Die B-Mannschaft erfüllt ihren Auftrag souverän

Der SK Schwäbisch Hall gewinnt gegen beide Münchner Vereine und rückt auf Platz 2 hinter die OSG Baden-Baden vor.

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Matthieu Cornette zieht mit seinem Bauern in der Partie gegen Gerald Hertneck vom MSA Zugzwang.  Foto: 

Die ersten Schulterklopfer erhielt Matthieu Cornette am Samstagnachmittag. Gerade hatte er das im Dienste des FC Bayern München spielende 17-jährige österreichische Talent Valentin Dragnev seziert. „Immer wenn du am Fenster spielst, legst du solche Partien hin“, meint SK-Mannschaftsführer Harald Barg zu Cornette. Der so gelobte quittierte es mit einem Lächeln. Seit fünf Jahren spielt er für den SK, nur eine Niederlage steht dabei auf seinem Konto.

Nun konnte der Franzose gemütlich durch die Stadtwerke wandeln. Am Brett ist er nicht nur wegen seiner Spielweise Blickfang. Cornette dürfte der bestgekleidete Schachspieler der Liga sein. Im Foyer hatte er später einen weiteren Auftritt, allerdings in seiner Funktion als Schach-Großmeister. Im Saal stand Cornettes Teamkollege Frank Zeller auf Gewinn gegen Alexander Belezky. Das war offensichtlich. Die entscheidende Frage war, wie Zeller den gegnerischen König zur Strecke bringt. Mit drei Bauern war er nach rund 40 Zügen losgestürmt. Zudem waren Zellers Dame und ein Turm gut positioniert. Viel Platz zum Verstecken des Königs blieb Belezky nicht. Immer wieder rauft er sich die Haare, doch eine grundlegende Änderung konnte er auf dem Brett nicht herstellen.

Zweiter Münchner Gegner ist zäh

Vor dem Videoboard im Foyer überlegten die Zuschauer. Matthieu Cornette kam vorbeigeschlendert, blickte zwei Sekunden intensiv auf den Bildschirm und meinte dann auf Englisch mit leichtem französischen Akzent: „Queen c7, b7, h7 – mate.“ Dieses Matt fand Zeller zwar nicht, aber nach ein paar Zügen mehr hatte er seine Partie gewonnen und dem SK Schwäbisch Hall damit einen weiteren Punkt beschert. Die übrigen Partien verliefen vergleichsweise unspektakulär. Die so genannte B-Mannschaft des SK Hall hatte gegen den FC Bayern München geliefert.

Dabei ist der Ausdruck „B-Mannschaft“ nicht ganz zutreffend. Sie hatte einen Schnitt von rund 2500 Elo-Punkten. Das bedeutet immer noch, dass Akteure am Brett sitzen, die entweder Großmeister oder nicht weit von diesem Titel entfernt sind. Eines der Kriterien für den Titel des Großmeisters ist die Elo-Zahl von 2600 Punkten.

Am vergangenen Sonntag war dann die Münchner Schach-Akademie (MSA) Zugzwang der Kontrahent für die Haller. Und obwohl die MSA bislang erst zwei Unentschieden in dieser Saison geholt hat, erwies sie sich als zäher Gegner. Zwar gewann der SK Hall wie gegen den FC Bayern mit 5,5:2,5, musste dafür aber mehr arbeiten.

Anthony Wirig besiegte Robert Zsyk. Wie fast immer begann der Franzose sehr gemächlich. Während andere schon ihren 14. Zug ausgeführt hatten, weil das Geschehen auf dem Brett einer Theorie entsprach, die beide Kontrahenten im Kopf hatten, bewegte er seine Figuren erst zum dritten Mal. Letztlich aber stellte Wirig seinem Gegner Robert Zysk eine Falle, indem er eine Qualität opferte, so aber Zysks Dame keinen Freiraum mehr ließ.

Für den SK war es ein erfolgreiches Wochenende, da Solingen und Hockenheim je einmal verloren und Hall damit auf Rang zwei vorrückt.

Der Titel dürfte schon an die OSG Baden-Baden vergeben sein, aber unter die ersten drei hat es der SK Hall noch nie geschafft. Das würde die Qualifikation für die Champions League bedeuten. Doch an eine Teilnahme ist momentan nicht zu denken – dafür fehlen dem SK Schwäbisch Hall Sponsoren.

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