Hausbesuch bei Schlagersänger Jürgen Drews

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Unzertrennlich: Jürgen Drews und sein Banjo im Tonstudio.  Foto: 

Jürgen Drews singt vom „Bett im Kornfeld“ vor grölenden Party-Touristen am Ballermann auf Mallorca oder bei TV-Schlagerparaden vor einem Millionenpublikum. Sein Rückzugsort aber, im münsterländischen Dorf Dülmen-Rorup gelegen, ist eine enge Kammer im Keller seines Hauses. Ein wenige Quadratmeter kleines, schummriges Reich, in dem außer einem Schreibtisch mit Laptop, Mikrofon, Boxen, Gitarre und Banjo kaum etwas steht. Es ist das hauseigene Tonstudio. Hier probiert Drews neue Songideen aus. „Das meiste davon nehme ich mit ins Grab und wird nie jemand hören.“ Mit 72 Jahren veröffentlicht Drews jetzt ein Best-of-Album: „Drews feat. Drews“. Alles neu eingesungen und produziert.

Der Anfang von allem, der Gassenhauer „Ein Bett im Kornfeld“ aus den 70er Jahren, ist genauso auf dem Album wie das späte „Ich bau Dir ein Schloss“ von 2009. Auch alte Nummern mit den Les Humphries Singers („Mama Loo“, „Mexico“) sind zu hören, einer Gruppe, in der Drews vor seiner Solo-Karriere in den 70er Jahren gesungen hatte. Das Album ist ein Partyschlager-Feuerwerk – und eine Erinnerung an fast fünf Jahrzehnte Drews im Showbusiness.

Mallorca, Jülich, Hannover, Dülmen und Berlin: Stationen von Drews in dieser Woche. Andere sind in seinem Alter schon lange in Rente, er hat noch immer einen eng getakteten Terminplan. „Mir macht der Job einen tierischen Spaß“, sagt Drews. „Ich würde es sonst nicht mehr machen. Ich brauch’ es doch nicht mehr unbedingt.“

Einmal pro Woche tritt Drews auf Mallorca auf, als einer der wenigen in seinem Geschäft spielt er die Haupt- und die Nebensaison durch. Dazu kommen Konzerte auf Firmenfeiern und Stadtfesten. Und jetzt die Promotion-Tour fürs neue Album. „Bühne ist für mich wie Droge. Solange es gesundheitlich geht, mache ich das“, sagt er. Manchmal sei es allerdings auch ein bisschen viel.

Drews sitzt an seinem Wohnzimmertisch, enge Jeans, weißes Hemd. Er erzählt gut gelaunt, während seine Frau Ramona ihn und seine Gäste aus der offenen Küche heraus mit Kaffee und Käsekuchen versorgt.

Ballermann und Partybühne, Boulevard, Nacktfotos und Home-Storys – warum lebt so einer wie Drews fast schon zurückgezogen in einem Dorf im Münsterland? Die Entscheidung zum Wohnsitz in der Nähe der Großeltern habe die Tochter gefällt, die früher noch im Haus gewohnt hatte, sagte er einmal in einem Interview. Außerdem kommt Ramona aus der Gegend, seine Schwiegereltern leben ganz in der Nähe.

Als ihn das „Bett im Kornfeld“ als Schlagersänger berühmt machte, war ihm das nach eigenen Angaben peinlich. Schlager war für ihn keine ernstzunehmende Musik, er mochte englische Pop- und Rockmusik. „Der Schlagerbarde. Was denkst Du, was ich gelitten habe? Ich bin verrückt geworden.“

Das hat sich geändert. „Heute finde ich Schlager geil. Ich bin in der Altersmilde angekommen“, sagt Drews. Der Grund: Schlager werde anders wahrgenommen. „Die Zeit hat sich völlig verändert. Einmal Schlagersänger und du warst damals der Abschaum aller derer, die Musik machen“, erzählt er. Heute „kommen auf mich junge Leute zu oder Typen, bei denen du es nicht erwarten würdest, und sagen: Ich find‘ das geil.“ Jetzt mit 72 sei er mit sich im Reinen.

Am Freitag (20. Oktober) veröffentlicht Jürgen Drews ein Best-of-Album mit dem Titel „Drews feat. Drews“, auf dem er seine größten Hits versammelt und neu aufgenommen hat. dpa

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