„Es war höchste Zeit“

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    „Früher oder später würde ein Typ wie Trump die Basis wachrütteln“: Schon 2015 jubelten viele Menschen dem späteren Präsidenten zu, wie hier in Mobile, Alabama. Foto: 
  • Honorarfrei - 21.08.2015 MOBILE, AL- AUGUST 21: Republican presidential candidate Donald Trump greets supporters after his rally at Ladd-Peebles Stadium on August 21, 2015 in Mobile, Alabama. The Trump campaign moved tonight's rally to a larger stadium to accommodate demand. Mark Wallheiser/Getty Images/AFP Trump  2/4
    Honorarfrei - 21.08.2015 MOBILE, AL- AUGUST 21: Republican presidential candidate Donald Trump greets supporters after his rally at Ladd-Peebles Stadium on August 21, 2015 in Mobile, Alabama. The Trump campaign moved tonight's rally to a larger stadium to accommodate demand. Mark Wallheiser/Getty Images/AFP Trump Foto: 
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    Alle Macht den Weißen: rechtsradikale Demonstranten in Charlottesville am 11. August. Foto: 
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Bill Fawell (Foto: DeThier), Kandidat für den amerikanischen Kongress, wuchs, wie er erzählt, in einer „typisch republikanischen Familie“ auf. In einer solchen legt man Wert auf Traditionen, hält Linksliberale für Ideologen und ist fest überzeugt, dass die Verfassung auch heute im Sinne der Gründerväter ausgelegt werden muss. Nach dem Schulabschluss studierte der 64-Jährige politische Wissenschaften und hatte anschließend mehrere Jobs. Er arbeitete als Immobilienmakler und später beim Abriss baufälliger Gebäude. Auch hat er mehrere Bücher geschrieben. Jetzt sei es an der  Zeit, sich auf seine wahre Leidenschaft, die Politik, zu besinnen, sagt er. Ermutigt hat ihn dazu kein geringerer als Donald Trump. Dessen Sieg, behauptet Fawell, habe er schon vor Jahren vorausgesehen.

Herr Fawell, was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, Sie hätten Trumps Sieg schon vor langer Zeit vorausgeahnt?

Bill Fawell: Das muss ich etwas relativieren. Eines der Bücher, die ich geschrieben habe, hat den Titel „Die Revolution, die ich kommen sah“. Die Hauptthese darin: Es war in unserer großen Demokratie nur eine Frage der Zeit, bis ein kompletter Außenseiter, der die politisch Etablierten, bei der letzten Wahl verkörpert in der Person Hillary Clintons, mit Füßen tritt, die Nation im Sturm erobert und es bis zum Chefsessel im Oval Office bringt. Ich habe damals nicht gewusst, dass dieser Himmelsstürmer Trump heißen würde, aber ich wusste, dass es einer wie er sein würde.

Wie konnten Sie das wissen?

Die Gründerväter unserer Nation wollten eine dezentralisierte Demokratie haben. Eine, in der die Wähler bestimmen, wo es lang geht, in der nicht Lobbyisten, reiche Spender und Karrierepolitiker sie an der Nase herumführen. Die Politikverdrossenheit der Amerikaner und die Frustration über die politisch Etablierten hat in den letzten Jahren einen Höhepunkt erreicht. Es war klar, dass früher oder später ein Typ wie Trump die Basis wachrütteln, sie politisch mobilisieren und das Establishment bis ins Mark erschüttern würde. So gesehen war es höchste Zeit,

Sie scheinen den 45. Präsidenten ja zu bewundern, als wäre er eine Art Heilsbringer. Finden Sie denn, dass er sich wie ein Präsident verhält, ist er in irgendeiner Form staatsmännisch, gerade wenn man seine verbalen Entgleisungen und Rachefeldzüge auf Twitter verfolgt?

Um Gottes Willen, natürlich ist er nicht perfekt, im Gegenteil. Sein kindischer Umgang mit sozialen Medien macht mich verrückt, das geht vielen Anhängern mittlerweile so. Er ist, wenn ich das so deutlich sagen kann, irgendwie ein richtiger Narr. Aber er ist halt unser Narr, und das akzeptieren wir. Auch hat er politisch kaum etwas erreicht, obwohl die Republikaner beide Kongresskammern beherrschen. Er hat dennoch eine politische Revolution eingeläutet. Folglich werden unser System, unsere Kandidaten und unsere Wahlen nie wieder so sein wie früher.

Was halten Sie von den Ermittlungen, die der Sonderstaatsanwalt Robert Mueller mit Blick auf die Beziehungen des Trump-Clans zum Kreml und Wladimir Putins Oligarchen leitet?

In einem Wort: Bullshit. Das entbehrt jeder Grundlage. Trumps Kampagne war viel zu desorganisiert, um mit den Russen gezielt kollaborieren zu können. Das alles ist eine Verschwörung, die von Vertretern jenes „deep state“ inszeniert wird, von dem Steve Bannon immer wieder spricht. Von den politisch Etablierten, dazu gehören Karrierepolitiker, Lobbyisten und auch Mueller selbst, ebenso wie von den liberalen Medien. Mit vereinten Kräften wollen sie Trump zu Fall bringen.

Was aber, wenn es zu einem Impeachment, einer Amtsenthebung, kommt?

Ich kann Ihnen genau sagen, was dann geschieht: Dann bricht in unserem Land ein Bürgerkrieg aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Trumps Anhänger müssen ja keine absolute Mehrheit der Wähler stellen, um sich zu bewaffnen und zu versuchen, unsere Regierung zu stürzen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass sie sich ein Impeachment gefallen lassen würden.

Warum treten Sie eigentlich nicht hier, sondern im benachbarten Illinois an?

Ich habe eine Menge Wähleranalysen und Marktforschung betrieben, auch die Politiker durchleuchtet, die sich der Wiederwahl stellen müssen. So gesehen ganz einfach: Ich rechne mir dort im 17. Bezirk die besten Chancen aus, zu gewinnen und ins Repräsentantenhaus in Washington einzuziehen.

Wenn Sie Außenseiter und Querdenker außerhalb des Establishments sind, warum treten Sie dann als Kandidat einer der beiden etablierten Großparteien an und nicht als Unabhängiger?

Ich mag ein Querdenker sein, bin aber auch ein nüchterner Realist. Unabhängige haben in unserem Zweiparteiensystem nicht den Funken einer Chance. Sie müssen selbst das Geld auftreiben, während Kandidaten der Republikaner und Demokraten die Rückendeckung des Parteiapparats, der politischen Aktionskomitees und der Spender haben. Falls ich bei den Vorwahlen weit genug vorpreschen kann, werden die mich auch unterstützen. Solange man das System nicht besiegen kann, muss man das Beste daraus machen. Ich bin übrigens sicher, in den Vorwahlen vorn mitzumischen, denn die Wähler verstehen meine Botschaft und mögen sie.

Haben Sie schon konkrete Pläne, sollten Sie die Kongresswahl gewinnen?

Allerdings. Für meine erste zweijährige Amtsperiode habe ich ein volles Programm. Ich werde eine Gesetzesvorlage einbringen, die befristete Amtszeiten für Abgeordnete vorschreibt. Mit einem weiteren Gesetz will ich sicherstellen, dass der Einfluss der politischen Aktionskomittees, mit denen reiche Spender die Gesetze zur Regelung der Wahlkampf­finanzierung umgehen, beschränkt wird. Auch werde ich aktiv die Bemühungen von Senator Rand Paul für ein Gesetz unterstützen, das uns erlaubt, die Bücher der US-Notenbank zu durchleuchten. Diese sollte ohnehin abgeschafft werden. Die Zeit ist reif für einen politischen Wandel, das haben wir im vergangenen November gesehen. Eine Stimme für Trump war eine Stimme gegen das System, und dasselbe gilt für Bill Fawell. Wer mich wählt, der votiert gegen die Etablierten, und diese Wähler werde ich nicht enttäuschen.

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