"Es braucht lange, bis man sattelfest ist" Haller Reitlehrer will Nervosität nehmen

Mehrere hundert Reiter treffen sich an diesem Wochenende in Hall. Mitten drin: Reitlehrer Andreas Grams. Er hofft, dass seine acht Schülerinnen die eine oder andere Schleife holen und nicht zu nervös sind.

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    Gut gelaunt in der Dressurhalle: Andreas Grams arbeitet in der Reitstunde mit Regina Nefzer und ihrem Pferd Choise. Foto: 
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Das große Haller Reitturnier hat am Freitag begonnen. Sind Sie nervös?

ANDREAS GRAMS: Der Puls ist nur leicht erhöht. Ich trete mit einigen Schülern an. Zu Hause möchte man ja gut aussehen. Aber wir haben ein gutes Team im Hintergrund. In den Vereinen, in denen ich früher als Reittrainer gearbeitet habe, war ich mehr involviert. Es ist gut, dass ich mich auf meine acht Schülerinnen konzentrieren kann.

Besteht das Team nur aus Mädchen?

Ja. Die Arbeit mit dem Pferd hat viel mit Pflege und Betüttelung zu tun. Das liegt jungen Frauen mehr. Aber es hat auch mit Disziplin zu tun. Junge Männer mögen es eher abenteuerlich und wild. Das passt nicht zum Reiten. Außerdem ist es schwer zu erlernen. Wenn man anfängt, fühlt man sich manchmal blöd, weil es scheinbar nicht vorangeht. Das stecken Jungs, die ihren Stolz haben, schlechter weg als Mädchen.

Oder liegt es daran, dass man sich einiges an Ausrüstung kaufen muss?

Die Investition ist nicht hoch. Für die Ausrüstung braucht man rund 200 Euro. Die Reitstunde auf einem Schulpferd kostet für Jugendliche ab 10, für Erwachsene 20 Euro. Auch der Zeitaufwand ist überschaubar. Mindestens einmal in der Woche sollte man üben. Inklusive Pferdepflege vorher und nachher muss man etwa zwei Stunden rechnen. Man sollte beachten: Die Fortschritte gehen sehr langsam. Es braucht lange, bis man einigermaßen sattelfest ist.

In der Reithalle hängt ein großes Schild "Reiten lernt man nur durch Reiten". Passt das?

Man muss viel im Sattel sitzen. Außerdem braucht man Muskeln, die man sonst wenig beansprucht. Und man sitzt hoch oben, während es unter einem wackelt. Das beansprucht die Muskulatur ganz ordentlich und es kann Scheuerstellen geben. Ich habe oft beobachtet, wie dramatisch das in Urlaubsorten sein kann, zum Beispiel in Spanien. Wer in kurzer Hose reitet, kann froh sein, wenn er nur aufgescheuerte Knie hat. Da geht was ab beim Galoppieren am Strand. Das sollte man ganz behutsam von der Pike auf lernen, dann ist es überhaupt nicht gefährlich.

Die Anfänger müssen beim Turnier ja noch nicht galoppieren. Wie leitet man diese vor ihrem ersten Auftritt an?

Natürlich sind die Anfänger auch vor einem Führzügelwettbewerb nervös. Als Trainer ist man da nervöser, da man keinen direkten Einfluss mehr hat. Ich versuche, ihnen die Nervosität zu nehmen. Es ist schließlich nicht so schlimme, wenn es nicht gleich perfekt läuft.

Welche Prüfungen gibt es am Wochenende?

A, L und M. Bei uns richtet sich die Schwierigkeit nicht nach dem Alphabet. Das Anspruchsvollste sind S-Prüfungen. Aber auch die M** sind ganz schön schwer. Bei so einer Dressurprüfung tritt die Hallerin Regina Nefzer auf First Choise an. Sie hat die Chance auf einen vorderen Platz. Ihre Tochter Janna ist ebenfalls gut dabei, sie führt derzeit die Kreismeisterschaft an.

Worauf kommt es bei einer Turnierprüfung an?

Die Nerven sind das wichtigste, denn sie sind schwierig unter Kontrolle zu halten. Man muss den Druck gut dosieren, damit man nicht unnötig nervös wird. Als Trainer darf ich nicht zu viel vom Reiter und seinem Pferd fordern.

Und wie gehen Sie mit den Eltern um?

Da suche ich das Gespräch und binde sie mit ein, wenn ich Schülern Fehler erkläre. Die Eltern sollten das auch verstehen. Außerdem empfehle ich ihnen: Macht nicht zu viel Druck!

Es wird sicher wie in jedem Jahr einige gute Ergebnisse für Haller Reiter geben. Wie wird dann gefeiert?

(lächelt) Die Pferde bekommen einen Schapf Hafer mehr und ein paar zusätzliche Karotten dazu. Die Schüler werden gelobt, manchmal gibt es dazu ein Gläschen Sekt.

Reiten ist eine Einzelsportart. Kommt trotzdem das Teamgefühl auf?

Hier im Verein fällt mir angenehm auf, dass sich ein richtiger Fanclub gebildet hat. Als Trainer freut man sich da mit.

Und wie fühlen Sie sich am Sonntagabend nach dem Turnier?

Sollten wir viele Schleifen geholt haben, ist man gut gelaunt und stolz. Ich freue mich dann gemeinsam mit den Eltern. Manche Schüler muss man aber auch trösten, selten gibt es mal Tränen. Ich versuche, dass es dann nicht zur Riesen-Verzweiflung kommt. Sonst ist der Druck beim nächsten Mal umso größer.

Die Fragen stellte Guido Seyerle.

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