"Viele Tore, aber auch mehr Fehler" Haller Handball-Trainer will Klasse halten

Anfang Januar hat Andreas Henze eine schwierige Aufgabe übernommen - er soll den Tabellenletzten retten. Der 46-Jährige erklärt, warum Tempohandball zu mehr Toren führt und wie viele Siege noch notwendig sind.

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Beim Donnerstagtraining gibt Coach Andreas Henze die Richtung vor und sagt: "Meine tolle Mannschaft hat nichts in der Bezirksliga zu suchen." Foto: Weigert

Die TSG Hall stand zum Jahreswechsel abgeschlagen am Tabellenende. Nach zwei Siegen sieht es nun wieder hoffnungsvoller aus. Wie kam es zu dieser Wende?

ANDREAS HENZE: Es herrscht Aufbruchstimmung. (lächelt) Wir kommen so langsam aus dem Tal der Tränen raus. Der Ziel Klassenerhalt ist trotzdem noch schwer zu erreichen. Es wurden in der Vorrunde viele Partien verloren, aber es gibt auch noch einige Spiele.

Wie sieht die Abstiegsregelung aus?

Der Verband plant, dass es in Zukunft eine Staffel weniger geben soll. Deshalb werden voraussichtlich drei Teams aus unserer Liga absteigen, der Viertletzte geht in die Abstiegsrelegation. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Sollten wir heute gewinnen, dann müssen wir immer noch zwei weitere Teams überholen.

Was musste passieren, dass Ihr Vorgänger, der ehemalige TSG-Trainer Matthias Teinert, Hall als Spieler erhalten blieb?

Ich habe mit Matthias vorab unter vier Augen gesprochen. Es geht darum, ihn zu entlasten. Nun ist er einer meiner Führungsspieler. Mit meinen Ideen will ich einen neuen Weg beschreiten und der Mannschaft helfen. Ein Problem bei uns ist die dünne Personaldecke.

Da hilft es ja, wenn Matthias Teinert sehr viel spielen kann und sich nicht um das Coaching kümmern muss.

Ja, er ist unser absoluter Abwehrchef, er schmiedet die Jungs dort zusammen. Vor dem Tor ist er ein robuster, torgefährlicher Kreisläufer. Ich arbeite nun daran, dass wir unser Angriffsspiel verbessern und die Tempogegenstöße forcieren. Ziel ist es, einen attraktiven Handball zu zeigen.

Wie konnte das so schnell gelingen, dass sich unter Ihnen in drei Spielen zwei Siege einstellten?

Ich habe an ein paar Stellschrauben gedreht. Wir haben das Training intensiviert. Jetzt bitte ich die Jungs dreimal pro Woche in die Halle. Da haben viele natürlich ein Zeitproblem wegen Beruf und Studium.

Deshalb kommen manche auch nur einmal pro Woche zum Trainieren.

Hat Ihnen die Handball-WM, die am Sonntag mit dem Sieg des Gastgebers Spanien zu Ende ging, weitere Erkenntnisse gebracht?

Aus einer sicheren Abwehr und ausgehend von einem guten Torwart gibt es Tempogegenstöße. Viele Chancen bringen viele Tore, aber auch mehr Fehler. Das ist bei Tempo-Handball so. Deshalb nehmen wir die Fehler gerne in Kauf.

Gerade im Abwehrverhalten hat sich bei den Nationalmannschaften einiges geändert.

Genau, sie sind viel ballorientierter wie früher und wollen schnell den Ball erobern. Dann folgt sofort das Umschalten in den Angriff. Das hat Spanien hervorragend gemacht, auch Deutschland war gut. Altmeister Frankreich dagegen hat schwerfällig agiert und ist deshalb im Achtelfinale ausgeschieden.

War Ihre Handschrift in den ersten Partien der Haller schon zu erkennen?

Phasenweise haben wir ganz gut gespielt. Ich wusste aber schon, bevor ich das Team übernommen habe, dass da Potential drinsteckt. Die TSG kann auf jeden Fall in der Landesliga mithalten. Und die Moral der Jungs ist top, sie ziehen gut mit und sie haben eine gute Einstellung.

. . . und prompt gab es zwei hohe Siege.

Wir haben die Fehler gemeinsam analysiert und versuchen, diese in der Zukunft abzustellen. Dass wir erfolgreich Handball spielen können, war mir von Anfang an klar. Sonst hätte ich die Arbeit erst gar nicht übernommen. Gut waren die klaren Siege mit acht beziehungsweise zehn Toren Vorsprung. Heute gegen den Tabellennachbarn zählen die Punkte sozusagen doppelt. Wir haben den Anschluss hergestellt. Nun könnten wir Drittletzter sein.

Was für ein Spiel erwarten Sie gegen den Tabellenletzten?

Ludwigsburg-Egolsheim hat seine letzte Partie auch gewonnen. Die Landesliga ist in dieser Saison so ausgeglichen, da kann fast jeder jeden schlagen. Nur Bottwartal scheint sich ein wenig abzuheben, die SG hat viele gute Spieler geholt.

Was dürfen die Zuschauer heute erwarten?

Sie sollen tollen Handball sehen. Den Jungs soll es Spaß machen und am besten soll es Erfolg bringen. Ich lasse intensiv Spielabläufe trainieren. Jeder muss wissen, wo sein Mitspieler steht. Es muss schnell und gezielt von hinten rausgehen. Dazu braucht es natürlich auch eine gute Kondition. Andererseits: Wer den Tempohandball draufhat, der bekommt weniger Schläge von der gegnerischen Abwehr ab.

Was ist Ihr Tipp?

Alles andere als ein Sieg wäre nichts.

Und was kommt danach?

Bei einem Sieg hätten wir neun Punkte. Danach haben wir noch sieben Partien. Davon müssen wir wohl noch vier gewinnen. Dann hätten wir zumindest die Relegation erreicht. Und meine tolle Mannschaft hat in der Bezirksliga nichts zu suchen.

Die Fragen stellte Guido Seyerle.

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