„Das ist alles großartig“

|
Daniel McCray beim Training mit den Unicorns.  Foto: 

Seit drei Jahren spielt Daniel McCray für die Schwäbisch Hall Unicorns. Der 31-jährige Linebacker möchte an diesem Samstag mithelfen, dass die Haller zum vierten Mal in Folge in den German Bowl einziehen. Mittlerweile fühlt sich der zweifache Football-Europameister bei den Unicorns so heimisch, dass er sich nicht vorstellen kann, woanders zu spielen.

Herr McCray, zu Gast im Halbfinale sind die Kiel Baltic Hurricanes. Vermissen Sie die Dresden Monarchs? Schließlich waren die Sachsen in den vergangenen drei Jahren stets der Halbfinalgegner.

Ich vermisse sie nicht, weil ich mich auf Kiel freue. Wir haben ja schon längere Zeit nicht mehr gegen die Kieler gespielt, zuletzt im Viertelfinale 2014. Damals haben wir deutlich gewonnen und auch sehr gut gespielt. Es ist immer toll, gegen einen herausfordernden Gegner zu spielen.

Hat sich das in den vergangenen Jahren geändert?

Ganz sicher. Das Gesamtniveau der Liga ist von Jahr zu Jahr angestiegen. In dieser Saison haben wir in nahezu jedem Spiel um den Sieg kämpfen müssen. Das war früher anders. Teilweise haben Starter nur eine Halbzeit gespielt, denn dann war das Spiel entschieden und die Back-ups kamen aufs Feld. Wenn das die reguläre Saison über so geht, fehlen in den Playoffs Coolness und Ausdauer – also genau dann, wenn man sie benötigt.

Gegen die Rebels wurden alle Unicorns extrem gefordert, bis der Sieg feststand. Das Team hatte nur sieben Tage zum Regenerieren.

Ja, die Pause ist sehr knapp. Das Rebels-Spiel war auch deshalb so anstrengend, weil das Wetter extrem war. Seitdem ich für die Unicorns spiele, hat es zum ersten Mal bei einem Heimspiel geregnet – und dann kamen gleich solche Massen runter! Der Boden war sehr tief, das sind wir beim Training nicht gewohnt.

Warum?

Normalerweise trainieren wir das ganze Jahr über auf Kunstrasen. Dort ist der Grip ganz anders. Man wird ein bisschen faul in der Motorik (lächelt).

Dass die Rebels ein harter Gegner sein würden, hat Head Coach Jordan Neuman im Vorfeld mehrfach betont. Als Außenstehender hatte man den Eindruck, dass die Unicorns mehrfach Chancen verschenkt haben. Stimmt das?

Wir hätten nicht böse sein dürfen, wenn wir verloren hätten. Wir von der De­fense haben Fehler gemacht und die Chancen auf Turnover nicht genutzt. Nicht nur die Offense hat Chancen vergeben.

Letztlich aber gelang alles immer dann, wenn es wirklich drauf ankam.

Wir sind nicht die Größten von der Statur her und nicht die Stärksten, aber wir sind ein erfahrenes Team, das eine sehr starke mentale Reife besitzt. Ich kann unsere Coaches verstehen, dass sie manchmal durchdrehen, weil sie wissen, dass wir es eigentlich können. Denn wenn der Druck da ist, vertrauen wir uns gegenseitig und konzentrieren uns auf unseren Job.

So wie in der Verlängerung gegen Berlin. Schwirren einem Gedanken über ein mögliches Ausscheiden dabei durch den Kopf?

Nein. Das ist das, was ich mit der mentalen Stärke meinte. Das nächste Play ist das Wichtigste und nur darauf konzentriert man sich. Natürlich spielt Erfahrung dabei eine große Rolle.

Seit dieser Saison sind Sie einer von vier Kapitänen der Unicorns. Jordan Neuman hat erzählt, dass Sie, obwohl Sie von außerhalb kommen, ein „absoluter Unicorn-Guy“ sind. Ist die Atmosphäre bei den Unicorns wirklich so anders?

Ja! Nach meinem ersten Jahr hier habe ich mich mit Sigi (Siegfried Gehrke, damaliger Head Coach, jetzt Sportdirektor der Unicorns, Anm. d. Red.) unterhalten und ihm gesagt: Ich bleibe hier, bis ich in Rente gehe. Ich bin vom ersten Tag an so unglaublich gut aufgenommen worden. Nicht nur ich, auch meine Frau und mein Sohn, der dann geboren wurde. Er war gerade zwei Wochen alt, als er zum ersten Mal mit in Hall war und jeder hat sich um ihn gekümmert. Das war und ist alles großartig. Ein großes Dankeschön auch an die vielen freiwilligen Helfer!

War Ihnen das bei Ihrem Wechsel aus Mannheim nicht bewusst?

Nein, in dieser Art nicht. Ich hatte auch Coaches, die auf dem Trainingsplatz alles zusammengebrüllt haben, wenn wir Fehler gemacht haben. Ich war hier in Hall anfangs sehr impulsiv, das war ich so gewohnt. Und dann kam Sigi und hat ganz locker und ruhig mit mir geredet (lacht). Er hat ja Recht: Brüllen bringt nichts.

Während der Playoffs sind drei statt zwei Trainingseinheiten pro Woche angesetzt. Wie ist das mit dem Arbeitsleben vereinbar?

Ich bin ein Frühaufsteher und immer um 6 Uhr bei meiner Arbeit. Meetings lege ich meist auf trainingsfreie Tage. Wenn ich den Grund dafür nenne, ist die Resonanz meist sehr positiv. Außerdem will ich bei der ganzen Fahrerei von und nach Hall auch noch etwas von meiner Familie haben.

Ihr Bruder David spielt für die MHP Riesen Ludwigsburg in der Basketball-Bundesliga. War Sport immer ein großes Thema in Ihrer Familie?

Ja. Mein Vater hat Baseball gespielt und solange er noch da war, uns auch gefördert. Mein Bruder und ich haben nahezu alles ausprobiert: Schwimmen, Handball, Fußball. Ich bin dann zum Basketball gegangen, David kam nach und ist geblieben, während es mich zum Football gezogen hat. Meine Mutter hat, auch als sie dann alleine war, viel auf sich genommen, um uns beim Sport zu unterstützen. So hat sie mich als 14-Jährigen zweimal in der Woche von Speyer 30 Kilometer nach Heidelberg zum Footballtraining gefahren. Ohne diese Unterstützung stünden wir jetzt nicht da, wo wir sind – danke Mom!

Geburtstag: 2. Januar 1986
Geburtsort: Speyer
Wohnort: Sandhausen
Familienstand: verheiratet
Beruf: Key Account Manager
Hobbys: Football, Familie
Bisherige Stationen: Heidelberg Bulls, Weinheim Longhorns, Marburg Mercenaries, Saarland Hurricanes, Rhein-Neckar Bandits, seit 2014 Schwäbisch Hall Unicorns
Größte sportliche Erfolge: zweimaliger Europameister mit Deutschland

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die Weiler will keiner anschließen

Die Gemeinde Mainhardt hat schon fast 500 000 Euro für schnelle Internetverbindungen ausgegeben. Bürgermeister Damian Komor: Das Glasfasernetz ist die Zukunft. weiter lesen