"Es ist ein unglaubliches Gefühl" - Mario Osti beim Triathlon in Roth

Fast 13 Stunden ist der Haller Hobby-Triathlet Mario Osti beim Ironman in Roth unterwegs. Die Starter werden durch extreme Wetterbedingungen zusätzlich gebeutelt. Es folgt sein Erfahrungsbericht.

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Nach fast 13 Stunden Kampf gegen Hitze und sich selbst hat es Mario Osti geschafft: Der Haller Hobby-Triathlet erreicht das Ziel beim Ironman im fränkischen Roth.  Foto: 

Am Sonntag, 20. Juli, klingelt um 4 Uhr morgens bereits der Wecker. Ich mache mir einen Kaffee, esse ein paar Scheiben Toast mit Honig und Marmelade und eine Banane. Da für den Renntag sehr hohe Temperaturen von bis zu 34° C angekündigt waren, begann ich auch sofort mit reichlicher Flüssigkeitsaufnahme in Form von Tee, Wasser und Mineraldrinks.

Ein erster Höhepunkt beim Roth-Triathlon ist der Schwimmstart der Profis um 6.30 Uhr. Da ich erst um 7.45 Uhr starte, kann ich in Ruhe zuschauen. Danach schlüpfe ich in meinen Neoprenanzug und bereite mich auf meinen Schwimmstart vor. Um 7.40 Uhr wird meine Startgruppe 13 zur Aufstellung aufgerufen und ich begebe mich mit über 230 anderen Teilnehmern in den Donaukanal. Die Jahre davor war ich noch als Zuschauer dabei, jetzt bin ich mittendrin. Mein Puls liegt bei 170 Schlägen. Nach einem guten Start bekomme ich vor lauter Aufregung und dem Gewimmel und Gedränge eine kleine Panikattacke. Ich muss ein paar Mal kurz aussetzen. Nach 1:32 Stunden habe ich die 3,8 Kilometer Schwimmen irgendwie überstanden. Die Zeit ist mir völlig egal. Ich bin nur froh, dass das Schwimmen rum ist und ich es überhaupt überstanden habe. Zum Glück stehen beim Ausgang aus dem Wasser immer Helfer, die die Athleten aus dem Wasser ziehen und aus dem Neoprenanzug helfen. Nun geht es auf die 180 Kilometer lange Radstrecke.

Nach rund einem Kilometer merke ich, dass mit meinen Füßen etwas nicht stimmt. Bei jeder Kurbelumdrehung spüre ich brennende Stiche in beiden Fußsohlen. Beim Schwimmen hatte ich mir bei meinen "Stehpausen" am Rand wohl die Fußsohlen an scharfen Steinen aufgeschnitten. Ich bekomme Rückenschmerzen, später auch Kopfschmerzen, zudem brennt die Sonne. Was ist los? Rückenschmerzen hatte ich noch nie gehabt, Kopfschmerzen ebenso nicht und Hitze hat mir beim Rennradfahren noch nie was ausgemacht. Ich versuche mich in 10-km-Abschnitten zu motivieren, aber irgendwie kommt immer wieder der Gedanke von Aufgeben. Soll das ganze Training der letzten Jahre und vor allem der letzten acht Monate jetzt umsonst gewesen sein?

"Man fährt förmlich in diese Menschenmasse"

Dann kommt der Solarer Berg. Als Zuschauer ist es schon faszinierend, wenn über 20.000 Menschen die Athleten hochpeitschen. Die Perspektive als Athlet ist unbeschreiblich. Man biegt in die Kurve ein und sieht 300 Meter vor einem nur eine nicht endende Menschenmasse. Die Straße ist nicht mehr zu sehen. Man fährt in diese Menschenmasse hinein und dann öffnet sie sich wie ein Reißverschluss und man wird förmlich hochkatapultiert. Es ist ein unglaubliches Gefühl, so was als Hobby-Sportler erleben zu dürfen. In der zweiten Rad-Runde ist die Motivation wieder da und der Gedanke vom Aufgeben weg. Es ist weiter sehr heiß, an einigen Verpflegungsstationen gibt es kein Wasser mehr, Zum Glück habe ich noch genügend Iso-Getränke.

Nach 6,5 Stunden folgt der Wechsel auf die Marathonstrecke. Ein Sanitäter taped meine Schnittverletzungen, damit kann ich ganz gut laufen. Die ersten 21 Kilometer verlaufen ohne Probleme. Zwischenzeitlich hat es angefangen zu regnen und zu gewittern. Es hat sich auf angenehme Temperaturen abgekühlt. Ab km 25 machen sich die Beine langsam bemerkbar. Ich lege kurze Gehpausen ein. Mit dieser Taktik halte ich bis Kilometer 32 durch, aber dann wird es immer schwerer. Ab Kilometer 36 brennt meine Lunge. Zum Glück steht meine Familie am Wegesrand und feuert mich noch mal kräftig an. Das motiviert mich so, dass ich die letzten sechs Kilometer ohne zu gehen, außer bei den Verpflegungsstellen, bis ins Ziel durchgelaufen bin. Die Zeit bleibt bei 12:59:36 Stunden stehen. Unter anderen Umständen hätten es vielleicht auch 12 Stunden werden können, aber das ist mir egal. Ich habe gefinished. Und das ist der Ur-Gedanke des Triathlon-Sports.

Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich hätte nie gedacht, dass es ein so harter Kampf werden wird. Es ist eine Erfahrung fürs Leben, von der ich noch lange zehren werde. Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Zur Belohnung gönne ich mir eine große Pizza "mit allem".

Gesamtzeit (226 km): 12:59:36, Kalorienverbrauch: 8.744 kcal oder ca. 35 Hamburger. Durchschnittspuls: 142 bpm

Erlebnisbericht von Mario Osti zum Download hier:


 
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