Kein Pardon unter Freunden: Haller holen drei Punkte - Enger Kontakt zu Platz 3

6:2 gegen Berlin, 4:4 gegen Dresden - die Haller Schach-Männer zeigen am Auswärtsspieltag eine gute Leistung. Doch die Verfolger holen beide vier Punkte und drücken den SK Hall auf Rang 5.

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Der Mann mit dem blondem Lockenkopf: Viktor Laznicka, hier in der Partie gegen Arkadij Naiditsch aus Baden-Baden, gewinnt gegen den Berliner Emilio Moreno und verliert gegen den Dresdener Raj Tischbierek. Archivfoto: Achim Köpf

Eine gute Vorstellung hinterließ der SK Schwäbisch Hall am Wochenende in Meißen: der Hauptstadtvertreter der Liga, die Schachfreunde Berlin, wurde mit 6:2 dominiert. Am Sonntag gab es gegen den Gastgeber TU Dresden ein leistungsgerechtes 4:4 Unentschieden.

Drei Mannschaftspunkte sollten geholt werden, das war die Zielvorgabe der Teamleitung, dafür trat Hall auch mit einer top besetzten internationalen Truppe an. Es fehlte indes das Sahnehäubchen - ein halber Brettpunkt, um den dritten Tabellenrang zu verteidigen. Die Verfolger Trier und Hockenheim nutzen den Moment, um sich hauchdünn an Hall vorbeizuschieben. Diese drei Teams werden in den abschließenden Runden am 11. und 12. April im Fernduell um die Bronzemedaille wetteifern. Hall hat dabei das leichtere Restprogramm und somit noch alle Chancen.

Weil der Dresdner Hauptsponsor UKT seinen Firmensitz in Meißen hat, wurden die Begegnungen in der mittelgroßen Kreisstadt mit dem weltbekannten Porzellan, ein paar Kilometer elbabwärts von Dresden entfernt, ausgetragen. Gespielt wurde nahe der schmucken Altstadt, über die die Albrechtsburg thront.

Die letzte Partie des Wochenendes brachte eine spezielle Dramaturgie mit sich: Der aus Chemnitz stammende und nun bei Mosbach lebende Mathias Womacka kämpfte im Endspiel ums Remis. Seinen Gegner Raj Tischbierek kennt er seit Jugendzeiten in den 70ern. Tischbierek war Meister der DDR und ist seit einem Vierteljahrhundert Herausgeber der renommiertesten deutschen Schachzeitschrift. Womacka stand die ganze Partie über unter Druck und kämpfte um das Unentschieden. Nach mehr als fünf Stunden, einige der Teamkollegen waren bereits auf dem Heimweg, hatte er einen Bauern weniger im Turmendspiel. "Turmendspiele sind immer remis" ist eine Bauernregel unter Schachspielern, auch unter starken. Und so hofften Mannschaftsführer Harald Barg und die mitgereisten Haller Fans. Denn das wäre gleichbedeutend mit dem Matchgewinn gewesen. Aber Regeln haben eben auch ihre Ausnahmen. Unbarmherzig steuerte Tischbierek seinem Ziel entgegen, schob seinen Bauern dem Umwandlungsfeld entgegen. Kein Pardon unter Freunden. Jetzt musste er nur noch den sogenannten "Brückenbau" finden, der bereits in der Renaissance vom Spanier Lucena beschrieben wurde. Der belesene Tischbierek kennt diese Technik erwartungsgemäß und vollendete: 4:4!

Das Duell zwischen den beiden vielleicht stärksten Aufsteigern aller Zeiten in der Schachbundesliga, Dresden und Hall, war von der Papierform her ausgeglichen. Die Hausherren traten mit acht Großmeistern an, überraschten dabei mit einer lebenden Legende: mit Wolfgang Uhlmann am 8. Brett. Der ehemalige Weltmeisterkandidat, jahrzehntelang der beste Spieler der DDR, begeht am 29. März seinen 80. Geburtstag. Ihm gegenüber saß der Haller Alexander Raykman, mit 22 Jahren der jüngste Spieler, der in diesem Match zum Einsatz kam. Uhlmann musste seinem Alter Tribut zollen, er spielte zu schnell und verfing sich in den taktischen Fallstricken, die sein viermal jüngerer Gegner ausgelegt hatte: Uhlmann stibitzte einen Bauern, sah sich dann aber mit einem stürmischen Angriff auf seinen König konfrontiert und musste bald resignieren.

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