steht jeden Freitag der Kleinbus vor der Schultür und es geht ab in die Berge, manchmal bis zum Sonntag Abend. Hausaufgaben sind zum Glück kein Thema. Nicht umsonst ist das Essinger-Gymnasium mit dem Sportzug Ganztagesschule. "Und unter der Woche gehen wir auch nachmittags öfter trainieren", erzählt Linus, denn am Wochenende werden sich jetzt die Rennen häufen.

Mit Caro Fischer und ihrem "Co" Peter Heeger haben die beiden am Ulmer Stützpunkt eine versierte Trainerin. Angela hat bereits einen Winter mit dem Duo an der Form gefeilt. "Sie ist echt klasse. Das macht richtig Spaß", erzählt die Zwölfjährige. 15 talentierte Sportler aus der Region Neu-Ulm, Alb-Donau und Ostalb sind zusammen unterwegs.

Bei Familie Walter wird trotz des zeitintensiven Hobbies der Tochter Winterurlaub gemacht. Eine Woche Steibis in den Winterferien muss drin sein, dort, wo alles einst angefangen hat. "Bei uns gibts keinen normalen Skiurlaub mehr. Ehrlich gesagt freuen wir uns inzwischen über jeden Tag, an dem wir keinen Schnee unter den Füßen haben", meint dagegen Thomas Reulein. Linus grinst. Ganz ernst meint es der Papa wohl nicht. Wenn doch, hat er keine Chance. Denn: "Skifahren ist das Größte", sagt der Filius. Und was ist mit Snowboard? "Auf keinen Fall!"


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Autor: UTE GALLBRONNER | 23.12.2009

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