Süßer die Glocken nie klingen

Das erste Esslinger Glockenkonzert war ein voller Erfolg. Obwohl nicht alle Geläute mitmachten.

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Unterhalb der Esslinger Burg suchten sich Zuhörer ein Plätzchen, um dem Glockenkonzert zu lauschen.  Foto: 

Einige bange Minuten musste Cornelius Hauptmann am Sonntag durchstehen. „Den Wind kannste halt nicht regeln“, sagte der Initiator des ersten Esslinger Glockenkonzerts. Die ersten Töne konnte das Publikum auf der Burg nur erahnen, weil sie vom Südostwind verweht wurden. Aber als dann das Glockenspiel im Rathaus und die großen Geläute in der Frauen- und Stadtkirche einsetzten und schließlich alle zusammen kurz vor 18 Uhr die Stadt mit ihrem Klang erfüllten, war Hauptmann sichtlich erleichtert.

„Da geht voll der Bär ab“, war der Opern- und Konzertsänger begeistert. Das gute Wetter habe er ohnehin beim Dekan bestellt, sagte er augenzwinkernd. Noch am Tag zuvor hatte der 66-Jährige alle 13 beteiligten Türme und Glocken gecheckt. Ein paar Ausfälle gab es. Die Glocken im Wolfstor, in der Hochwacht auf der Burg und in der Nikolauskapelle waren nicht in Gang zu bringen. Dass am Ende nach einem von Hauptmann sekundengenau ausgeklügelten Plan anstatt der 65 Glocken nur 60 läuteten, tat dem Ganzen keinen Abbruch.

Auch für den evangelischen Landesbischof Frank Otfried July, der sich als Glockenfan outete, war das Event „etwas Besonderes“. Die Glocken der evangelischen Kirchen spielten dabei die Hauptrolle. Gemeinsam mit seiner Frau verfolgte der Bischof das Geschehen vom Dicken Turm der Esslinger Burg. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf kommen dessen Sanierung zugute.

„Das Konzert war sehr beeindruckend und schön. Ich wünsche mir eine Wiederholung“, sagte July. Selbst der Glockensachverständige der Landeskirche hatte „so etwas noch nie gehört“. Claus Huber war wohl der einzige, der jede einzelne Glocke am Klang identifizieren konnte. Esslingen besitzt einige Raritäten. Dazu gehören die vier Eisenglocken der Südkirche von 1926 genauso wie die Feuer- und Sturmglocke der Stadtkirche aus der Zeit um 1200, die zu den ältesten Glocken in der Landeskirche gehört, sowie die große „Gloriosa“ daneben von 1962, die exakt 3881 Kilo wiegt.

Als das Weinglöcklein von der Stadtkirche das Finale einläutete und nach den Posaunenbläsern die „Esslinger Alphörner“ vom Dicken Turm den Schlusspunkt setzten, gab es reichlich Applaus vom Publikum. Mehrere hundert Zuhörer hatten von der Burg aus bei strahlendem Sonnenschein das Experiment verfolgt. Darunter waren auch Tim Schuster (21) und Ilka Koers (24), die nach anfänglicher Skepsis zufrieden waren.

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