Skurriles und Kurioses abseits der Bretter beim Bundesligaspieltag

Noch nie hat Schwäbisch Hall einen Schach-Bundesliga-Spieltag erlebt. Von Freitag bis Sonntag gab es viele niveauvolle Partien zu sehen - und viele Kuriositäten. Die Splitter eines Bundesliga-Spieltags.

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Blick von der Empore in den Stadtwerke-Saal. Die Partien zwischen dem SK Hall und der OSG Baden-Baden laufen seit gut einer halben Stunde.  Foto: 

Der Gesichtsausdruck spricht Bände: Großmeister Boris Gelfand schaut irritiert auf seinen Teller. Am Freitagabend hatte Halls Mannschaftsführer Harald Barg das Team zum Essen ins Bacchus-Zimmer seiner Vinothek eingeladen. Er serviert Spätzle, Knödel und buf de Hohenlohe. Der Israeli Gelfand hat so etwas noch nie gegessen. Die wortreichen Erklärungen Bargs zu "Spätzle" und "Knödel" - auf Englisch - nimmt Gelfand kaum wahr. Er probiert vorsichtig - und isst alles auf. "Es hat gut geschmeckt" , berichtet er.

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Unter den über 300 Besuchern sind viele Schachspieler aus dem weiteren Umkreis. Von den Schachfreunden Vöhringen haben sich gleich fünf Spieler nach Hall aufgemacht. Ausgerüstet sind sie mit Kameras - und einem Schachbrett. Auf den weißen Feldern bitten sie die Großmeister um Autogramme. Am Samstagabend sind nahezu alle weißen Felder beschrieben.

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Samstag, 14.05 Uhr: Die acht Begegnungen der Partie Hall - Baden-Baden beginnen unter einem Blitzlichtgewitter. Offiziell ist der Blitz verboten, Schiedsrichter Thomas Wiedmann lässt angesichts des Zuschauerandrangs Gnade vor Recht ergehen. Die Schachfreunde sind ob der Prominenz der Akteure in ihrem Enthusiasmus kaum zu bremsen. Viele Spieler lösen das Problem auf ihre Weise: Sie ziehen jeder ein paar Mal, dann stehen sie von den Tischen auf. Es entsteht ein skurriles Bild: Schachspieler aller vier Vereine unterhalten sich, während die jeweiligen Uhren herunterlaufen. Nach rund zehn Minuten wird es merklich ruhiger, die Spieler gehen konzentriert an ihren Platz zurück.

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Halls Li Chao war nach seiner Niederlage gegen Alexei Shirov (Baden-Baden) restlos bedient. Mannschaftsführer Harald Barg versucht den Chinesen am Samstagabend per SMS zu erreichen und zum gemeinsamen Abendessen abzuholen. Chao verzichtet und ist am Sonntag früh völlig durch den Wind. Um 10.15 Uhr - Spielbeginn ist um 10 Uhr - ist er immer noch nicht an seinem Platz. Barg holt ihn aus der Wohnung ab, Chao schafft es gerade noch in der Karenzzeit von 30 Minuten am Brett zu sitzen. Dort fackelt er nicht lange und besiegt den Eppinger Sebastian Bogner in weniger als drei Stunden.

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Kurios wird es im Anschluss: Li Chao analysiert im Live-Stream auch die Partie gegen Shirov. Ungefähr zehn verschiedene Lösungswege präsentiert er und fasziniert damit die Zuschauer. Er habe kaum geschlafen und bis um 4 Uhr in der Früh sich das Hirn zermartert, warum er einen solchen Zug gespielt habe, der Shirov noch den Sieg ermöglichte. Mannschaftskamerad Frank Zeller, der den Live-Stream zusammen mit Mathias Womacka kommentierte, erinnert Li Chao daran, dass dessen Niederlage Baden-Baden den Sieg beschert habe. Li Chaos Gesichtszüge entgleisen kurzfristig - er hatte das Ende der gesamten Partie nicht abgewartet, war voller Frust nach Hause gegangen. Nun erfährt er von der Haller 3,5:4,5-Niederlage gegen Baden-Baden - und schlägt die Hände vors Gesicht. Harald Barg quittiert das mit einem Lächeln: "Natürlich habe ich ihm das Ergebnis heute früh gesagt, doch wegen der Hektik hat er es nicht wahrgenommen."

Anekdoten vom Schach

Li Chao läuft die Zeit davon

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