„Das Training war ganz schön hart“

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Fletcher-Darsteller Fabian Laras in der Garderobe. Am Samstag hat er wieder einen Auftritt.  Foto: 

Ein „Kinderdarsteller, dem die Herzen zufliegen“ sei er und ein „beachtliches tänzerisches wie vokales Talent“, schrieben die Kritiker nach der Premiere des neuen Musicals „Bodyguard“ im Stuttgarter Palladium-Theater.

 Gemeint ist Fabian Laras aus Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn), der in den ersten drei Vorstellungen des Musicals „Bodyguard“ die Rolle des Fletcher übernommen hat. Das ist der Sohn von Rachel Marron, die im Stück von Aisata Blackman verkörpert wird. 30 Minuten lang tanzt und singt sich Fabian durch insgesamt acht Szenen, am Samstag wird er zum vierten Mal dabei sein.

„Dass das Casting so schwer ist, hätte ich nicht gedacht“, erzählt der Zehnjährige, der in Bad Wimpfen die fünfte Klasse des Hohenstaufen-Gymnasiums besucht. „Die haben uns echt herausgefordert. Ich musste neue Choreografien lernen und auch eigene Tänze zeigen. Und das Training war manchmal auch ganz schön hart.“

Herausgefordert hat den Nachwuchs-Darsteller vor allem Valerie Link. Selbst früher Musical-Darstellerin – sie hat die Hauptrollen in den zwei  Produktionen „Wicked“ und „Rebecca“ gespielt –, wollte sie nach der Geburt ihres Sohnes Ende 2016 nicht mehr auf der Bühne stehen und ist heute die „Kindermanagerin“ des Stuttgarter Musicaltheaters.

Ganze Familie hilft mit

„Sie müssen sich trauen, alleine auf einer großen Bühne zu stehen und laut zu singen. Es ist wichtig, dass sie Spaß dabei haben. Und den wollen wir auch auf der Bühne sehen. Dabei ist es oft erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Kinder auf der Bühne agieren – vor 1800 Zuschauern – und das bei sehr viel weniger Training als Erwachsene“, erklärt Link die Anforderungen an die kleinen Musicalstars. Kinder dürfen pro Tag maximal fünfeinhalb Stunden im Haus sein, davon vier Stunden trainieren – und das auch nur jeden zweiten Tag.

Beim ersten Casting für „Bodyguard“ stellten sich Anfang Juni 36 Jungs im Alter von sieben bis zwölf Jahren vor. Sie mussten singen, Hip-Hop tanzen und schauspielern können. „Es ist wichtig, sich bei Kindern Zeit zu lassen und sie mehrere Wochen lang zu beobachten“ sagt Kindermanagerin Link. „Anders als bei Erwachsenen, die ja ausgebildete Künstler sind, können bei Kindern auch große Bühnentalente anfangs noch sehr schüchtern sein.“

Nach einigen Wochen wurden 13 Buben ausgesucht, die sich für die einjährige Spielzeit – so lange soll „Bodyguard“ in Stuttgart laufen – in der Besetzung des Fletcher abwechseln werden.

„Wer in den ersten Vorstellungen spielt, entscheiden wir erst nach der letzten Bühnenprobe“, sagt Link. „Meist wollen alle die Premiere spielen. Wenn wir aber erklären, dass alle Vorstellungen wichtig sind, legt sich die Aufregung wieder.“

Für Fabian lief es gut. „Ich war ganz ruhig“, erzählt der Schüler. „Ich stehe gern auf der Bühne. Ich glaube, meine Mutter war aufgeregter als ich.“ Denn der Junge hat durchaus schon Erfahrungen mit öffentlichen Auftritten gesammelt: als Faschingsprinz in Bad Wimpfen, bei Auftritten mit dem Schulchor oder im Musical „Tarzan“, in dem er bereits mitgespielt hat.

„Von mir hat er den Drang auf die Bühne nicht“, erklärt seine Mutter. „Aber für ihn ist es eine Riesenchance. Wer kann schon so früh von Profis lernen und mit ihnen arbeiten.“ Doch das verlangt von der ganzen Familie Mithilfe. Selbst die Großeltern und die Tante aus Berlin sind regelmäßig im Einsatz. Die Fahrten von Bad Wimpfen ins Musicaltheater nach Stuttgart sind zeitaufwendig, und auch die anderen drei Geschwister wollen nicht zu kurz kommen. Deshalb brauchte die Familie nach „Tarzan“ erst mal eine Pause. Der Familienrat beschloss, dass der zweitälteste Sohn darauf verzichten musste, am Casting für die laufende Aufführung „Mary Poppins“ teilzunehmen.

Der vielseitige Fabian, der Flöte, Trompete und Klavier, aber genauso gerne Fußball spielt, ist noch völlig locker, was seine Zukunftspläne angeht: Fußballprofi oder Musicalstar – beides ist für ihn denkbar. Sind seine Schulkameraden und Freunde nicht manchmal neidisch? „Nein, eigentlich nicht, die finden das total cool“, sagt er. „Und die, die neidisch sind, sind auch keine echten Freunde.“

Der Gesetzgeber hat ein strenges Auge auf Kinder, die in künstlerischen Produktionen mitwirken. Pro Jahr sind maximal 30, pro Woche maximal drei Aufführungen und keine Showeinsätze an zwei aufeinanderfolgenden Schultagen erlaubt. Nach 23 Uhr darf generell kein Kind mehr auftreten, und in den Sommerferien gilt: Jedes Kind muss drei Wochen am Stück frei haben.

Das Musical „Bodyguard“ hatte Ende September im Stuttgarter Palladium-Theater Premiere. Die Hauptfigur Rachel Marron war  im Kinofilm „Bodyguard“ vom 2012 verstorbenen US-Star Whitney Houston verkörpert worden. 14 Hits der Sängerin, darunter der Ohrwurm „I will always love you“, sind die musikalische Basis des Musicals. bw

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