Schach-Bundesliga Frauen: Früher Showdown

Spitzenspiel zwischen dem Vize und dem Meister der vergangenen zwei Jahre: Hall fordert Baden-Baden heraus.

|

Im Dezember 2015 konnte Schwäbisch Hall sensationell den Favoriten aus Baden-Baden mit 3,5:2,5 schlagen. Irina Bulmaga sorgte gegen Ketino Kachiani-Garsinska in einer dramatischen Partie für den Siegpunkt. Am Ende der Saison fehlten den Hallerinnen nur 1,5 Brettpunkte zum Gewinn der deutschen Meisterschaft.

Jetzt kommt es wieder in Schwäbisch Hall zur Revanche, aber unter anderen Vorzeichen: im Vorjahr war Schwäbisch Hall mit einer hohen Niederlage gegen Rodewisch gestartet, diesmal gelang der Saisonauftakt: Der Vorjahresdritte Hamburg wurde mit 3,5-2,5 geschlagen, aber die OSG (OSG steht für „Ooser Schachgesellschaft“) Baden-Baden gewann ebenfalls zweimal.

Beim Duell der vergangenen Runde war Baden-Baden aufgrund vielfältiger Turnierverpflichtungen seiner Spielerinnen stark ersatzgeschwächt. Dieses Jahr dagegen sind keine Parallelveranstaltungen bekannt, bei denen Spielerinnen des Meisters im Einsatz sind. Im Gegenteil: Nur zwei Tage nach der Bundesligarunde beginnt das hochkarätige Open in Gibraltar, bei dem fast alle Spitzenspielerinnen von Baden-Baden gemeldet sind, und da kann man die Bundesliga gut auf der Durchreise einschieben. Daher rechnen die Haller Verantwortlichen mit einer Baden-Badener Mannschaft in Bestbesetzung mit bis zu fünf Spielerinnen aus den ersten 15 der Weltrangliste.

Vier Weltmeisterinnen

Doch auch bei Schwäbisch Hall sind fast alle Spitzenspielerinnen verfügbar – wer wirklich antritt, wird wie immer geheim gehalten. Baden-Baden tritt möglicherweise mit gleich vier (Ex)-Weltmeisterinnen an: Alexandra Kosteniuk, Antonaeta Stefanova und Mariya Muzychuk waren allesamt schon Weltmeisterin. Mariya Muzychuk verlor erst vor knapp einem Jahr den bei der letzten WM gewonnenen Titel an die Weltrang­listenerste Hou Yifan aus China. Zudem holte sich Mariyas Schwester Anna Muzychuk, aktuelle Weltranglistendritte, kurz nach Weihnachten in Katar sowohl den Titel im Schnellschach als auch im Blitzschach und unterstrich ihre aktuell herausragende Form.

Was hat Schwäbisch Hall dem entgegenzusetzen? Zunächst einmal großen Teamgeist. Die Mannschaft spielt seit dem Bundesligaaufstieg praktisch unverändert zusammen. Aber die Haller Spitzenspielerinnen sind auch in guter Form: Nino Batsiashvili wurde Zweite beim letzten Grand Prix in Sibirien und holte sich ihre zweite Großmeister-Norm. Auch Ekaterina Atalik holte sich kürzlich bei einem Turnier in der Türkei eine Großmeister-Norm. Deimante Daulyte spielt schon das ganze Jahr sehr erfolgreich und Irina Bulmaga knackte nach einiger Zeit mal wieder die Elomarke von 2400, und das trotz Winterzeit – sie spielt lieber im Sommer, wenn es draußen warm ist. Sophie Milliet wurde 2016 französische Meisterin.

Vorentscheidender Charakter

Das Match kann vorentscheidenden Charakter im Kampf um die deutsche Meisterschaft haben, auch wenn auf beide Mannschaften noch starke Gegnerinnen warten: Halls Angstgegner Rodewisch und Bad Königshofen gewannen ihre Auftaktspiele und wollen auch ein Wörtchen im Kampf um den Titel mitreden.

Daneben treffen am Wochenende am Samstag noch Deizisau und Karlsruhe aufeinander, und am Sonntag spielen Schwäbisch Hall gegen Karlsruhe und Baden-Baden gegen Deizisau. In diesen Begegnungen sind die Favoritenrollen verteilt: Karlsruhe ist in beiden Begegnungen klarer Außenseiter, und auch Deizisau wird wohl gegen Baden-Baden eher chancenlos sein.

Die Partie zwischen Hall und Baden-Baden stößt weltweit auf Interesse. Zugriffe auf die Webseite des SK Hall gibt es von den USA über Georgien bis Thailand. Alle Partien sollen live auf www.chess24.de übertragen werden.

Info SK Schwäbisch Hall – OSG Baden-Baden, Samstag 14 Uhr
SK Schwäbisch Hall – SF Karlsruhe, Sonntag 9 Uhr, Stadtwerke
Der Eintritt ist frei.

Mehr zum Spiel gegen Baden-Baden morgen im Moment-mal-mitte-Interview mit Ekaterina Atalik

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

An giftigen Schmetterlingen verdient

Das Haller Amtsgericht verurteilt einen 22-jährigen Hersteller von Ecstasy-Tabletten zu fast drei Jahren Haft. Eine Konsumentin wäre im Februar dieses  Jahres fast gestorben. weiter lesen