"Ich genieße es, in diesem Team zu spielen" Starker Zusammenhalt bei Schachfrauen

Es ist das Duell Vizemeister gegen Meister, wenn an diesem Samstag der SK Hall und die OSG Baden-Baden im Stadtwerke-Saal aufeinandertreffen. Karina Ambartsumova glaubt an die Chance des Außenseiters.

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  • Karina Ambartsumova bei der Spieleröffnung. Die 26-jährige Russin spielt in der vierten Saison für den SK Schwäbisch Hall. 1/2
    Karina Ambartsumova bei der Spieleröffnung. Die 26-jährige Russin spielt in der vierten Saison für den SK Schwäbisch Hall. Foto: 
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Frau Ambartsumova, auch in der Frauenschachbundesliga gilt die OSG Baden-Baden als Top-Favorit. Ist das für Sie eine besondere Partie?

KARINA AMBARTSUMOVA: Natürlich ist es das. Denn wenn man gegen so einen starken Gegner spielt, ist man in einer besonderen Anspannung.

Hat Hall eine realistische Chance?

Ich habe keinen Zweifel daran. Wir denken alle positiv und sind fit. Viel hängt natürlich auch vom Glück ab.

Wie lange bereiten Sie sich auf Bundesliga-Partien vor?

Im Durchschnitt ungefähr eine Woche. Ich analysiere die Partien möglicher Gegnerinnen. Diese Informationen bekomme ich von meinem Teamkapitän (Gregor Krenedics, Anm. d. Red.) Wenn ich genau weiß, mit wem ich es zu tun habe, beginnt der Feinschliff. Das kann bis eine Stunde vor dem Match gehen.

Beim ersten Doppelspieltag der Saison verloren Sie beide Partien. Gegen Niederwiesa lief Ihnen die Zeit davon. Wie fühlt man sich in so einem Moment?

In dieser Situation ist es ziemlich unangenehm, man spürt den Druck. Zum Glück haben wir aber gegen Niederwiesa gewonnen. So konnte ich nur bei mir die Schuld suchen und die Fehler analysieren. Viel schlimmer ist der Fall, wenn die Mannschaft durch so etwas verliert.

Sie spielen bereits im vierten Jahr für den SK Hall. Wie kamen Sie damals in Kontakt?

Oh, das ist verdammt lang her (lächelt). Iva Videnova schrieb mich auf Facebook an. Sie war die erste, die wusste, dass ein neues Team aufgebaut werden sollte, mit dem Ziel in die Bundesliga aufzusteigen. Natürlich war ich interessiert. Ich kontaktierte das Teammanagement und war schließlich dabei.

Hatten Sie bis zu diesem Zeitpunkt jemals von Schwäbisch Hall gehört?

Nein, gar nicht. Ich war zuvor auch noch nie in Deutschland. Vor meinem ersten Besuch habe ich mich im Internet informiert - und natürlich ein paar deutsche Ausdrücke gelernt. Ich mag Schwäbisch Hall sehr. Es ist eine kleine, schöne Stadt mit sehr netten Menschen. Besonders schön ist es im Frühling, wenn die Stadt grün wird und der Biergarten geöffnet hat (lacht).

Normalerweise wechseln professionelle Schachspieler sehr häufig den Verein. Warum sind Sie seit vier Jahren beim SK?

Der Hauptgrund ist, dass ich es genieße, in diesem Team zu spielen. Wir haben einen besonderen Teamgeist und wirklich besondere Verbindungen zwischen allen Spielerinnen und dem Teammanagement. Das ist in jeder Mannschaft wichtig, bei einem Frauenteam aber noch bedeutsamer. Zudem ist die Organisation sehr gut. Wir kennen alle unseren Spielplan, bekommen frühzeitig die Flugtickets - all das ist sehr effektiv.

Sie sind Teil einer Mannschaft, die aus verschiedenen Nationen besteht. Das ist im professionellen Schach zwar die Regel, aber dennoch kann das zu Konflikten führen.

Bei uns nicht. Ich fühle mich sehr wohl, wahrscheinlich weil 80 Prozent des Teams Russisch sprechen. Scherz beiseite: Das Wichtigste ist, dass alle Spielerinnen einen guten Charakter und einen ähnlichen Sinn für Humor haben. Dann ist es viel einfacher, eine gemeinsame Basis zu finden.

Sie sind nicht nur Profi-Schachspielerin, sondern allgemein sehr sportlich. Warum sind Sie ausgerechnet Profi-Schachspielerin geworden?

Ich habe mit vier Jahren mit dem Schach angefangen. Mein Vater ist ein begeisterter Schachspieler. Ich lernte sehr schnell und spielte Turniere. Der Erfolg stellte sich ebenso schnell ein. Aber der Hauptgrund, warum ich Profi wurde, war, dass ich auf die Russian State Social University in Moskau konnte. Dort lag der Schwerpunkt auf dem Schach. Dennoch konnte ich gleichzeitig studieren.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Schachprofis?

Der größte Vorteil ist die Freiheit. Man plant selbst die Turniere, reist, lernt interessante Menschen kennen. Auf der anderen Seite fehlt die Stabilität - sofern man nicht zu den besten fünf oder zehn der Welt gehört. Für all die anderen Spielerinnen ist es nicht leicht, Geld zu verdienen. Deshalb sind viele gleichzeitig Schach-Lehrer. Ich bin da keine Ausnahme. Wenn man genug Wissen hat, kann man es mit Kindern und Erwachsenen teilen.

Der SK Schwäbisch Hall hat erst in letzter Minute die Sponsorenmittel für die Saison zusammenbekommen. Niemand weiß, wie es in der Zukunft weitergehen wird. Was für einen Traum haben Sie für den SK Hall?

Den Titel holen!

Die Fragen stellte Hartmut Ruffer.

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