„Heimsiege“ in Meißen

Gelungenes Wochenende für den SK Hall: Gegen die zwei Vertreter aus der Hauptstadt, die Schachfreunde Berlin und König Tegel, landete er zwei Siege.

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Maxim Matlakov und seine Freundin Radda, eine Atomphysikerin aus St. Petersburg.  Foto: 

Der Doppelspieltag im sächsischen Meißen gilt nach offizieller Lesart der Liga als „Heimspiel“ für Schwäbisch Hall. Verblüffend, trennt die beiden Städte doch eine Luftlinie von rund 400 Kilometer.

Dieses Paradox liegt in der Eigenart der Schachbundesliga, den Spielbetrieb mittels Reisepartner zu organisieren, zwei Spiele pro Wochenende auszutragen und dadurch Reisekosten zu sparen. In der Regel wird auf die geographische Nähe achtgegeben. Aber die Liga zeigt eine Ost-West-Schieflage. Die meisten Teams sind im Westteil der Bundesrepublik beheimatet, Schwäbisch Hall liegt auf der „Kippe“ und wird gern herangezogen, mit einem der seltenen Vertreter aus dem Osten, in diesem Fall die in Meißen spielende USV TU Dresden, zu kooperieren.

Auch wenn es nicht die kürzeste Anreise ist – die Haller scheinen sich im schmucken Meißen, wo Dresden seine Heimspiele austrägt, wohlzufühlen. Nachdem die schwächer einzuschätzende Vertretung aus Tegel mit 5,5:2,5 besiegt wurde, gelang es den Hallern auch noch, das vom Papier her mindestens ebenbürtige Team der Berliner Schachfreunde mit 5:3 niederzuringen.

Hall war nicht mit dem stärksten Aufgebot ins Sächsische gereist. Wie angekündigt bot Teamchef Harald Barg eine Mischung aus Weltspitze und heimischen Spielern auf, die Hälfte des Teams reiste aus dem benachbarten Tschechien an. Beim Duell mit den Berliner Schachfreunden war Hall durch seine Stars an den vorderen Brettern nominell im Vorteil, die Berliner dagegen an den hinteren Brettern favorisiert.

Unter diesen Voraussetzungen erwies es sich als besonders wichtig, dass Mathias Womacka an Brett 6 einen Sieg gegen einen nominell überlegenen Gegner landen konnte, zudem auch noch mit den als nachteilig empfundenen schwarzen Steinen.

Sieg dank der Fans

Der aus Chemnitz stammende Mathias Womacka genoss seinen „Heimvorteil“ in vollen Zügen: Bereits am Vortag glänzte er mit einem überzeugenden Angriffssieg und erfreute sich beim gemeinsamen Team-Abendessen an den Spezialitäten der sächsischen Küche. „Meine Siege verdanke ich meinen anwesenden Fans“ verkündete der zufriedene Großmeister, der seit ein paar Jahren in Mosbach lebt. Drei Freunde aus alten Tagen waren extra nach Meißen gereist, um ihm die Daumen zu drücken.

Ein weiterer Held des Wochenendes mit zwei überzeugenden Siegen war der russische Neuzugang Maxim Matlakov. Der 25-Jährige aus St. Petersburg ist eine der großen russischen Hoffnungen. Die Investition hat sich gelohnt: In der Live-Rating-Liste hat Matlakov nach seinen beiden Siegen die „magische Barriere“ von 2700 ELO-Punkten durchbrochen und ist damit in der Elitegruppe angekommen. In der Weltrangliste steht er aktuell auf Platz 42.

Sein Namensvetter Maxim Rodshtein ist ebenfalls in St. Petersburg geboren, aber mittlerweile in Prag zuhause. Der ehemalige Jugendweltmeister steht seit geraumer Zeit an der 2700-er Hürde, lag schon mal darüber, konnte sie in Meißen aber nicht überwinden: Das Haller Spitzenbrett holte passable 1,5 Punkte aus zwei Partien. Ganz zufrieden war der 27-Jährige damit nicht. Sein zwei Jahre jüngerer Nebenmann Matlakov hat ihn in der Momentaufnahme in der Weltrangliste knapp überholt.

Die „Fahrgemeinschaft“ aus Prag erwies sich indes wieder als großer Rückhalt für das Haller Team: Zusammen mit Rodshtein reisten Viktor Laznicka und Peter Michalik per Auto aus der Stadt mit den goldenen Dächern an. Die drei Großmeister holten insgesamt 5,5 Punkte aus 6 Partien.

Der SK Schwäbisch Hall hat sich damit auf Platz 5 der Tabelle stabilisiert, nah dran am Vierten Mülheim und in Tuchfühlung zu den „großen drei“ Baden-Baden, Solingen und Hockenheim. Zum Sechstplatzierten Hamburger SK klafft bereits eine Lücke. Es beginnt eine längere Winterpause, die nächste Doppelrunde findet erst im Februar statt.

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