Dem Titel ein Schritt näher

Die Frauen des SK Schwäbisch Hall gewinnen zweimal 6:0 und haben nun eine große Chance, erstmals Deutscher Meister zu werden.

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Volle Konzentration: Karina Ambartsumova grübelt über ihren nächsten Zug nach.  Foto: 

Mit zwei 6:0-Siegen gegen Erfurt und Lehrte sind die Frauen des SK Schwäbisch Hall aus der thüringischen Landeshauptstadt zurückgekehrt. Damit ist Schwäbisch Hall jetzt gemeinsam mit den Rodewischer Schachmiezen Tabellenführer der Frauenbundesliga. Beide profitierten davon, dass Meister Baden-Baden wie im Vorjahr nur 3:3-Unentschieden gegen Hamburg spielte.

Am Samstag wurde zunächst Erfurt 6:0 geschlagen, dabei verliefen alle Partien relativ eindeutig für den Favoriten. Die Gastgeber gingen ersatzgeschwächt in die Begegnung, da sie sich in den beiden Spielen gegen Schwäbisch Hall und Deizisau nicht viel ausrechneten, am Sonntag setzte es dann auch gleich noch ein weiteres 0:6 gegen Deizisau.

Lehrte war ein anderes Kaliber. Die Niedersachsen hatten am Vortag beim knappen 2,5:3,5 gegen Deizisau den Favoritinnen alles abverlangt. Dennoch stand am Ende ein weiteres 6:0 für Schwäbisch Hall. Lela Javakhishvili nutzte eine Ungenauigkeit der bis dahin stark aufspielenden U16-Europameisterin Fiona Sieber eiskalt zum Sieg aus. Petra Papp, Karina Ambartsumova und Jungtalent Annmarie Mütsch gewannen ihre Partien souverän.

Daulyte behält weiße Weste

In den letzten beiden Partien nutzte Lehrte seine Chancen nicht. Irina Bulmaga rettete sich gegen Jana Böhm in ein leicht schlechteres Turmendspiel. Dort zeigte sie ihre überlegene Spielstärke und konnte das Endspiel sogar noch gewinnen. Deimante Daulyte, Schwäbisch Haller Top­scorerin mit fünf Punkten aus fünf Partien, spielte gegen die 14-jährige Lara Schulze. Die deutsche Nachwuchsspielerin zeigte sich ausgezeichnet vorbereitet – bis zum 15. Zug verbrauchte sie kaum Zeit. In der Folge konnte sie die hochfavorisierte Hallerin völlig überspielen. Am Schluss verlor sie aber doch noch den Faden und machte den Sack nicht zu. Daulyte konnte ihre Stellung zusammenhalten, in der Folge Material gewinnen und am Ende tatsächlich noch für den 6:0-Endstand sorgen, sodass sie jetzt bei fantastischen sechs von sechs möglichen Punkten steht.

Am Ende gingen die Blicke der Spielerinnen und Betreuer mehr auf den Computer als auf die noch laufenden Partien: Alle folgten gespannt der Liveübertragung der Partien aus Hamburg, wo Hamburg der ganz großen Sensation, einem Sieg gegen Meister Baden-Baden, nah war. Das 3:3-Unentschieden am Ende war für den Meister äußerst glücklich, der seinen Titel jetzt nicht mehr aus eigener Kraft verteidigen kann.

In drei Wochen kommt es in Deizisau zum Showdown gegen Rodewisch und Bad Königshofen. Zwei Siege würden eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft bedeuten. Die Aufgabe ist aber schwer, spielen doch bei Bad Königshofen gleich drei Spielerinnen aus den Top 20 der Welt mit.

Momentan belegen Hall und Rodewisch gemeinsam Platz 1 (je 11 Matchpunkte und je 29 Brettpunkte. Diese sind vergleichbar mit der Tordifferenz bei Ballsportarten). Baden-Baden und Königshofen folgen mit je zehn Matchpunkten auf den Rängen drei und vier. Siegt Hall am 25. und 26. März gegen Rodewisch und Bad Königshofen ist der erstmalige deutsche Titelgewinn sehr wahrscheinlich.

Entschieden wird dieser bei der zentralen Endrunde in Berlin, die zwischen dem 29. April und 1. Mai stattfinden wird. Dort trifft Hall auf Deizisau, Augsburg und München. Die beiden bayerischen Teams belegen momentan mit jeweils null Punkten die letzten beiden Plätze.

Die vermeintlich schwächeren Gegner können ein Vorteil für Hall sein. Würden am Saisonende Teams die gleiche Matchpunktzahl haben, zählt nicht der direkte Vergleich, sondern es zählen die Brettpunkte. ruf

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