Der Karren scheint festgefahren

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Im vergangenen Mai feiern die Schachfrauen des SK Hall in Berlin den erstmaligen deutschen Titelgewinn.  Foto: 

Eigentlich fällt eine Vorschau auf die neue Saison in den meisten Fällen optimistisch. Eigentlich müsste das auch für das Frauenteam des SK Schwäbisch Hall gelten, schließlich hat es mit dem erstmaligen Gewinn des deutschen Meistertitels den größten Erfolg der Vereinsgeschichte geholt. Eigentlich müsste es um den einzigen Neuzugang des SK gehen: Die spanische Meisterin Sabrina Vega-Gutierrez ersetzt Annmarie Mütsch, die mehr Einsätze an einem vorderen Brett wollte, was in der starken Haller Mannschaft nicht möglich war. Sie wechselte  nach Karlsruhe wechselte. Und eigentlich müsste eine so starke junge Vergangenheit einem Verein, der zudem auch mit den Männern erfolgreich in der Bundesliga ist, Rückenwind für die Zukunft geben. Und doch ist dies nicht so.

Als man sich vor nunmehr fast sieben Jahren beim SK Hall überlegte, wie man angesichts des vor sich hindümpelnden Vereins die Zukunft gestalten wollte, war man sich einig: Über Klasse sollte auch die Masse angesprochen werden. Das Männerteam stieg viermal in Folge auf, ehe es die Bundesliga erreichte. Das Frauenteam schaffte aus der drittklassigen Regionalliga ebenso den Durchmarsch in Deutschlands Eliteliga.

Das Geld ist knapp

Oben angekommen, hoffte der Verein, auch potente Sponsoren gewinnen zu können. Zwar gab es die eine oder andere Unterstützung, doch schnell war klar, dass das Geld knapp werden würde. Und an diesem Punkt beginnt in offizieller Lesart das Problem. Bis dahin geeint, gingen nun die Interessen auseinander. Eine Gruppe bevorzugte das Männerschach, eine andere das Frauenschach, jeweils aus unterschiedlichen Gründen.

Die Finanzen blieben der Knackpunkt. Nachdem im vergangenen Jahr das Frauenteam organisatorisch eigenständig unter der Führung von Johannes van Bergen war, entschied die Mitgliederversammlung in diesem Jahr mit knapper Mehrheit, dass dies fortgeführt werden soll gegen den Wunsch des Vorstands um den Vorsitzenden Michael Riedel. Als neue Sponsoren von den Förderern des Frauenschachs gewonnen wurden, eskalierte es. Die gesamte Summe soll nicht nur dem Frauenteam zustehen. Ja, Nein – für Außenstehende ist der Konflikt kaum nachvollziehbar, schließlich geht es um einen mittleren vierstelligen Betrag. Zur Einordnung: Ein Männerteam, in dem zum einen mehr Spieler (8 statt 6 bei den Frauen) am Brett sitzen und das mehr Spieltage zu bestreiten hat, kostet nach Auskunft der Schach-Bundesliga rund 60 000 Euro, wenn man konkurrenzfähig sein möchte – und der SK ist das. Die Frauen sind deutlich günstiger, liegen bei einem Spitzenteam bei weniger als der Hälfte der Summe.

Der Konflikt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten hochgeschaukelt. In der Tat war eine Abmeldung des Meisters ernsthaft erwogen worden. Das bestätigt auch Riedel. Letztlich wurde dies durch Zusprache von außen abgewendet.

Und nun? Der Streit habe die Vorbereitung und Planungen für die laufende Runde nicht beeinflusst, heißt es unisono. Allerdings hat dieser auf die persönliche Ebene übergegriffen, inklusive Klageandrohungen. Gemein ist beiden Seiten die Hoffnung, dass man sich noch einigen kann. Aber einig ist man sich auch, dass man dies skeptisch sieht.

Am Verein sind die Auseinandersetzungen nicht spurlos vorübergegangen. Zur neuen Saison wurden nur noch vier statt fünf Teams gemeldet. Das liegt nicht nur, aber auch an den internen Querelen. Einige Mitglieder befürchten, dass es nicht um Geld, sondern um Macht geht. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem der SK eigentlich gute Chancen auf eine große Zukunft hätte.

Staffelleiter Thomas Rondio berichtet, dass er in der Vergangenheit einige Mails erhalten habe. „Aber ich habe sie einfach nur zur Kenntnis genommen. Mein Ansprechpartner ist der Mannschaftsführer und von ihm kamen diese Mails zunächst nicht.“ Natürlich sei er erleichtert gewesen, als die Mannschaft letztlich doch gemeldet wurde, „denn es wäre ein Novum gewesen, wenn sich der Deutsche Meister zurückgezogen hätte“. In den Streit einzugreifen sei ihm nie in den Sinn gekommen. „Es ist nicht Aufgabe des Schachbunds, sich in interne Vereinsdinge einzumischen.“ ruf

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