Im Schlamm zum Titel

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    Start in Bühlertann: Mit viel Geschwindigkeit nehmen die Fahrer die Startrampe. Mehr als zehn Meter wirbelt die Erde hoch. Foto: 
  • Marco Sturm (Zweiter von links), Deutscher Meister in der ATV-Klasse mit Freunden und seinem Team sowie seinem Fahrzeug. 2/2
    Marco Sturm (Zweiter von links), Deutscher Meister in der ATV-Klasse mit Freunden und seinem Team sowie seinem Fahrzeug. Foto: 
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Gummistiefel sind am vergangenen Sonntag auf der Rennstrecke in Bühlertann definitiv von Vorteil. Der Boden ist tief, selbst in den Bereichen für Zuschauer kann sich ein normaler Schuh im Schlamm festsaugen. Und doch ist alles „fantastisch“. Das ist die einhellige Meinung, egal, wen man befragt.

Der sintflutartige Regen am Samstag hat den Organisatoren und Helfern des MSV Bühlertann alles abverlangt. „Durch das Festzelt lief das Wasser wie in einem Fluss“, berichtet Jugendleiter Ingo Rupp. Wer tags darauf das Zelt betritt, kann sich das kaum vorstellen. Überall liegen Hackschnitzel, das Laufen ist überaus bequem. „Um 18.30 Uhr stand noch der Bagger im Zelt zum Verteilen der Hackschnitzel, um 19 Uhr hat die Band angefangen zu spielen“, berichtet Daniel Beck vom MSV. An Schlaf war kaum zu denken. Dennoch war der Zusammenhalt des Helferteams „gigantisch“. So war die Oktoberfest-Party rund ums GCC-Finale für 2000 Besucher gerettet – und nicht nur die. Wer in der Wiese mit Auto oder Wohnmobil feststeckte, wurde mit einem Traktor herausgezogen. Auch die Rennen konnten gefahren werden.

Tiefe Rinnen auf der Strecke

„Das ist kein großes Problem“, erklärt Sven Alf Raffelsiefen die Wetter-und Bodensituation. Er fungiert während der gesamten Serie als Streckensprecher. Angesichts der enorm tiefen Rinnen auf der Strecke erscheint dies kaum vorstellbar, doch tatsächlich sind die Fahrer mit ihren ­Bikes traumwandlerisch sicher unterwegs. „Die Motorräder sind so konzipiert, dass sie das prima aushalten“, erläutert Raffelsiefen. Allerdings habe er so einen Regen auch noch nie erlebt. „Was hier in dieser Schnelle geleistet wurde, ist der Wahnsinn!“ Dem Regen wurde nur insofern Tribut gezollt, dass manche Rennen verkürzt wurden. Statt zwei Stunden wurde nur eine Stunde gefahren. Doch auch dabei wird der Körper enorm beansprucht. Am Sonntag wird die Strecke wegen des tiefen Bodens etwas verändert.

Der Startbereich allerdings nicht, er gleicht einer Schlammwüste. Wenn die Bikes dann röhrend starten, fliegt der Schlamm bis zu zehn Meter hoch. Die Zuschauer sind fasziniert. „Das ist schon irgendwie geil“, hört man nicht nur einmal. Während eines Rennens ist permanent auf der Strecke etwas los. Motorräder fliegen über Kuppen, nehmen enge Kurven – und müssen auch manche Steilhänge hoch. Das ist angesichts der Bedingungen manchmal alles andere als einfach.

Manch Fahrer muss auf einem steilen Anstieg, der gut einsehbar ist, unfreiwillig absteigen. Das führt zu einem Stau. Doch die nachfolgenden Fahrer sind kreativ. Sie finden Routen, die es gar nicht gibt. Eigentlich verläuft die Steilstrecke rechts an einem Baum vorbei, die Fahrer wählen spontan den Weg durchs hohe Gras links vorbei. Die Streckenposten kontern mit Absperrband und schon sind alle wieder auf dem offiziellen Weg unterwegs.

Das alles kann sich Marco Sturm in aller Ruhe anschauen. Mit seinen Freunden und Teammitgliedern steht er bei seinem Gefährt, einem ATV (all terrain vehicle). Das sieht aus wie ein Quad, doch hat es einen anderen Antrieb und ist deutlich schwerer. Der Thüringer – Sturm kommt aus Suhl – fährt seit mehr als zehn Jahren und hat kein Problem mit der Strecke. „Das sind meine Bedingungen“, kommentiert er den Schlamm. „In den Kurven muss man aufpassen, dass man sie richtig trifft“, erklärt er. So schnell wie er in dem rund einstündigen Rennen ist niemand. In Bühlertann holt er sich den fünften Sieg im siebten Rennen und wird so souverän Meister.

Lange Reinigung

Sein Fahrzeug ist über und über mit Schlamm bedeckt, die Schicht ist mehrere Zentimeter dick. „60 Minuten fahren, 90 Minuten putzen“, meint er schmunzelnd. Das Reinigen ist Handarbeit. Sturm nimmt Handschuhe. „Viele verwenden auch für die Grobreinigung Pfannenwender“, berichtet Raffelsiefen.

Ob nun Reinigung mit Küchengerät oder nicht: Alle, die an der GCC-Serie teilnehmen, machen das aus eigenem Antrieb. „Sie sind dabei, weil es ihnen Spaß macht. Hier verdient keiner seinen Lebensunterhalt damit“, so Raffelsiefen. Auch deshalb haben die Rennen eine spezielle Atmosphäre. Bei allem Willen, sich möglichst vorn zu platzieren, steht das Miteinander im Vordergrund.

Info Alle Ergebnisse gibt es unter www.xcc-racing.com/htdocs/teilnehmer-gcc/ergebnisse

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