Ein „Hobbyspieler aus Südamerika“

Der SK Hall erwartet zum Saisonauftakt die SG Trier und und die DJK Aachen. Mit dabei aus Aachen: Das 15-jährige Nachwuchstalent Lucas van Foreest.

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Frank Zeller (links, mit Mathias Womacka) wird für die Zuschauer im Foyer die Spiele kommentieren.  Foto: 

Peru und Venezuela sind nicht Länder, die im Fokus der Schachwelt stehen. Doch auch diese südamerikanischen Länder können Weltklassespieler hervorbringen. Zwei davon werden wohl an diesem Wochenende in Schwäbisch Hall zu Gast sein. Der Aufsteiger in die deutsche Eliteliga DJK Aachen hat an seinen Spitzenbrettern den Peruaner Julio Ernesto Granda Zuniga und den Venezolaner Duardo Iturrizaga Bonelli gemeldet. Mit beiden rechnet Halls Mannschaftsführer Harald Barg, wenn der SK an diesem Samstag auf Aachen trifft. „Die DJK ist der große Unbekannte. Sie hat ein junges Team und mit dem Niederländer Lucas van Foreest eines der europäischen Top-Talente. 15 Jahre ist van ­Foreest jung und hat bereits jetzt eine ELO-Zahl von fast 2400.

Die Geschichte des Nachwuchstalents ist interesasant, die des Peruaners Granda Zuniga kurios. Harald Barg nennt ihn den „stärksten Hobbyspieler der Welt“ – das ist angesichts einer ELO-Zahl von fast 2700 als absolutes Kompliment zu verstehen. Denn Zuniga stammt aus einer armen peruanischen Großfamilie. Für mehrere Jahre spiele er kein Schach und lebte als Bauer. Das Besondere: Zuniga kennt eigenen Angaben zufolge keine Computer, bereitet sich dementsprechend ohne EDV-Unterstützung auf die Gegner vor und gehört doch zu den Schach-Großmeistern dieser Welt. Laut seinem Wikipedia-Eintrag sei er bekannt dafür, dass er manchmal für ein paar Wochen unauffindbar ist, aber doch wieder auftaucht.

Acht Großmeister

Zweiter Gegner Halls ist an diesem Sonntag die SG Trier, die mit Vassily Ivanchuk  einen ukrainischen Großmeister an Brett eins hat. Vier Ungarn sind gemeldet, mit fast allen rechnet Harald Barg. „Die werden mit acht Großmeistern kommen und ordentlich Gas geben“, ist er sich sicher. Ivanchuk ist dafür bekannt, am Brett sehr kreativ zu sein und lieber auf Sieg statt auf Remis zu spielen. Barg rechnet mit einer sehr knappen Partie. Ein 4:4 oder ein 4,5:3,5-Erfolg sei wahrscheinlich.

Der SK Schwäbisch Hall sieht sich in dieser Saison nicht auf den Spitzenplätzen. Baden-Baden, Solingen, Bremen und Hockenheim sind laut Barg die Anwärter auf die Top-Plätze. Hall sei die sechst- oder siebtstärkste Kraft. „Aber im Grunde kann jeder jeden schlagen. Es wird viele attraktive Spiele geben.“

Der SK Schwäbisch Hall geht in seine dritte Bundesliga-Saison. Mittlerweile ist er etabliert, was auch daran festgemacht werden kann, dass Harald Barg als Kassenprüfer der Schach-Bundesliga fungiert. „Die Liga geht davon aus, dass wir dauerhaft drinbleiben“, meint er. Und das, obwohl die Bundesliga-Mannschaft weiter zu drei Vierteln aus privatem Geld finanziert wird. Sponsoren stehen nicht gerade Schlange. „Ohne private Geldgeber geht es bei uns nicht“, stellt Barg mit Bedauern fest. „Die aber identifizieren sich voll mit der Sache.“

Info Heimspieltag des SK Hall, Samstag ab 14 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr mit Live-Kommentar für die Zuschauer vor Ort im Foyer der Stadtwerke

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