„Es war mir auf einmal warm“

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Tim Stadelmayr beim Training mit den Schwäbisch Hall Unicorns.  Foto: 

Möglicherweise wird es im Finale um die deutsche Football-Meisterschaft auf Tim Stadelmayr ankommen. Der Kicker der Schwäbisch Hall Unicorns erzählt im Interview, wie er seinen großen Moment im Viertelfinale gegen Berlin erlebt hat und warum der German Bowl kein normales Spiel ist.

Herr Stadelmayr, wie groß ist die Nervosität vor dem German Bowl?

Tim Stadelmayr: Nervosität eigentlich nicht, sondern Vorfreude. Es ist aber schon viel German Bowl im Kopf, den ganzen Tag. Ich werde oft darauf angesprochen. Die komplette Mannschaft freut sich auf das Spiel, das merkt man im Training. Wir hatten noch ein kleines Trainingslager mit einem Barbecue gemacht und waren bei einem Spiel der Crailsheim Merlins.

Für Sie wird es die dritte German-Bowl-Teilnahme sein. Was ist das Besondere an diesem Finale?

Der deutsche Football kommt ja nicht jeden Tag im Fernsehen, aber der German Bowl wird live auf Eurosport übertragen. Auch die Hinfahrt nach Berlin ist außergewöhnlich, weil wir schon einen Tag vorher anreisen und zusammen im Hotel schlafen. Auch die Vorbereitung ist speziell. Am Morgen des Spiels geht man schon mal aufs Feld, um nochmal alles durchzugehen. Dazu kommen noch die Teammeetings, bei mir das Special-Team-Meeting.

Und die Atmosphäre im Stadion?

Die ist natürlich auch super. Weil wieder ein Fanzug aus Hall fährt, wird es wieder viele Unicorns-Fans im Stadion geben. Leider sitzen die Zuschauer im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ziemlich weit weg vom Spielfeld, dennoch sind unsere Fans unglaublich laut.

Was macht die Stärke der Braunschweiger aus?

Sie haben gute Amerikaner, vor allem Quarterback Casey Therriault. Er ist wahrscheinlich der beste Quarterback, der je in der GFL gespielt hat. Dazu kommen noch gute deutsche Receiver wie Jan Hilgenfeldt, Niklas Römer und Christian Bollmann.

Was könnte den Ausschlag für die Unicorns geben?

Unser Receiver Tyler Rutenbeck ist dieses Jahr dabei. Er war beim Finale 2016 verletzt. Diese tiefen Bälle auf ihn haben uns letztes Jahr gefehlt. Und auch Nate Robitaille war 2016 noch nicht dabei, weil er erst seit dieser Saison bei uns ist. Bei seinem Ex-Verein Frankfurt war er nicht so viel auf dem Feld und keiner weiß warum, weil hier hat er eingeschlagen wie eine Bombe.

Welche Rolle spielt die psychologische Komponente?

Die drei Finalniederlagen zuvor stacheln uns noch mehr an. Wir haben diese Rechnung offen. Nach dem Halbfinale haben wir alle gesagt: Zum Glück hat Braunschweig gegen Frankfurt sein Halbfinale gewonnen. Wir wollen im Finale unbedingt Braunschweig schlagen. Was noch ein Vorteil für uns sein kann, ist, dass wir einige enge Spiele in dieser Saison hatten, wie zum Beispiel das Viertelfinale gegen Berlin. Wir haben mit der Offense immer dann gepunktet, wenn wir mussten und die Defense hat gehalten. Braunschweig hat meistens früh geführt.

Sie haben das Viertelfinale gegen Berlin angesprochen. In dieser Partie haben Sie eine entscheidende Rolle gespielt. Die Unicorns liegen kurz vor Schluss mit drei Punkten hinten und Sie müssen ein Fieldgoal aus 26 Yards schießen, sonst ist der Traum geplatzt …

Ich habe natürlich den Druck gespürt. Als unsere Offense aufs Feld ging, habe ich parallel an der Seitenlinie sieben, acht Kicks in mein Kicking-Netz gemacht. Meine Mitspieler haben schon gesagt: Tim, sei bereit, es könnte entscheidend werden. Da steigt natürlich die Anspannung. Es war nass und kalt an diesem Tag, doch auf einmal war es mir warm. Als ich dann aufs Feld bin, habe ich meinen Ablauf wie immer gemacht. In den paar Sekunden hat man keine Zeit zum Nachdenken, die zwei, drei Minuten vorher waren schlimmer. Die Entfernung hat in diesem Moment keine Rolle gespielt. Ich bin mir sicher, dass ich das Fieldgoal auch aus 15 bis 20 Yards weiter weg gemacht hätte, weil ich so konzentriert war.

Wie war das Gefühl, als der Ball durch die Stangen flog?

Unglaublich. Ich bin danach rumgehüpft wie ein Grashüpfer (lacht). Nach dem Spiel hat mich Head Coach Jordan Neuman gelobt, was natürlich gut tut. Im Spielerkreis nach der Partie gab es für mich auch nochmal Applaus und alle haben mir auf die Schulter geklopft.  Als Kicker steht man ja nicht häufig im Mittelpunkt, am besten gar nicht, weil man deutlich führt. Dieses Spiel war für mich wichtig, um zu zeigen, dass ich da bin, wenn es darauf ankommt.

Um cool zu bleiben, hilft Ihnen eine besondere Trainingsform …

Beim Fieldgoal-Training werde ich manchmal zu Trainingszwecken angebrüllt während der Kicks. Meine Mitspieler zupfen mich auch am Trikot und spritzen mit Wasser. Das kommt im Spiel nicht vor, aber es härtet ab. Für die anderen ist das ein Spaß, aber für mich ja auch, deshalb hat das ganze Team seinen Spaß.

Sie haben vor Ihrer Football-Karriere auch Fußball gespielt. Manche Leute meinen, dass ein guter Fußballer die Fieldgoals locker machen würde …

Ja, das muss ich mir auch oft anhören. Der Football ist aber nicht rund und macht, wenn man ihn falsch trifft, was er will. Wenn er nicht optimal steht nach dem Snap, dann fliegt er nach rechts oder links weg. Ich habe ungefähr eine Viertelsekunde, um zu sehen, wie der Ball steht, weil ich schon loslaufen muss, wenn der Ball nach dem Snap in der Luft ist. Das Timing ist wichtig und daher bin ich froh, dass ich mit Jojo Joyner einen so zuverlässigen Holder habe. Vor zwei Jahren habe ich in der Offseason zwei, drei Fußballspiele gemacht und bin einmal zum Elfmeter angetreten. Ich hab’ gedacht: Das ist ja entspannt. Ich habe alle Zeit der Welt (lächelt). Und dann hab’ ich den Ball locker reingeschoben.

Geburtstag: 11. September 1992
Geburtsort: Künzelsau
Wohnort: Künzelsau
Familienstand: ledig
Beruf: Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei Würth Modyf
Hobbys: American Football, Fußball
Bisherige Stationen: Schwäbisch Hall Unicorns (2015 bis heute)
Größte sportliche Erfolge: zweimal Deutscher Vizemeister, einmal Zweiter im Euro Bowl, dreimal Südmeister GFL

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