Hall verliert gegen Baden-Baden und gewinnt gegen den FC Bayern

Schon wieder war die Startruppe eine Nummer zu groß: Halls Bundesligateam wollte die Revanche, doch wie im Vorjahr verlor es gegen Dauermeister OSG Baden-Baden knapp mit 3,5:4,5.

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Halls Ernesto Inarkiev fixiert seinen Kontrahenten Alexej Schirow.  Foto: 

Während man im Dezember 2014 vor heimischer Rekordkulisse in der Stadtwerkearena den Sieg bereits auf dem Silbertablett hatte und eine historische Chance verstreichen ließ, ging der Sieg für Baden-Baden diesmal in Ordnung. Im Spiegelsaal des Kulturhauses LA8 in Baden-Baden waren die Hausherren stets eine Nasenlänge in Front. Beim Stand von 4,5:2,5 war das Match entschieden, da half es auch nicht mehr, dass Sebastian Bogner ein fein herausgespielter Endspielsieg gegen den armenischen Weltklassemann Sergej Movsesian gelang.

Im Vorfeld stellte sich die Frage, ob der Titelverteidiger einen seiner Superstars Viswanathan Anand, Levon Aronjan oder Peter Swidler aufbieten würde. Diese drei kämpften im März beim Kandidatenturnier von Moskau um das Vorrecht, Weltmeister Magnus Carlsen fordern zu dürfen. Keinem der dreien gelang es. Sie zogen es aber allesamt vor, sich zu erholen.

Nichtsdestotrotz war die Gegnerschaft für den SK exzellent. So saß Li Chao an Brett 2 Rustam Kasimjanov gegenüber. Der gebürtige Usbeke, der schon länger in Deutschland lebt, war 2004 Weltmeister im Knock-Out-Format und gilt als führender Eröffnungsexperte. Halls chinesischer Spitzenspieler bekam diese Expertise zu spüren, geriet mit Schwarz unter Druck und konnte die Partie nicht mehr umbiegen.

Mag sein, dass Li Chao mit seinen Gedanken nicht ganz bei der Sache war: Vor wenigen Tagen hat er eine Einladung zum Superturnier im norwegischen Stavanger Ende April bekommen. Eine große Chance für ihn, sich in der Beletage des Weltschachs zu etablieren, wo das große Geld lockt. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt hat er seine Hochzeitsfeier in China angesetzt. Es war viel Überzeugungsarbeit nötig, um seine Braut und seine Mutter von der Notwendigkeit eines Aufschubs zu überzeugen. Am Sonntag verkündete Li Chao erleichtert, dass nun alles in trockenen Tüchern sei: Vertrag mit Stavanger unterzeichnet, Hochzeit um eine Woche verschoben.

Weiß war Trumpf: Während drei Partien mit Remis endeten, gewannen fünfmal die Weißspieler. In einem Mannschaftskampf bekommt jedes Team viermal Weiß und viermal Schwarz. Die Baden-Badener verstanden es jedoch besser, ihre Weißpartien auszunutzen. Schon aus der Eröffnung heraus gerieten alle Haller, die die schwarzen Steine führten, schwer unter Druck, nur Anthony Wirig kam knapp mit einem Remis davon.

Einen weiteren Punkt steuerte Ernesto Inarkiew am dritten Brett bei. Ihm gelang eine Glanzpartie gegen Alexei Schirow, der schon mal auf Platz 3 der Weltrangliste stand und für seine spektakuläre Spielweise berühmt ist. Inarkiew ließ sich nicht zweimal bitten, die beiden Matadore lieferten das spannendste Gefecht des Wochenendes.

Im Sonntagsspiel ging es gegen Bayern München. Beim wohlhabenden Münchner Verein hat man kein Geld für die Schachspieler übrig, so dass die Bayern fast ausschließlich mit Amateuren antreten. Hall erledigte diese Pflichtaufgabe mit einem 6,5:1,5-Kantersieg, wobei man sich noch den Luxus erlaubte, Dmitri Jakowenko pausieren zu lassen.

Zwei Runden vor Saisonende liegt Hall zwei Punkte hinter Werder Bremen auf Rang vier. Am 23. April kommt es in den Businesslogen des Weserstadions zum Aufeinandertreffen. Ein Sieg dort würde den Platz auf dem Treppchen sichern.
 

1. BUNDESLIGA

OSG Baden-Baden - SK Hall 4,5:3,5
FC Bayern München - Erfurter SK 3,0:5,0
SV Mülheim Nord - SV Werder Bremen 4,0:4,0
SC Hansa Dortmund - Turm Emsdetten 3,0:5,0
USV TU Dresden - SG Solingen 4,0:4,0
Schachfreunde Berlin - SG Trier 6,0:2,0
SV Griesheim - Hamburger SK 3,5:4,5
SV Hockenheim - SK Norderstedt 4,0:4,0
SK Hall - FC Bayern München 6,5:1,5
Erfurter SK - OSG Baden-Baden 2,0:6,0
SV Werder Bremen - SC Hansa Dortmund 5,5:2,5
Turm Emsdetten - SV Mülheim Nord 3,0:5,0
SG Solingen - Schachfreunde Berlin 5,0:3,0
SG Trier USV - TU Dresden 4,0:4,0
Hamburger SK - SV Hockenheim 4,0:4,0
SK Norderstedt - SV Griesheim 2,0:6,0

1 SG Solingen 1373.5:30.524:2
2 OSG Baden-Baden 1369.0:35.023:3
3 SV Werder Bremen 1363.0:40.021:5
4 SK Schwäb. Hall 1364.0:39.019:7
5 SV Hockenheim 1358.0:45.015:11
6 Hamburger SK 1355.5:48.515:1
7 SV Mülheim Nord 1248.0:47.014:10
8 USV TU Dresden 1251.0:45.013:11
9 Turm Emsdetten 1352.5:50.513:13
10 Schachfreunde Berlin 1251.0:45.012:12
11 SG Trier 1348.0:55.09:17
12 Erfurter SK 1342.5:61.57:19
13 SV Griesheim 1340.0:63.06:20
14 SC Hansa Dortmund 1236.5:59.55:19
15 FC Bayern München 1332.5:71.54:22
16 SK Norderstedt 1327.0:76.04:22

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