"Die breite Masse will keinen Zwang" Streckenchef des Haller Dreikönigslaufs

Für den Dreikönigslauf ist ein vielköpfiges Organisationsteam notwendig. Streckenchef Reinhard Christ erklärt, wie viel Vorbereitung notwendig ist, warum er nicht mehr joggt und dafür Tischtennis spielt.

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Arbeitsreicher Freitag: Reinhardt Christ organisiert auf dem Werkhof der Stadt Schwäbisch Hall die Streckenbeschilderung.  Foto: 

Man hört und liest: Es wird der Dreikönigslauf der Rekorde. Sind Sie angespannt?
REINHARD CHRIST: Das hält sich in Grenzen. Ich bin es ja gewohnt. Es verschärft sich in den letzten Tagen vor dem Lauf. Dann beobachte ich intensiv den Wetterbericht. Da haben wir oft unsere Bedenken.

Seit wann sind Sie der Streckenchef?
Seit 2002. (kurze Pause) Vor mehr als 15 Jahren habe ich die Strecke bereits vermessen. Das ist notwendig, damit der Deutsche Leichtathletikverband die Rekorde anerkennt, denn die Zeiten gehen in die Bestenliste ein. (lächelt) Aufgrund der Steigungen und Ecken gehört sie allerdings nicht zu den schnellsten Strecken. Deshalb haben die Zeiten oft nur in den ersten Wochen im Jahr Bestand.

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Früher hatte unser inzwischen verstorbener Gunter Friedrich die komplette Organisation übernommen. Erst vor dem Lauf griff er auf die Helfer zurück. Als er erkrankte, fragte er mich, ob ich seine Funktion übernehmen könnte. Doch der Lauf wird immer größer, das kann kein Einzelner mehr machen. Deshalb gibt es seit 2002 ein Orga-Team.

Und keiner wollte der Streckenchef sein?
Für mich war es so, dass ich es für Gunter Friedrich machen wollte. Bei seiner Erkrankung sagte ich: Da müssen wir zusammenstehen. In zweiter Linie wollte ich mich für den Laufsport in Schwäbisch Hall engagieren.

Sie selbst waren ein begeisterter Läufer. Warum kam Ihr Karriereende?
Ein Fersensporn am rechten Fuß hat mich erwischt. Ich habe probiert zu trainieren. Doch bei Belastung kam er zurück. Momentan habe ich auch Probleme und jogge nur einmal pro Woche. Ich bin nicht der Mensch, der gerne zum Arzt geht. Deshalb habe ich aufgehört und mich mehr auf das Tischtennis konzentriert.

Wie verlief Ihre Laufkarriere?
Ich bin sieben Jahre lang intensiv gelaufen, obwohl ich spät angefangen habe. Pro Tag über zehn Kilometer. Meine Marathonbestzeit steht bei 2.39.17 Stunden. Heute könnte man damit einen kleinen Marathon gewinnen, damals nicht. Die Leistungsdichte vorne war viel größer. Heute hat die Breite zugenommen. Die Leute sind vielleicht nicht mehr bereit, so viel Zeit ins Training zu investieren, denn es ist sehr zeitaufwändig. Die breite Masse will sich fit halten, aber sich keinen Zwang auferlegen und nach Trainingsplan arbeiten. Ich habe viel mit Georg Wachter zusammen als Zweierteam trainiert.

Hat er Sie zum Tischtennis gebracht?
Georg spielt auch Tischtennis. Das war ein Anlass für mich, dort hinzugehen. Aber er ist nicht mein Doppelpartner. Ich trete in der fünften Herrenmannschaft an, er in der siebten.

Profitieren Sie von Ihren Jahren als Leichtathlet?
Vielleicht ein wenig im Bereich Ausdauer. Beim Tischtennis zählt mehr das Mentale.

Wie stressig ist Ihr 6. Januar?
Ich bin ab 7.45 Uhr auf den Beinen, der Streckenaufbau geht bis 12 Uhr. Dann bin ich selbst auch als Streckenposten unterwegs.

Gab es in all den Jahren auch Lustiges oder Kurioses?
Etwas Besonderes gab es bis vor ein paar Jahren: Bevor wir Mika-Timing hatten, wurden die Zieleinläufe von Hand aufgeschrieben. Das war wirklich stressig. Dramatisches gab es nicht. Vor ein paar Jahren habe ich Carsten Eich vor dem Lauf darauf aufmerksam gemacht, dass es am Ende der Holzbrücke glatt ist. Er solle aufpassen. Aber er ist trotzdem gestürzt. (kurze Pause) Und hat noch gewonnen. Als Streckenposten muss man versuchen, die Leute aufzumuntern. Ich stehe in der Nähe des Waldhorns. Dort rückt das Ziel näher. Ich schreie ,auf gehts, Endspurt, ist nicht mehr weit.

Kam auch schon etwas zurück?
Durch das Anrufen bekommen die Leute einen Kick. Sie merken, das Ziel ist nahe. Dann fangen einige an zu spurten. Aber es gibt auch die Blicke der Läufer, dass sie nicht mehr können.

Wann beginnt der Abbau?
Sobald der letzte Läufer durch ist. Ich bilde mit Siegfried Schuhmacher vom Bauhof ein Zweierteam. Da sieht man keine Athleten mehr. Auf der Strecke liegt auch kein Müll. Es ist einigermaßen angenehm.

Was ist das dann für ein Gefühl?
Wenn alles gut gelaufen ist, ist man froh, dass alles rum ist. Aber es ist enorm, wie schnell das Jahr vergeht. Dann steht schon der neue Dreikönigslauf vor der Tür. Über das Jahr haben wir sechs Sitzungen. Da halten wir fest, was nicht so gut gelaufen ist.

Wie lange werden sie diesen Job als Streckenchef noch machen?
So lange ich fit bin, mache ich es. (lächelt) Wenn es nach mir gehen würde, dann dürfen das gerne noch 20 Jahre sein.

Die Fragen stellte Guido Seyerle.

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