„Eine andere Sportart“

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Daniel Guechida beim Training in der Rollhofturnhalle.  Foto: 

Viele Menschen in der Region werden von diesem Wochenende an wieder regelmäßig ihre Sporttasche packen: Die Tischtennis-Saison fängt nun auch in den unteren Ligen an. Auch Daniel ­Guechida wird wieder am Tisch stehen. Er spielt bei der Post-SG Schwäbisch Hall und freut sich aus einem speziellen Grund besonders auf die neue Runde. Im Gespräch erklärt er auch, warum die Post-SG starken Zulauf hat – und warum das für das Tischtennis in der Stadt Hall nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist.

Herr Guechida, von nun an geht es wieder um Punkte und Siege. Sind das Kribbeln und die Vorfreude jede Saison gleich groß?

Es ist schon unterschiedlich. Diesmal ist die Vorfreude besonders groß, weil ich in dieser Runde in der zweiten Mannschaft spiele. Wir sind in die Bezirksklasse aufgestiegen, haben uns in der vergangenen Saison ein langes Duell mit dem TSV Vellberg geliefert. Obwohl wir alle 18 Spiele gewonnen haben, stand der Aufstieg erst spät fest. Wir haben jahrelang darum gekämpft.

Sie sprechen von der „Bezirksklasse“. Im Zuge des Fusionsprozesses zum baden-württembergischen Tischtennisverband wurden einige Klassen umbenannt. Aus der Kreisliga A wurde nun die Bezirksklasse.

Das klingt doch nicht schlecht (lacht). Aber ehrlich gesagt, ist das den allermeisten völlig egal. Viele werden es wahrscheinlich noch gar nicht mitbekommen haben, dass es für manche Ligen einen neuen Namen gibt.

Die erste Mannschaft der Post-SG spielt in der Bezirksliga, die zweite nun eine Klasse tiefer. War das das Ziel?

Natürlich. So werden zum einen die Leistungsunterschiede kleiner. Zum anderen ist das vorteilhaft für die Jugendlichen, die nun altersbedingt in den Aktivenbereich wechseln. So können wir ein breiteres Spektrum anbieten.

Zumal der Schritt vom Jugend- in den Erwachsenenbereich alles andere als einfach ist …

Allerdings. Im Grunde ist es eine ganz andere Sportart. Viele mussten anfangs im Aktivenbereich die bittere Erfahrung machen, in der untersten Liga gegen einen gefühlt uralten Gegner zu verlieren, der mit langen Noppen spielte und kaum noch den Ball vom Boden aufheben konnte (lacht). Andererseits ist das auch das Schöne an diesem Sport.

Wie meinen Sie das?

Im Gegensatz zu Handball, Fußball oder Football kann man Tischtennis noch spielen, auch wenn man schon älter ist. Das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer.

Was viele nicht wissen: Hier in der Region spielen mehr Menschen organisiert Tischtennis als Fußball. Es ist ein klassischer Breitensport.

Ich glaube, dass auch deutschlandweit mehr Menschen Tischtennis spielen als Fußball. Dass der Sport in der Spitze aber ein Leistungssport ist, wird gerne ausgeblendet.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Klassischerweise höre ich als Antwort, wenn ich erzähle, dass ich Tischtennis spiele: Das kann ich auch. Das Bild des Leistungssports wird nicht transportiert. Beim WM-Finale in Düsseldorf saß kein Mitglied der Bundesregierung auf der Tribüne, während es in anderen Ländern eines der wichtigsten Sport­ereignisse des Jahres war.

Im deutschen Fernsehen wurde nichts übertragen.

Das kann ich ein Stück weit verstehen. Tischtennis ist zum Zuschauen schwierig. Der Spin, der Schnitt, die Geschwindigkeit – all das kann man im Fernsehen kaum erkennen.

So lockt man auch kaum Jugendliche für den Sport an. Das Durchschnittsalter der Tischtennisspieler ist vergleichsweise hoch.

Ja, aber auch als ich angefangen habe, Tischtennis zu spielen, galt es schon als „uncoole“ Sportart. Da hat sich wenig verändert. Wobei wir uns bei der Post-SG nicht beklagen können. Wir haben immensen Zulauf, weil unser Einzugsgebiet wächst.

Wie bitte?

Früher gab es auch Tischtennis­abteilungen bei der TSG und den Sportfreunden. Jetzt sind wir im zentralen Stadtgebiet die Einzigen. Ich drücke es so aus: Wir profitieren unglücklicherweise von dieser Ausdünnung. Das ist schade, denn Konkurrenz belebt nun mal das Geschäft. Wir stellen diese Saison sechs Jugendmannschaften, könnten sogar noch mehr melden. Das liegt mit Sicherheit auch an unserer sehr guten Jugendarbeit. Aufgrund des Platzmangels können wir nicht mehr anbieten.

Befürchten Sie, dass es auch bei der Post-SG irgendwann weniger Spieler geben wird?

Davon gehe ich nicht aus. Vor einigen Jahren gab es einen Generationswechsel in der Tischtennisabteilung. Die Aufgaben wurden verteilt. Von 50 Aktiven hat fast jeder zweite irgendeine Aufgabe. Dafür muss man als Verein dankbar sein. Denn so ein Ehrenamt kann fast zu einer Vollzeitstelle ausarten, wenn man alles alleine machen muss. Aber momentan fühlen wir uns super aufgestellt.

Und die sportlichen Ziele?

Die erste und die zweite Mannschaft sollen die Klasse halten – das wäre sehr schön!

Geburtstag: 28. Mai 1981
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: ledig
Beruf: kaufm. Angestellter
Hobbys: Tischtennis, Kochen, Freundeskreis Asyl
Bisherige Stationen: Post-SG Schwäbisch Hall seit 1993
Größte sportliche Erfolge: Bezirksmeister im Doppel 1997, verschiedene Stadtmeistertitel, Meister in der Kreisklasse A 2016/17

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