Roboter am Boden

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Der Roboter Deebot Ozmo 930 erkennt selbstständig, um welchen Bodenbelag es sich handelt, und entscheidet, ob er saugt oder nass wischt.  Foto: 

Sie fahren die Wohnung ab, saugen Fussel und Haare weg und sammeln in der Küche die kleinsten Brotkrumen auf: Saugroboter sind die modernen Heinzelmännchen. Wenn man nach einem langen Arbeitstag abends nach Hause kommt, ist dank der meist scheibenförmigen Helfer wenigstens der Boden rein. Wer wenig Zeit für den Haushalt, chronische Rückenschmerzen, ein haarendes Haustier oder kleine Kinder hat, wird für die Roboterunterstützung besonders dankbar sein

Das Konzept ist für eine breite Käuferschicht attraktiv, doch die Geräte steckten lange noch in den Kinderschuhen. In diesem Jahr aber zeigte sich auf der Elektronikmesse Ifa in Berlin: Viele Unternehmen bringen neue Saugroboter heraus – mit dem Versprechen, sauberere Ergebnisse zu bringen.

Einen Markt dafür gibt es offenbar: Im ersten Halbjahr 2017 wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 40 Prozent mehr Staubsauger gekauft, berichtet Werner Scholz, Geschäftsführer der Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. „Es ist eine im Vergleich zu den Boden-Staubsaugern relativ kleine, aber attraktive Produktgruppe, die gerade stark wächst.“

Außerdem kommen die Geräte inzwischen auch in Preislagen, die sie für mehr Verbraucher interessanter machen, ergänzt Claudia Oberascher von der Initiative Hausgeräte+. „Und auch wenn sie noch Schwächen haben, für das Große und Ganze eignen sie sich gut“, lautet ihre Einschätzung.

Daran hat die Branche hart gearbeitet. In den ersten Jahren fielen die Saugroboter reihenweise durch Produkttests, weil sie zum Beispiel Schwellen nicht überfahren konnten, gegen Schränke donnerten, unter dem Sofa stecken blieben oder nicht in die verstaubten Ecken kamen.

Außerdem fehlte es den Robotern, bedingt durch ihre Bauart, an Saugkraft und Tiefenwirkung, hat die Stiftung Warentest bei einer Stichprobe von sechs damals erhältlichen Geräten zum Jahresbeginn 2017 festgestellt. Die besten dieser Produkte holten nur rund die Hälfte der Fasern aus dem Teppichflor, ein guter Bodenstaubsauger schafft immerhin 80 Prozent. Auf Hartböden waren die Ergebnisse aber besser: Die zwei Geräte, die im Test Platz eins und zwei belegten, schafften auf planem Untergrund 92 und 77 Prozent. Das Fazit lautete dennoch: Ein automatischer Saugroboter kann nicht das gelegentliche Putzen mit einem guten Boden-Staubsauger ersetzen.

Die Geräte der neuesten Generation versprechen in vielen Punkten Verbesserung: Miele schafft mit seinem neuen Modell Scout RX2 eine dreifach höhere Staubaufnahme von Teppichböden im Vergleich zu Vorgängermodellen der Firma. Das Hängenbleiben an Möbeln verhindern Schwenkarme, an denen die Seitenbürsten sitzen. Gelangen sie an einen Widerstand, werden die Arme zurückgeschoben.

AEG hat seinen neuen RX9 fast dreieckig gebaut. Dadurch und die zusätzlichen Seitenbürsten soll er die Ecken und Kanten entlang der Wände um bis zu 80 Prozent effektiver reinigen, kündigt das Unternehmen an. Der Saug­roboter soll auch Erhebungen von bis zu 22 Millimeter überwinden – was Teppichkanten und Kabeln entspricht. Mit einer Höhe von nur neun Zentimetern kann der Saugroboter auch unter niedrige Möbel fahren.

„Die neueste Geräte-Generation zeichnet sich durch Intelligenz aus“, sagt Hausgeräte-Experte Scholz. Die Sauger bewegten sich nicht mehr zufällig über den Boden, sondern die Sensorik habe deutliche Fortschritte gemacht. „Die Geräte vermessen heute erst mal den Raum. Wie groß ist er, wo sind die Hindernisse? Dann werden die besten Wege in alle Ecken berechnet –  mit der möglich geringsten Energieleistung“, erklärt Scholz.

Zusätzlich zu solchen interaktiven Karten können zum Beispiel für das neue Modell Roxxter von Bosch Hausgeräte Tabuzonen sowie individuelle Arbeitsaufträge in jedem Zimmer festgelegt werden. Auch eine Steuerung über Apps auf Smartphone und Tablet ist bei den Geräten möglich, und Roxxter lässt sich zusätzlich über den Sprachassistenten ­Alexa von Amazon ansprechen. „Die neue Generation ist auch leistungsfähiger“, sagt Scholz. Akkuladungen hielten länger, die Ladezeit werde kürzer.

Wischen inklusive

Manche Geräte kombinieren verschiedene Reinigungsarten: Die Modelle von Ecovacs Robotics namens Deebot Ozmo 610 und 930 saugen dank neuer Technologie und Wassertank Parkett, Laminat und Fliesen nicht nur ab, sondern wischen diese auch nass. Das Modell 930 erkennt dabei selbstständig, um welchen Bodenbelag es sich handelt. Der Heinzelmann von heute saugt und bläst also nicht nur wie im Loriot-Sketch („Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann) – er saugt und wischt sogar noch.

Wie bereite ich meine Wohnung auf den Staubsauger-Roboter vor? Die Internetseite www.haushalts-robotic.de gibt Tipps: Kleine Teile wie Haarspangen und Knöpfe sowie größere wie Spielzeug oder auch herumliegende Kleidungsstücke sollten vom Boden entfernt werden. Das gilt auch für Stromkabel. Ungünstig sind Teppiche mit langen Fransen. Falls Türschwellen vorhanden sind, sollte der Roboter in der Lage sein, diese zu überwinden. ih

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