Schach: Männer ja, Frauen vielleicht

Zeitweilig ist es emotional auf der Jahreshauptversammlung, um 22.35 Uhr ist alles vorbei. Der SK Hall will vorerst beide Bundesliga-Teams anmelden. Der Vorsitzende bleibt im Amt, der Frauen-Kapitän geht.

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Boris Gelfand, auf dem Bild bei einem Zug während seiner Partie gegen Baden-Badens Etienne Bacrot, wird nicht mehr für den SK Hall spielen. Archivfoto: Achim Köpf

Bereits im Vorfeld war durchgesickert, dass in der kommenden Saison das Geld wohl nur für ein Team reichen würde - sehr zum Missfallen des Vorsitzenden Michael Riedel. "Das kann nicht sein, das sollte bis heute nicht in die Öffentlichkeit."

In seinem Rückblick verwies Riedel auf das erfolgreichste Jahr der 79-jährigen Vereinsgeschichte: Zwei Bundesligateams, zudem der Aufstieg der zweiten und vierten Herrenmannschaft. Er erwähnte auch den Wirtschaftsbeirat, der mit Werner Schmid (ehemaliger Geschäftsführer von Stego), Johannes van Bergen (ehem. Geschäftsführer Stadtwerke Hall), Eberhard Spies (Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim) und Erhard Steffen (ehemaliger Vorstandssprecher der Bausparkasse) prominent besetzt war. Er sollte Türen bei potenziellen Sponsoren öffnen. 800 Schreiben gingen raus, der Erfolg war gleich null. Es sei "saumäßig schwierig", Geldgeber zu gewinnen, meint Riedel. Mittlerweile ist der Wirtschaftsbeirat aufgelöst.

Und so hat der Verein für die kommende Spielzeit nicht so hohe finanziellen Ressourcen wie erhofft. Die Konsequenz daraus: "Wir werden nur mit einem gesicherten Budget arbeiten", so Riedel. Der Verein hatte im Jahr 2014 über 700 Buchungen zu verzeichnen, Ein- und Ausgaben übersprangen - auch wegen der Ausrichtung der deutschen Schulschachmeisterschaft - jeweils die 120.000-Euro-Marke. Am Ende blieb ein kleines Plus.

Solche Summen werden aller Voraussicht nach 2015 nicht erreicht werden. Riedel rechnet mit einem Budget im höheren fünfstelligen Bereich. "Das ist auch gesichert." Teils haben Sponsoren Geld gebracht, ein großer Teil aber stammt von Privatspendern, die damit vornehmlich das Männerschach unterstützen wollen. Die Frauen, so Riedel, gerne auch, aber nur, wenn das Gesamtpaket finanzierbar sei.

Der Vorstand habe daraufhin mit 4:1 Stimmen beschlossen, die Männermannschaft wieder in der 1. Bundesliga anzumelden. Zwar werde man auf prominente Spieler wie den ehemaligen Vizeweltmeister Boris Gelfand verzichten, doch das Team soll stark genug sein, um sich im Mittelfeld zu behaupten.

Ohne Gegenstimme im Vorstand wurde beschlossen, auch das Frauenteam in Deutschlands höchster Klasse anzumelden. Im Gegensatz zur Männer-Bundesliga sind die verbindlichen Meldefristen bei den Frauen später. Riedel betonte, dass dies ein vorläufiger Schritt sei. Sollte kein weiteres Sponsorengeld eingesammelt werden können, werde man das Frauenteam abmelden. Die Spielerinnen werden vom Vorstand entsprechend informiert.

Die Option, das Männerteam in der 2. Bundesliga spielen zu lassen und die Damen weiter in der ersten Liga, gebe es zwar, doch dann würden sich einige private Geldgeber zurückziehen. "Zudem müsst Ihr Euch dann auch einen anderen ersten Vorsitzenden suchen", unterstrich Riedel. Dieses Szenario habe eine starke finanzielle Unterdeckung zur Folge, das könne er als Vorstand nicht verantworten.

Mario Meinel, SK-Schriftführer und Teamkapitän der Frauen, stellte seine Posten zur Verfügung. Das Frauenteam habe Einmaliges geschafft. "Von der Regionalliga in den Europacup innerhalb von drei Jahren." Der Erfolg aber sei vom Verein nicht gewürdigt worden. Auch auf der Hauptversammlung vermisste er ein Wort des Dankes. Sehr enttäuscht sei er, dass es keine Wertschätzung gebe.

Zwar machten einige Mitglieder in ihren Wortbeiträgen deutlich, dass sie einen möglichen Rückzug der Frauenmannschaft nicht gutheißen, doch letztlich wurde der Vorstand meist einstimmig im Amt bestätigt. Das Schriftführeramt von Mario Meinel übernimmt in Zukunft Robert Bühler.

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