Enttäuschende Reise nach Trier: SK Hall holt nur einen Punkt

Halls Radoslaw Wojtaszek feiert einen großen Erfolg: Er besiegt innerhalb einer Woche den Welt- und den Europameister. Aber seinem Herrenteam hilft das nur bedingt. Es holt ein 4:4 und verliert 3:5.

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Der Beginn der Partie gegen Hockenheim: Zoltan Ribli und der Haller Frank Zeller (rechts) ziehen ihre Springer vor. Ribli gehörte in den 70er- und 80er-Jahren zur Weltspitze und besiegt Zeller.  Foto: 

Aus Sicht der an Erfolge gewöhnten Haller war das Auswärtswochenende in der alten Römerstadt Trier nicht überragend: Unterm Strich stand ein Mannschaftspunkt aus den beiden Matches gegen die Teams aus Hockenheim sowie den Gastgeber. Ganz vorne ziehen Rekordmeister Baden-Baden und Werder Bremen mittlerweile einsam ihre Kreise. Deren direkte Begegnung endete am Sonntag mit einem 4:4. Hinter Hall folgt das breite Mittelfeld, das von einem weiteren starken Aufsteiger, dem Team aus Dresden, angeführt wird.

Anatoli Karpow war angekündigt, kommt aber doch nicht

Spielt er, oder spielt er nicht? Ex-Weltmeister Karpow ist das Aushängeschild der Hockenheimer. Im Vorfeld wurde über sein Erscheinen spekuliert. Doch er tauchte nicht auf. Auch ohne ihn war das Hockenheimer Team stark genug und mindestens auf Augenhöhe mit den Hallern. Diese waren mit einem Team aus Superstars, Vollprofis und Amateuren angereist. Von der Papierform her hatten die Hohenloher Vorteile an den vorderen Brettern, im zweiten Mannschaftsteil dagegen waren die Gegner favorisiert. Ähnliche Voraussetzungen ergaben sich auch beim zweiten Spiel gegen Trier, das sich mit einer homogenen Mannschaft aus acht Großmeistern präsentierte.

Topspieler bei Hall war die polnische Nummer eins, Radoslaw (genannt Radek) Wojtaszek. Der 27-Jährige, der zu den Sekundanten von Vishi Anand bei den letzten Weltmeisterschaftskämpfen gehörte, kam direkt vom Turnier in Wijk aan Zee, einem der Grand-Slam-Turniere im internationalen Schachzyklus, angereist. Dort gelang ihm als einzigem das Kunststück, Weltmeister Magnus Carlsen zu besiegen.

Letztlich war er es, der den 4:4-Endstand durch seinen Sieg in einem langen Endspiel nach sechs Stunden sicherstellte. Er zwang Alexander Moiseenko in die Knie, und der war immerhin Europameister im Jahre 2013.

Die Begegnung gegen Hockenheim stand Spitz auf Knopf. In der Zeitnotphase nach knapp vier Stunden Spielzeit überstürzten sich die Ereignisse. Auf beiden Seiten wurden durch Mangel an Bedenkzeit gravierende Fehler begangen. Die Leidtragenden schienen zunächst die Gäste zu sein, aber die Haller Wojtaszek, Viktor Laznicka und Mathias Womacka bewiesen zum Schluss ihre Spitzfindigkeit, deckten schonungslos die Schwächen im gegnerischen Lager auf und zogen die Daumenschrauben an. Besonders spektakulär gewann Laznicka. Womacka und Wojtaszek zeigten subtile Technik, verdichteten ihre leichten Vorteile kontinuierlich zum Gewinn und schafften dadurch die Wende.

Was am Samstag noch gelang, funktionierte am Sonntag nicht.

Womöglich waren die Kräfte auch schon ein bisschen erschöpft. Die Begegnung am Vortag war bis um 20 Uhr gegangen. Dadurch blieb in den Nachtstunden nicht mehr ausreichend Zeit, um sich auf die nächsten Gegner vorzubereiten. An zwei Brettern waren die Trierer bereits nach der Eröffnungsphase deutlich im Vorteil. Das Ungewöhnliche: Gerade dort besaßen die Haller die weißen Steine. Laznicka und Frank Zeller verloren ihre Partien. Die weiteren sechs Partien endeten jeweils remis. Auch dort war den Akteuren beim 3:5-Endstand mangelnde Kraft anzumerken.

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