Haller Turn-Trainerin Liliane Ossig will aufhören

Jeder, der in den vergangenen 30 Jahren bei der TSG geturnt hat, ist durch ihre Trainerschule gegangen. Nun will Liliane Ossig aufhören. Im Interview erinnert sie sich an viele Trainingsstunden und schöne Turnfeste.

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    Die Turnerin ganz genau im Blick: Liliane Ossig hat mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung als Trainerin. Foto: 
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In Turnkreisen geht das Gerücht um, dass Sie aufhören werden. Stimmt das?

LILIANE OSSIG: Ja, das ist richtig. Ende Dezember 2016 soll Schluss sein. Ich denke, dass nach mehr als 30 Jahren die Zeit gekommen ist, dass Jüngere das Ruder übernehmen sollen. Ich möchte nicht mit 70 Jahren noch in der Halle stehen. Sozusagen als Uroma.

Wird Ihnen der Turnsport fehlen?

Oh ja. Sehr. Aber sagen wir so: Ich werde weiterhin Kampfrichterin bleiben. Ich werde auch Einsatz bringen. Beim Turngau bin ich stellvertretende Turngauvorsitzende und beim Schwäbischen Turnerbund Wettkampfbeauftragte für alle 14 Turngaue. Das reicht von der Arbeit her.

Wie begann Ihre Tätigkeit als Trainerin?

Ich habe mit einer kleinen Gruppe mit 14 Kindern angefangen. Dann habe ich die Gruppe, nachdem sie so expandiert ist, in drei Gruppen aufgeteilt. Für talentierte Mädchen wurde zusätzlich ein zweites Training angeboten. Außerdem habe ich auch die Geräteturn-Gruppe mit aufgebaut, in der jetzt über 100 Turnerinnen trainieren. Da ich selbst früher geturnt habe, ging das gut. Dazu habe ich die Gerätturn-Trainerlizenz und die Kampfrichterlizenz erworben. Ich bin die Einzige der TSG, die auf Landesebene bei Kürwettkämpfen werten darf.

Wie schwierig war der Beginn?

Margit Hornberger war die Frau neben mir, die das alles bei der TSG mit aufgebaut hat. Wir hören auch gemeinsam auf. Es gibt eine Aufgabenteilung. Margit hat die Kleinen ab sechs Jahren trainiert, danach habe ich diese übernommen. Wir haben auch privat Vieles, den Turnbetrieb betreffend, besprochen. Margit war immer dabei, wenn es zu Turnfesten oder zum DTB-Pokal ging. Privat spielen wir auch Tennis gemeinsam.

Gab es nicht irgendwann einmal einen Durchhänger?

Nein, den hatten wir nie. Wir haben uns nie ein Ziel gesetzt, wann wir aufhören. Margit hat mal gesagt, dass sie aufhören möchte, als ihre zwei Mädchen nicht mehr geturnt haben. Aber das war dann mit einem Satz erledigt.

Wenn Sie durch die Stadt gehen, werden Sie oft erkannt . . .

(lacht) Ich kenne viele Kinder und deren Eltern. Was ich schön finde, dass ich schon die Kinder der ehemaligen Turnerinnen sogar trainieren darf. Aber das hat mich auch nachdenklich gemacht: Jetzt wird es irgendwann Zeit für mich.

Viele werden gesagt haben: Mach doch weiter.

Das ist klar. Im Gerätturnen ist es schwierig, jemanden zu finden, der die Ausbildung und das Fachwissen hat. Da kann man nicht einfach jemanden hinstellen. Aber nach 32 Jahren Arbeit für die TSG - wenn ich das sage, dann muss man das akzeptieren. Ich habe mich viele Jahre engagiert, mit Spaß, mit Freude. Geräteturnen hat auch mit Hilfestellung zu tun. Das ist nicht nur Hinstehen. Von der Rolle vorwärts bis zum Schluss muss ich die Kinder führen. Da muss man nicht aussehen wie ein Kraftprotz und riesengroß sein. Man muss wissen, wann man wo hinlangt. Wenn man den Zeitpunkt des Helfens verpasst, nützt alles nichts.

Welche Erlebnisse fallen Ihnen nach mehr als drei Jahrzehnten ein?

(überlegt) Wettkämpfe auf Gau- und Landesebene, viele Turnfeste. Das waren immer Highlights. Eine kleine Gruppe von Kindern war dabei. Mit diesen hat man eine Wochen in Klassenzimmern der Schulen verbracht. Das war wie eine Familie, ohne Eltern. Tagsüber die Wettkämpfe, die Vorführungen, die Mitmachangebote, einfach viel Spaß.

Hat das nicht auch etwas von Flöhe hüten?

(lächelt) Nein. Das trifft auf Turnerinnen nicht zu. Sie sind absolut diszipliniert, bleiben zusammen, machen alles gemeinsam. Mein erstes Turnfest war in Berlin 1987. Meine Tochter war damals acht Jahre alt. 2017 findet das nächste Turnfest in Berlin statt, das wird mein letztes sein. Deshalb war dieses Jahr auch so eine Art Zielpunkt.

Und was kommt danach?

Ich werde auch als Trainerin der KTV III aufhören. Aber ich werde dem Turnen erhalten bleiben, denn als Wettkampfleiterin bin ich bei vielen Veranstaltungen dabei. In der Turnhalle fühle ich mich fast wie daheim.

Wer wird Ihre Nachfolgerin?

Ich hatte jemanden, die eine turnerische Ausbildung hat. Doch diese Sportlerin ist leider nach Ulm gezogen. Bis heute haben wir noch niemanden. Aber es sind ja noch Übungsleiterinnen da. Nach 30 Jahren gibt auf mein Mann Wilfried den Abteilungsvorsitz ab. Der TSG-Turnabteilung werden daher drei Leute fehlen. Nun sollen die Aufgaben eventuell auf ein Team von zirka fünf Personen verteilt werden. Ich wünsche der Turnabteilung, dass sie für uns Nachfolger finden werden.

Die Fragen stellte Guido Seyerle.

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