Stefan Schmieg ist Sportkletterer

Stefan Schmieg gehört zu den besten Nachwuchskletterern des Landes und erklärt, warum man auch ohne Seil klettern könnte.

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Stefan Schmieg aus Bubenorbis gehört zu den besten Nachwuchskletterern des Landes.  Foto: 
Traininslager von Fußballern kennt man eher. Wie läuft das bei Kletterern ab?
Ich bin mit meinem Trainer ins Frankenjura, die Gegend zwischen Nürnberg, Bamber und Bayreuth, gefahren. Das ist eine ähnliche Landschafte wie bei uns in Hohenlohe. Allerdings gibt es große Felsen mitten im Wald. Mein Trainer Sebastian Uhl coacht mich seit fünf Jahren. Da geht es unter anderem um Trainingsaufbau, Warmmachen und technische Übungen.

Wo übernachtet ihr?
Wir campen auf einem Wanderparkplatz in der Nähe der Felsen. Sebastian schläft im Auto, ich draußen im Schlafsack. In der Nacht von Mittwoch auf Donnestag war es etwas frisch. Frühstück machen wir auf dem Rewe-Parkplatz in der Nähe. Da werden mit Schinken-Brötchen Kohlenhydrate gebunkert.

Wie muss man sich diese Felsen vorstellen?
Es gibt unterschiedliche Höhen, die Felsen sind zwischen 15 bis 20 Meter. Die meisten Kletterstrecken sind nicht länger als in der Halle. Im Gegensatz zum Indoor-Klettern spielt die Witterung herein. Außerdem hat es keine künstlichen Griffe.

Welches Gestein kommt dort vor?
Es sind vorwiegend Kalkfelsen. Viele Strecken sind abgeklettert. Dann wurde vom Gestein herausgebrochen, was rausbrechen kann. Die Sicherungen sind drin, man kennt den Touenverlauf. Außerdem gibt es einen Führer, in dem das komplette Gebiet inklusive den Schwierigkeiten erklärt ist.

Aber Du kannst doch nicht mit Buch klettern?
Nein, das Buch lasse ich beim Einstieg zurück. In der Wand muss ich mir die Sicherungspunkte anschauen, dann folge ich dieser Linie.

Welche Schuhe benötigt man?
Relativ enge mit Gummisohle, auf keine Fall Straßenschuhe. Ein Paar um zirka 100 Euro. Dieses hält drei rund Monate. Dann sind vorne Löcher drin. Das kann ganz schön schmerzhaft sein.

Wie wärmst Du Dich auf?
Die ersten Touren sind leicht, man geht eine Seillänge entspannt an. Mein Trainer sichert von unten. Geht es leicht, sagt er nichts. Wird es schwer, feuert er an. Geschwindigkeit ist nicht das Wichtigeste. Wenn man langsam ist, geht schnell die Kraft aus. Wenn man schnell ist, kann man Fehler machen und wegrutschen. Man fliegt in die Sicherung rein. Das ist nicht so schlimm, man kann das kontrollieren.

Trägst Du einen Helm?
Nein, den habe ich nicht immer auf. Das kommt auf den Felsen an. Manche sind nicht so brüchig. Dann ist es nicht so gefährlich.

Bis Du vor einer schwierigen Tour nervöser?
Man wird darauf hingewiesen. Wacklige Griffe, die bemerkt man beim Klettern. Man muss einfach einen anderen nehmen. Falls es den nicht gibt, muss man den wackligen vorsichtig belasten.

Welche Schwierigkeitsgrade bist Du gewöhnt?
Ich habe Projekte bis zum Neuner-Grad. Da sind einzelne Touren am Leistungslimit dabei. Da habe ich schon Respekt. Aber man geht ja meisterns rein und schaut sich die Touren an. Dadurch kennt man die Züge.

Was bedeutet Neuner?
Das sind schwierige Felsen, nicht unbedingt überhängend. Es gibt kleine Griffe und weniger Tritte. Wenn die Felsen nicht so steil sind, sind sie eher lang und glatt. Im Trainingslager geht das hoch bis zum Elfer.

Muss man immer mit Seil klettern?
Ohne geht es auch. Aber ich würde es nicht machen. Freikletterer kennen die Touren, sie haben sich diese zigmal angeschaut. Das wäre mir zu gefährlich.

Ist Klettern in der Halle nicht langweilig?
Nein, die Routen werden zirka alle zwei Monate umgeschraubt. Immer wieder probiert man, zum Teil neue Touren zu verbinden . .

Wie läuft ein Wettkampf ab?
Beim Seilklettern ist das eine neue Tour, die keiner kennt. Man hat in der Qualifiaktion einen Versuch und muss so weit wie möglich hochkommen. Die besten Zehn, die die meiste Höhe geschafft haben, dürfen ins Finale. Die Geschwindigkeit ist nicht entscheidend, denn die vorgeschriebenen neun Minuten reichen. Die Züge sind eh so schwer, da muss man schauen, wer am weitesten hochkommt.

Wie lange bleibst du noch im Trainingslager?
Am Fels macht es mehr Spaß als in der Halle. Wir bleiben, so lange das Wetter passt. Nach ein paar Tagen braucht man eh einen Ruhetag, sonst hält man das nicht durch.

Die Fragen stellte Guido Seyerle.

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