Haller Schachfrau Atalik: „Vertrauen ist das Wichtigste“

Für Ekaterina Atalik ist der Teamgeist der Haller Schachfrauen außergewöhnlich stark. Dieser soll mithelfen, im Heimkampf den Favoriten OSG Baden-Baden zu schlagen.

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Ekaterina Atalik am Schachbrett im Hotel Goldener Adler.  Foto: 

In der russischen Kleinstadt Kirow geboren, ist Ekaterina Atalik mittlerweile die beste Schachspielerin der Türkei. Seit der Saison 2014/15 sitzt sie für das Frauenteam des SK Schwäbisch Hall an den Bundesligabrettern. Die 34-Jährige trägt den Titel Frauengroßmeisterin und Internationaler Meister. Beim Heimspieltag des SK Hall will sie mithelfen, den Favoriten Baden-Baden stürzen.

Es ist durchaus möglich, dass das Match gegen die OSG Baden-Baden die Meisterschaft entscheidet. Sind solche Partien für erfahrene Spielerinnen wie Sie normal oder wächst auch bei Ihnen im Vorfeld die Nervosität?

EKATERINA ATALIK: Ich glaube, dass ein gutes Ergebnis gegen Baden-Baden uns dem großen Traum der Meisterschaft näherbringt. Ich bin ein bisschen nervös, so wie das alle bei uns sind. Allerdings ist es für unseren Teamkapitän Gregor Krenedics und die anderen Betreuer wohl noch schwieriger. Denn wenn die Partien beginnen, können wir uns auf Schach konzentrieren und die Nervosität vergessen – zumindest bis zur Zeitnotphase (lächelt).

Auch wenn niemand die genaue Aufstellung des Gegners kennt, ist die Vorbereitung für jede Akteurin sehr intensiv. Hängt bei Ihnen die Intensität von der Stärke der möglichen Gegnerinnen ab?

Man braucht immer eine besondere Vorbereitung – auf jede Gegnerin. Denn schließlich hat jede Spielerin ihre eigenen Stärken und Schwächen. Die ideale Vorbereitung für mich ist, im Vorfeld einen Schlüssel zu finden, um in der Partie in eine Position zu kommen, in der meine Stärken zur Geltung kommen.

Für Nicht-Schachspieler ist es kaum nachvollziehbar, wie viele Stunden Weltklasseakteure allein mit der Vorbereitung verbringen. Wie schwer fällt es Ihnen, so viel Zeit zu opfern?

Um die Wahrheit zu sagen, nimmt die Vorbereitung in meinem normalen Alltag nicht so viel Zeit ein. Wenn ich mich allerdings gezielt auf Wettkämpfe vorbereite, dann ist das etwas anderes. Mir fällt es nur schwer, in den Arbeitsrhythmus zu kommen. Habe ich das geschafft, macht mir die Arbeit sehr viel Spaß.

Nach zwei Vizemeisterschaften. hat Hall erneut die Chance auf den Titel. Es scheint, dass diese Mannschaft einen besonderen Teamgeist besitzt. Wie kommt das zustande, da alle Spielerinnen Profis sind und nur für ein paar Wochenenden im Jahr als SK Schwäbisch Hall zusammenspielen?

Wir haben den besten Teamgeist, den ich jeweils in meiner Karriere erlebt habe. Der Grund dafür ist recht einfach: Wir haben weder Konflikte innerhalb der Mannschaft noch mit unserem Management. Das ist der Verdienst unseres Teamkapitäns Gregor Krenedics und den anderen Betreuern des SK, die für uns arbeiten. Wir haben ausschließlich sehr nette Menschen im Team. Wir können die härtesten Gegnerinnen bei Turnieren sein, aber wenn wir nach Deutschland zur Bundesliga reisen, dann geht es nur um das Teamresultat für den SK Hall.

In den vergangenen beiden Jahren stand die Finanzierung der Frauenmannschaft jeweils auf der Kippe. Die Meldung erfolgte immer kurz vor Anmeldeschluss. Wie haben Sie die Probleme mitbekommen?

Ich war über die Nöte informiert. Es war eine traurige Geschichte, allerdings mit einem Happy End, da wir immer noch um den Titel kämpfen!

Im Profi-Schach ist es nichts Außergewöhnliches, dass Spieler häufig die Vereine wechseln. Sie sind seit drei Jahren für den SK am Brett, andere Spielerinnen noch länger. Mario (Meinel, ehemaliger Teamkapitän, Anm. d. Red.) meinte scherzhaft, dass Ihre Liebe zu deutschem Bier ein Grund sein könnte…

(lacht) Natürlich ist das der Hauptgrund! Spaß beiseite: Vertrauen ist für mich das Wichtigste. Und ich vertraue den Menschen in diesem Verein. Sie alle machen das Bestmögliche, sind professionell und motivierend. Und ein Bier mit ihnen zu trinken ist auch großartig!

Sie sind mit dem Großmeister Suat Atalik verheiratet und haben einen zehnjährigen Sohn. Spielt dieser auch Schach?

Vadim mag Schach nicht so besonders. Für ihn ist es sogar ein kleiner Gegner, weil seine Mutter so häufig auf Reisen ist. An diesem Wochenende allerdings ist er mit dabei.

Mit Ihrer Familie leben Sie in der türkischen Metropole Istanbul. Hat sich in Ihrem Leben nach dem gescheiterten Putschversuch etwas verändert?

Wir sind alle besorgt über die Dinge, die in der Türkei geschehen. Ich wünsche mir inständig, dass dieses Land moderner wird und es sicher ist, dort zu leben. Mein persönliches Leben hat sich seit dem 15. Juli kaum verändert. Allerdings überlegen viele Freunde und auch meine Familie, das Land zu verlassen.

Um auf das Spiel an diesem Samstag zurückzukommen: Wie hoch sind die Chancen, Baden-Baden zu schlagen?

Von den Ratings her ist Baden-Baden stärker, aber wir haben unsere Chancen. Wir spielen zuhause, und das kann ein großer psychologischer Vorteil sein. Es gibt keinen Zweifel: Unser Ziel ist die Meisterschaft.

Geburtstag: 14. November 1982
Geburtsort: Kirow
Wohnort: Istanbul
Familienstand: verheiratet
Beruf: Schachprofi
Hobbys: alles
Bisherige Stationen: verschiedene Mannschaften in St. Petersburg, seit 2014/15 SK Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: Europameisterin (2006), Siegerin der Prag Open (2016), Nummer 1 in der Türkei, Erreichen der ersten Großmeister-Norm im Oktober 2016.

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