Stuttgarter Sieg verschärft Göppinger Handball-Krise

Erstmals hat der TVB 1898 Stuttgart das Handball-Bundesliga-Derby gegen Frisch Auf gewonnen. Nach dem 21:23 ist der Fehlstart des Europapokalsiegers perfekt, die Fans ließen ihrem Frust freien Lauf.

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Nahm an alter Wirkungsstätte das Heft in die Hand: Michael Kraus trumpfte mit seinen Stuttgartern in Göppingen auf.  Foto: 

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart, tat den Frisch- Auf-Handballern mit der Analyse des 23:21 (13:10)-Erfolges seiner Truppe  in Göppingen nochmals richtig weh: „Ich bin super happy und zufrieden mit dem Ergebnis, und noch viel wichtiger war der Auftritt, wie wir uns als Team präsentiert haben.“ Es war ein letzter Stich ins bereits gedemütigte grün-weiße Herz, das den Hausherren schon vor Spielbeginn in die Hose gerutscht war. Null Emotionen, dafür hundertprozentige Unsicherheit nach einem gründlich vermasselten Saisonstart ließen keinen guten Auftritt erwarten – was die Gäste für ihren ersten Derbysieg nutzten. „Ich habe den Jungs gesagt, wir holen heute die Punkte“, verriet Michael Kraus, Kopf der Stuttgarter an ehemaliger  Wirkungsstätte, schmunzelnd.

In einer torarmen Partie erzielte Kraus vier seiner fünf Tore bis zum 4:5 in der Anfangsviertelstunde, später gefiel der Routinier vor allem mit seinen Kreisanspielen für Manuel Späth und Simon Baumgarten, ebenfalls Akteure mit Frisch-Auf-Vergangenheit, während die Göppinger Offensivbemühungen zwischen umständlichen Fehlpässen und zu hoher Risikobereitschaft versickerten.

Kam es zu Würfen auf das Stuttgarter Tor, machte Johannes Bitter fast jeden Versuch zunichte. „Bitter war unglaublich gut, wir hatten allein 14 gute Chancen von Außen und machen nur drei Tore“, lieferte ein konsternierter Magnus Andersson ein Beispiel für die magere Göppinger Ausbeute. Der schwedische Coach sprach von einer „peinlichen, unglaublich enttäuschenden Leistung“ und wusste: „Jetzt brennt hier alles.“

Im zweiten Durchgang vor für Derby-Verhältnisse mageren 4400 Zuschauern sorgte Regisseur Kraus gleich wieder für den ersten Bittenfelder Paukenschlag; erst nach dem 10:15, einer eigenen Auszeit und sieben gespielten Minuten fiel das 11:15. Zwar hatte der eingewechselte Torhüter Daniel Rebmann deutlich mehr Paraden als Kollege Primoz Prost zu verzeichnen, doch ihre Vorderleute, bei denen Sebastian Heymann nach einem  Mittelfußbruch im letzten Training fehlte, konnten diese Vorlage nicht nutzen. Vielmehr verzweifelten sie reihenweise an der Krake Bitter, was den Stuttgartern eine  18:12-Führung nach 44 Minuten bescherte. Selbst eine doppelte Überzahl verstolperten die Gastgeber kläglich, erst in der Schlussviertelstunde gelang zumindest eine Aufholjagd bis zum 20:21 (55.), die aber letztlich unbelohnt blieb, weil Bitter und Kraus bis zum 23:21-Endstand den Überblick behielten. „Das ist ein geiler Derbysieg, in Göppingen habe ich noch nicht oft gewonnen“, freute sich „Jogi“ Bitter über weitere, nicht eingeplante TVB-Punkte, sein Trainer wusste: „Mit 23 Toren gewinnt man auswärts selten.“

Währenddessen leerte sich die Göppinger Arena schnell, auf ihrem Weg diskutierten die frus­trierten Frisch-Auf-Fans den indiskutablen Auftritt ihrer auseinandergefallenen Mannschaft und die Entscheidungen des angezählten Trainers, nachdem die Heimmisere schon in der vergangenen Saison für große Verärgerung gesorgt hatte. „Wir müssen schnell unsere Schlüsse ziehen“, hielt Christian Schöne fest – eine Trainerdiskussion wollte der Sportliche Leiter nicht gleich anfangen.

Lokalrivalen Jürgen Schweikardt freute sich über den ersten Pflichtspielsieg seiner Stuttgarter über Frisch Auf, von einer schnellen Ablösung der gerade besiegten Göppinger als Nummer eins der Region nahm der TVB-Manager aber Abstand. „Wir wollen irgendwann einmal an Göppingen vorbeiziehen, aber aktuell zählt nur, den Klassenerhalt so früh wie möglich festzuzurren.“ Trainer Markus Baur stimmte zu: „Ob wir am Ende der Saison vor Frisch Auf stehen, ist mir wurst. Wichtig ist, dass wir in jedem Spiel das Optimale herausholen.“ Vorerst aber steht Stuttgart (Platz 11/6:6) vor Göppingen (13./4:6).

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