Fußballer Ralf Kettemann reiste mit der deutschen Studenten-Nationalelf durch Indien

Zunächst hat Ralf Kettemann lang gezweifelt, ob er mit der Studenten-Nationalmannschaft nach Indien fliegen soll. Er entschied sich dafür - und berichtet eindrucksvoll von einer Reise, die ihm im Gedächtnis bleiben wird.

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Ralf Kettemann beim Besuch eines Waisenhauses in der Region Misoram im Himalayagebirge. "Es sind Kinder, die leider keine wirkliche Chance haben", so der ehemalige Fußball-Profi.  Foto: 

"Ich hatte eine Verletzung am Zeh. Zudem war das, was ich bisher über Indien gehört hatte, nicht so positiv", beschreibt Ralf Kettemann, der Spielertrainer des Fußball-Verbandsligisten TSV Ilshofen, seine Gefühlswelt vor dem Abflug. Als er wieder da ist, ist er froh, dabei gewesen zu sein. "So etwas regt zum Nachdenken an." Die Erinnerungen an die Reise, die Ende Januar zu Ende ist, sprudeln aus ihm heraus.

Das Programm ist straff getaktet: Neun Tage ist die Studenten-Nationalmannschaft in Indien unterwegs, inklusive sechs Inlandsflüge. Schon die Ankunft in Neu-Delhi beschreibt Kettemann als "krass". Der Empfang ist überaus freundlich, die Stadt aber das genaue Gegenteil. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte vor kurzem Neu-Delhi zur "dreckigsten Stadt der Welt" gekürt, die Hauptstadt Indiens hat den höchsten Feinstaubgehalt in der Luft. Der Wert liegt um 45 Prozent höher als der Pekings. Der 29-jährige Kettemann beschreibt es so: "Es hatte 25 Grad, aber man sieht keine Sonne, keinen Himmel - nur Dreck."

Ähnlich ist Kettemanns Eindruck von Kalkutta, mit 4,5 Millionen Einwohnern die siebtgrößte Stadt Indiens. "Es ist schwierig, die Lebenssituation der Menschen in Worte zu fassen. Der Smog, der Verkehr. Es ist faszinierend und traurig zugleich, gerade wenn man Kinder inmitten des Drecks spielen sieht."

Mehr als 8000 Zuschauer

Die Studenten-Nationalmannschaft bestreitet zwei Freundschaftsspiele (3:1 gegen eine Regionalauswahl Mizorams und 5:0 gegen einen Zweitligisten) und besucht soziale Projekte in verschiedenen Regionen Indiens. "Überall wurden wir empfangen, als ob wir die wahre Weltmeister-Mannschaft wären." Die Begeisterung ist immens. Zum Testspiel gegen die Regionalauswahl aus Mizoram, einem an der Grenze zu Myanmar und China liegenden Bundesstaat, kommen mehr als 8000 Zuschauer. "Da habe ich mich an meine Zeit als Profi (Ralf Kettemann war früher beim VfR Aalen und den Stuttgarter Kickers, Anm. d. Red.) erinnert gefühlt. Die Menschen haben das Stadion schon Stunden vor dem Anpfiff belagert."

Die Gegend im Himalaya gefällt Kettemann sehr gut. "Die Landschaft ist der Wahnsinn. Und die Menschen lächeln alle permanent." Auch dort besucht die Mannschaft soziale Projekte: Sie trainiert mit Schülern, besucht ein Waisenhaus. "Teilweise haben sich die Kinder schon ein Vierteljahr auf unseren Besuch gefreut." Offen gehen sie auf die Fußballer zu, lachen und spielen mit ihnen. Die Deutschen teilen diese Freude, doch stets bleibt etwas im Hinterkopf: "Es sind Kinder, die keine wirkliche Chance haben."

Ralf Kettemann ist "superfroh", sich doch zu der Reise entschlossen zu haben. "Es ist toll, dass eine Sportart wie Fußball die Menschen zusammenbringen kann." Zudem sind Freundschaften zu anderen Spielern entstanden. Und er hat eine Region kennenlernen dürfen, "die ich privat wohl nicht wieder sehen werde". Vor allem aber hat es einen Denkprozess angestoßen. "Wenn man diese Lebensumstände hautnah miterlebt, dann geht man seine eigenen Probleme anders an. Denn im Grunde sind das maximal Problemchen."

Studenten-Nationalteam

Nominierung "Die Studenten-Nationalmannschaft ist eine Botschafter-Mannschaft", sagt Eva Winkler, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Abteilung Trainerwesen und Internationale Beziehungen arbeitet. Der Fokus liegt auf dem Ausbau der Beziehungen zum jeweiligen Land. Das Team wird aber unter sportlichen Aspekten zusammengestellt. Die Spieler werden vom DFB nominiert.

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