Thyssen-Krupp: Steckengeblieben im Testturm in Rottweil

Der Aufzugs-Testturm von ThyssenKrupp in Rottweil bietet einige Superlative. Eines ist die deutschlandweit höchste Aussichtsplattform. Am Medientag bleibt die Kabine stecken.

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Beim Turmfest am Wochenende in Rottweil gibt es Tickets für die Besucherplattform in 232 Meter Höhe zu gewinnen.  Foto: 

Die Gruppe fährt mit dem Panorama-Aufzug von der Aussichtsplattform in 232 Meter Höhe zurück ins Erdgeschoss. Das dauert etwa 30 Sekunden. Unten angekommen, öffnen sich die Türen, der Großteil der Gruppe verlässt die Kabine. Plötzlich macht die einen heftigen Ruckler, die Türen schließen sich und lassen sich nicht mehr öffnen. Auf dem Display in der Kabinenwand steht „Außer Betrieb“. In der Kabine befinden sich noch drei Journalisten und ein Security-Mann.

Die Panne geschah am Freitag beim Medientag im Aufzugs-Testturm von Thyssen-Krupp Elevator im Gewerbegebiet „Berner Feld“ bei Rottweil. Anlass war die Eröffnung der Besucherplattform, die höchste in Deutschland.

Damit solche Pannen bei Kunden nicht passieren, unter anderem dafür gibt es diesen Testturm. In ihm werden innovative Aufzugssysteme entwickelt, getestet und zertifiziert. „Alles, was wir weltweit entwickeln, wird hier im Turm in Rottweil getestet“, sagte am Freitag Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp Elevator AG.

Das Unternehmen hat in den 246 Meter hohen Turm 40 Mio. € investiert und darin als erstes den „Multi“ installiert, ein weltweit einzigartiges Aufzugsystem, bei dem die Kabinen nicht mehr an Seilen hängen, sondern von Linearmotoren angetrieben werden. Das ermöglicht eine große Flexibilität, so dass die Kabinen horizontal und auch vertikal fahren. Ein Vorteil ist auch, dass so viel Platz gespart wird und mehrere Kabinen gleichzeitig auf den „Schienen“ unterwegs sein können. Der „Multi“ wurde im Juni der Öffentlichkeit vorgestellt und ist nach Aussage von Markus Jetter, Leiter von Forschung und Entwicklung im Turm, seit dem weiter gereift.

Doch noch immer darf niemand mit dem „Multi“ fahren. „Das ist erst möglich, wenn das System zertifiziert ist“, sagt Jetter. 2020 soll es soweit sein, dann soll der „Multi“ auf den Markt kommen. Die Entwicklung bis zur Reife eilt, denn die Konkurrenz schläft nicht. „Ja, wir haben Konkurrenten, aber wir haben einen Vorsprung“, sagte Jetter am Freitag.

70 Meter freie Sicht

Auf der Fahrt mit dem Panorama-Aufzug zur Aussichtsplattform ist der Blick bis in 70 Meter Höhe frei, dann schiebt sich die Außenhaut wie ein Schleier vor die Aussicht. „Sie ist wie ein Negligee“, sagte Architekt Werner Sobek, der die Membran entworfen hat. Doch sie soll nicht nur ein reizvoller Blickfang sein. Sie dient dem Betonturm als Schattenspender und soll für Windverwirbelungen sorgen, damit der Turm nicht zu sehr ins Schwanken gerät. Wobei das auch kein Problem wäre, weil im Turm ein 240 Tonnen schwerer Schwingungs-Tilger installiert ist, der das Schwanken ausgleicht.

Geplant war, dass der Turm bis zur Eröffnung vollständig in die Membran gehüllt ist. Doch Sturm und Regen machten es unmöglich. So beginnt die Glasfaser-Membran unterhalb der Plattform und windet sich abwärts um den Turm herum, so dass sich dieser wie ein überdimensionaler Bohrer in den Himmel schraubt.

Die Arbeitsplattform für das Anbringen der Membran steht aktuell bei 70 Metern. Die fehlen noch. Dann ist die Außenhaut fertig. Sie besteht aus einem Glasfaser-Gewebe, das unten am Turm dicht beginnt und nach oben hin offener wird. „Das bietet eine hohe Transparenz“, sagte Werner Sobek. Die Membran ist mit Teflon beschichtet und jetzt noch sandfarben. „In einem halben Jahr wird sie schneeweiß sein.“

Zum Turmfest am Wochenende soll der Panorama-Aufzug wieder laufen. Die darin Eingeschlossenen konnten nach gut zehn Minuten die Kabine verlassen. Die Tür musste jedoch mit Gewalt aufgestemmt werden.


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