„Meine Frau sucht die Turniere aus“

Der Schachklub Schwäbisch Hall feiert an diesem Wochenende sein 80-jähriges Jubiläum und ist damit so alt wie sein ehemaliger Vorsitzender.

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Erwin Neumann bei einem seiner Lieblinshobbys, dem Schach.  Foto: 

Herr Neumann, werden Sie an den Feiern zum 80-jährigen Bestehen des Schachklubs teilnehmen?

ERWIN NEUMANN: Ja, ich werde an diesem Samstag beim Simultanschach mit Irina Bulmaga mitspielen. Ich habe auch das Abendessen gebucht.

Sie kamen 1970 aus Velbert nach Hall und sind dem SK beigetreten. Von 1980 an haben Sie mehr als zehn Jahre den Vorsitz des Vereins innegehabt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Es gab eine ganze Menge zu tun. Ich habe das ja neben meinem durchaus anstrengenden Beruf als Konstrukteur bei Recaro gemacht. Wir hatten vier Mannschaften damals im Spielbetrieb, dazu noch Vereins- und Stadtmeisterschaften und den Austausch mit dem Schachklub in Epinal. Der war damals sehr rege, ist aber irgendwann eingeschlafen.

Der SK spielte damals auch hochklassig...

… Ich erinnere mich, dass wir morgens um 5 Uhr losgefahren sind, um rechtzeitig bei einem Spiel am Bodensee zu sein.

Aktuell ist der SK sowohl mit den Männern als auch mit den Frauen in der Bundesliga vertreten. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Manche sehen es negativ, manche positiv. Klar ist, dass es ohne Sponsoren nicht geht. Ich selbst gehe gerne zum Zuschauen.

Wenn Akteure auf Weltklasseniveau Schach spielen, kann nicht jeder deren Gedanken bei den jeweiligen Zügen erkennen. Wie geht es Ihnen?

Ich kann vielem schon folgen. Allerdings dauert es mir manchmal zu lang, bis einer einen Zug macht (lacht) . Im Internet werden die Spiele auch übertragen. Meist klicke ich dann zu der nächsten Partie, wenn es mir zu langsam vorangeht.

Sie selbst spielen beim SK immer noch in der dritten Mannschaft und damit in der Bezirksliga.

Das ist richtig. Man will mich wohl noch auf ein vorderes Brett platzieren.

Ist Ihnen das recht?

Wenn sie das so wollen, was soll ich dagegen tun (lächelt) ?

Ihre beste ELO-Zahl (Zahl, die die ungefähre Spielstärke beschreibt, Anm. d. Red.) war 2050. Wie schwer ist es, eine solche Zahl zu halten?

Sehr schwer. Man muss gegen starke Gegner mindestens nicht verlieren. Siege gegen Schwächere bringen die Zahl nicht hoch.

Sie spielen zudem häufig bei Senioren-Turnieren wie beispielsweise in Halberstadt oder Freudenstadt mit. Wie erfolgt die Entscheidung dafür?

Meine Frau sucht die Turniere aus (lacht). Mittlerweile hat sie sich mit einigen Frauen anderer Seniorenschachspieler angefreundet. Während ich Schach spiele, schaut sie sich die Städte an.

Wie ist es für Sie als mittlerweile 80-Jähriger gegen deutlich Jüngere zu spielen?

Das ist schon hart. Die 60-Jährigen können teilweise besser spielen. Aber der Ehrgeiz ist noch der gleiche. Bei einem Seniorenturnier in der Essener Grugahalle spielte ich gegen einen Russen, der eigentlich deutlich besser war. Ich hatte ihm ein Remis angeboten, aber das lehnte er entrüstet ab: „Ich will doch gewinnen“, sagte er. Dann machte er einen Fehler und unterhielt sich mit zwei anderen Russen. Das behagte mir nicht, weil ich nichts verstand. Auf einmal streckte er mir ruck-zuck die Hand entgegen und rief: „Remis, Remis!“ Ich habe abgelehnt und dann noch gewonnen.

Woher kommt diese Faszination, auch noch im höheren Alter Schach zu spielen?

So genau kann ich das nicht sagen. Ich habe mit dem Schach nach dem Krieg begonnen. Es hat uns einen Mehrwert gegeben. Wir konnten unsere Gedanken von den Kriegsgeschehnissen in andere Bahnen lenken. Der Großmeister Viktor Kortschnoi hat das sehr gut beschrieben. Er hat die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg überlebt.

Der Computer und dessen immer weiterfortschreitende Technologie hat Schach beeinflusst. Hat dies die Faszination genommen?

Das würde ich nicht sagen. Ich habe früher Fernschach gespielt, doch dann aufgehört, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Gegner den Computer zu Hilfe nahmen. Prinzipiell spiele ich aber gerne mit dem Computer, da kann man schon etwas lernen.

Konnte man sich in früheren Zeiten auf seine Gegner vorbereiten?

Das ging kaum. Zwar kannten wir die Aufstellungen der Gegner, aber wenn einer ausfiel, hatte man einen anderen Gegner. Jetzt bei den Seniorenturnieren ist der Gegner einen Tag vorher bekannt. Ich habe immer meinen Laptop dabei und schaue dann entsprechend nach den Spielen des Gegners.

Die Fragen stellte Hartmut Ruffer

Steckbrief

Geburtstag: 2. August 1936

Geburtsort: Seckenburg

Wohnort: Schwäbisch Hall

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Beruf: Rentner

Hobbys: Schach, Jedermannturnen (PostSG)

bisherige Stationen: Velberter SG (1949 bis 1970), seit 1970 SK Schwäbisch Hall

größte sportliche Erfolge: Turniersieg in Bad Wörishofen, verbunden mit der ELO-Zahl 2050

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