Nach vier Stunden kippen die Haller reihenweise um

Die OSG Baden-Baden demonstriert beim 6:2 gegen den SK Hall ihre Ausnahmestellung. Die Haller schlagen aber den Aufsteiger aus Speyer.

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Es war die Begegnung des Wochenendes: Der amtierende Europameister Ernesto Inarkiev (links) gewann das Duell gegen Baden-Badens Peter Svidler, der eigens für diese Partie die Kommentierung der WM unterbrach.  Foto: 

Das Gastspiel in Baden-Baden endete für das Haller Schachbundesligateam wie zu erwarten war: Gegen den Aufsteiger aus Speyer-Schwegenheim gab es einen souveränen 7:1-Kantersieg, dafür blieb man im Spitzenkampf gegen den hochdotierten Gastgeber beim 2:6 chancenlos. Unterm Strich konnten die Haller mit ihrem Abschneiden zufrieden sein und setzen sich auf Platz 5 der Tabelle fest.

Wie soll man nur einem übermächtigen Gegner begegnen? Mannschaftsführer Harald Barg setzte auf einen Mix aus Weltklasse, bestehend aus zwei russischen und zwei israelischen Supergroßmeistern, einem traditionell zum Team gehörenden Block mit französischen Spielern sowie zwei heimischen Kräften und hoffte auf das Überraschungsmoment.

Die Vorbereitung zum Schlagerspiel geriet für die Haller holprig, als Frank Zeller kurzfristig erkrankte und Barg auf die Schnelle einen Ersatzspieler nachnominieren musste. Letztlich sprang Mannschaftssenior Pavel Zpevag in die Bresche. Der tschechische Internationale Meister bewies einmal mehr seine Treue zum Verein, indem er sich kurzentschlossen ins Auto setzte und rund 900 Kilometer binnen Tagesfrist von seinem Wohnort an der tschechisch-slowakischen Grenze bis nach Baden-Baden zurücklegte.

Gastgeber Baden-Baden wollte nichts dem Zufall überlassen. Der Achter, der an die Bretter ging, war so stark, wie selten zuvor in der deutschen Bundesliga gesehen. Zwar fehlten die absoluten Cracks aus den Top-Ten der Weltrangliste, doch ansonsten war das bestmögliche Aufgebot im Kristallsaal des Kulturhauses LA8 zusammengezogen worden. So spielte mit Arkadij Naidisch die langjährige Deutsche Nummer Eins für Baden-Baden am achten Brett – eine hohe Hürde für den unvorbereiteten Zpevak auf Haller Seite.

Das edle Spiellokal in Baden-Badens Flaniermeile sah großen Publikumsandrang. Aus ganz Baden-Württemberg waren interessierte Schachfreunde in die badische Kurstadt gereist. Wie wichtig die Baden-Badener das Spiel nahmen, war daran zu erkennen, dass Wolfgang Grenke, Firmeninhaber von Grenke-Leasing und Mäzen des Vereins, über die gesamte Spieldauer anwesend war.

Anfangs hat Hall Hoffnung

Das Match nahm aber zunächst einen unerwarteten Verlauf: lange Zeit hielten alle Haller auf Augenhöhe mit und kamen sogar durch den amtierenden Europameister Ernesto Inarkiew zur Führung: Am ersten Brett setzte er dem mehrfachen russischen Meister Peter Swidler mit einem Angriff schwer zu, und als dieser die notwendige Verteidigung nicht fand, siegte Inarkiew im Handumdrehen mit einem Königsangriff. Gegner Swidler war von Hamburg eingeflogen worden, wo er die Partien des derzeit in New York stattfindenden Weltmeisterschaftsmatches zwischen Magnus Carlsen und Sergeij Karjakin für eine Internetplattform kommentiert, und deswegen vielleicht nicht ganz konzentriert agierte. Nach einem Kurzremis am Sonntag flog der Russe in Diensten Baden-Badens sogleich wieder nach Hamburg zurück.

Zwischendurch hieß es 2:1 für Hall, Hoffnungen auf Haller Seite wurden genährt. Doch der Druck der Weltklassetruppe nahm von Minute zu Minute zu. Viele Haller gerieten in Zeitnot, und diese wurde den Gästen zum Verhängnis.  Nach knapp vier Stunden Spielzeit kippten die Hohenloher reihenweise um, zwei sicher geglaubte Remisen gingen noch verloren, so dass die Niederlage doch noch drastisch ausfiel.

Am Folgetag präsentierten sich die Haller indes gut erholt. Gegner Speyer-Schwegenheim ließ aufhorchen und hatte zuvor überraschend die favorisierten Dresdener geschlagen. Das Haller Team zeigte sich am Brett mit der richtigen Einstellung: Im Vertrauen auf die eigene Stärke gab es sich jederzeit souverän, spielte sehr konzentriert und häufte nach und nach Vorteile, am Ende stand ein deutliches 7:1. Topscorer Ernesto Inarkiew gewann ein kompliziertes Endspiel, das die versammelten Experten lange Zeit für Remis hielten. Inarkiew wurde somit einmal mehr zum „Mann des Wochenendes“. Seinem Aufstieg in die absolute Weltspitze kam er damit ein Stück näher.

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