"Ich wollte gegen Shirov der Held sein"

Mit Li Chao spielt einer der besten Schachspieler Chinas für Hall. Ein halbes Jahr wohnte der Großmeister in der Kocherstadt. Nach den letzten Bundesligaspielen an diesem Wochenende fliegt er zurück.

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  • Li Chao am Haller Marktplatz: Die Schachfiguren sind handgeschnitzt und kommen aus Tschechien. Sie sind rund 30 Jahre alt. Der ehemalige SK-Vorsitzende Edi Grohmann hatte die Unikate in Auftrag gegeben. 1/2
    Li Chao am Haller Marktplatz: Die Schachfiguren sind handgeschnitzt und kommen aus Tschechien. Sie sind rund 30 Jahre alt. Der ehemalige SK-Vorsitzende Edi Grohmann hatte die Unikate in Auftrag gegeben. Foto: 
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Li Chao, Ihre Zeit in Deutschland geht vorerst zu Ende, am späten Sonntagabend sitzen Sie im Flugzeug nach China. Was fällt Ihnen privat und sportlich ein, wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken?

LI CHAO: Ich liebe diese Stadt, ich liebe dieses Land! Das Wetter ist toll, es gibt keinen Smog. Es war eine großartige Zeit. Das gilt auch für das Sportliche. Ich glaube, dass die Bundesliga die stärkste Schach-Liga der Welt ist. Es gibt so viele starke Spieler, dass jede Partie eine Herausforderung ist.

Sie haben zwar schon viele Turniere in Europa gespielt, stehen aber zum ersten Mal bei einem europäischen Verein unter Vertrag. Wie kam der Kontakt zum SK Hall zustande?

(lächelt) Ich weiß nicht, wie sie mich gefunden haben. Eines Tages hatte ich eine Mail, ich glaube von Harry (Harald Barg, Mannschaftsführer des SK Hall, Anm. d. Red.), der mich dazu einlud, für Hall in der Bundesliga zu spielen. Chinesische Schachspieler haben normalerweise nicht sehr viel Kontakt mit Europa, deshalb habe ich gerne das Angebot angenommen.

Wie sind Sie zum Schach gekommen, schließlich ist China nicht gerade für diesen Sport bekannt.

An Tischtennis reicht Schach bei weitem nicht heran, ist aber seit Ende der 1990er Jahre etwas populärer geworden, da es im Damenbereich einige Erfolge gegeben hat. Ich habe mit meinen Eltern als Dreijähriger zunächst Xiangqi ("chinesisches Schach", Anm. d. Red.) gespielt. Dann sollte ich einen Xiangqi-Kurs belegen, doch der war schon voll. So kam ich mit fünf Jahren in einen Schachkurs.

Wie ging es weiter?

Meine Mutter half mir. Sie ist Englischlehrerin und konnte so englische Schachbücher besorgen. Schach wurde für mich immer interessanter. Ich gab mein Bestes - auch für meine Mutter. Mittlerweile ist Schach mein Leben.

Wie lange befassen Sie sich täglich mit Schach?

Das können schon acht Stunden werden. Ich muss hart arbeiten, denn ich habe kein Talent.

Wie bitte? Ihre aktuelle Elo-Zahl beträgt 2745. Auf der Welt gibt es keine 150 Menschen, die so einen Wert aufweisen können.

Das mag sein, aber ich muss mir dennoch vieles hart erarbeiten.

Sie verlassen Hall bereits an diesem Sonntag. Warum?

Meine Schüler warten auf mich. Ich habe eine Schach-Schule gemeinsam mit Wang Yue (ebenfalls chinesischer Großmeister, Anm. d. Red.). Wir kennen uns schon seit mehr als zehn Jahren, haben uns ein Zimmer geteilt und sind sehr gute Freunde. Wir unterrichten Jugendliche im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. Wir wollen das Training etwas anders aufziehen. Wang und ich ergänzen uns gut. Er ist eher der defensivere Spieler, während ich meist attackiere. So lernen die Schüler beide Seiten kennen.

An diesem Wochenende spielt Hall gegen Katernberg und Dortmund. Was erhoffen Sie sich?

Ich möchte meine beiden Partien gewinnen, denn ich glaube, dass ich in dieser Saison nicht immer das Beste gezeigt habe.

Sie spielen auf Ihre Begegnung gegen Baden-Badens Alexei Shirov an, die Sie verloren haben.

Auch auf diese Partie, ja. Mir haben am Ende zehn Minuten gefehlt, um alle Züge durchzurechnen. Ich wusste, dass mit einem Sieg von mir Schwäbisch Hall die Partie gewinnen und damit die Chance auf die Meisterschaft haben würde. Ich wollte ein Held sein, habe es aber leider vemasselt. (lächelt)

Sollte Hall beide Partien gewinnen, wäre es für den Europapokal qualifiziert. Wäre das ein Anreiz für Sie, in der kommenden Saison wieder für Hall zu spielen?

Ich hoffe sehr, dass es dazu kommt. Momentan sind die Planungen noch nicht abgeschlossen, aber ich kann mir das gut vorstellen. Dann hoffe ich, dass es keine Visa-Probleme geben wird. Ich bin diesmal ein paar Wochen später als geplant nach Hall gekommen.

Während Ihrer Spiele trinken Sie immer ein besonderes Getränk - zumindest sieht es speziell aus. Ihr Teamkollege Boris Gelfand hatte sich beim Spiel gegen Baden-Baden dafür interessiert, wollte es auch sofort haben.

(lacht) Tatsächlich? Das ist Jasmintee. Ich habe mir die Zutaten immer aus China mitgebracht. In Deutschland habe ich sie nicht finden können.

Die Fragen stellte Hartmut Ruffer.

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