Zwischenlagerung im Bauhof

Auf Haller Gemarkung gibt es noch vier Sühnekreuze. Über jenes, das am Zaun auf dem Areal der Esso-Tankstelle in Hessental steht, berichtet Eva Maria Kraiss.

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Das Sühnekreuz in der Haller Straße in Hessental wird mit Hilfe eines Baggers aus der Erde gehoben. Während der Bauarbeiten wird das Sandstein-Kreuz in einem Hochregal des Haller Bauhofs gelagert.  Foto: 

Das Sühnekreuz ist aus Sandstein, weist einige Beschädigungen auf, ist über der Erde etwa 1,30 Meter hoch und 88 Zentimeter breit, die Form ist relativ ebenmäßig. Im Kreuzungsfeld befinden sich näpfchenartige Vertiefungen. Es wird auf das 15. oder 16. Jahrhundert datiert. „Leider ist keine konkrete Begebenheit und auch keine Sage, die sich darum herum entwickelt hat, bekannt“, berichtet Eva Maria Kraiss.

Die Michelbacherin kümmert sich seit Jahren um Sühnekreuze. Wo immer etwas mit ihnen geschieht oder zu geschehen droht, wird sie darüber informiert. Eines der vier Sühnekreuze auf Haller Gemarkung befindet sich in Hessental am Ende der Haller Straße, gegenüber dem Schlichtweg, am Zaun auf dem Grundstück der Esso-Tankstelle. Dort stand es jahrhundertelang – bis vergangene Woche.

Hans Richard Mayer gehörte die Tankstelle. Eva Maria Kraiss schreibt: „Vor einigen Jahren wurde, obwohl Herr Mayer und auch ich uns dagegen ausgesprochen hatten, eine Litfaßsäule auf dem Gehweg fast unmittelbar vor dem Kreuz platziert, so dass es kaum mehr sichtbar war. Wucherndes Gestrüpp, von Hans Richard  Mayer früher immer wieder entfernt, wurde seit dem Besitzerwechsel nicht mehr beseitigt.“

Bagger nahe am Kreuz

Im Zusammenhang mit dem neuen Baugebiet Sonnenrain und der geplanten Straßenverlegung wurden jetzt die Garagen auf dem Grundstück der Tankstelle abgerissen. Die Bagger rückten dem Kreuz sehr nahe. „Daraufhin meldete sich der besorgte Herr Mayer bei mir, bei ihm hatten zuvor wieder andere Hessentaler angerufen, die Angst um ,ihr’ Kreuz hatten und befürchteten, es könne beschädigt werden“, schreibt Eva Maria Kraiss. „Ich konnte sie beruhigen, hatte ich doch schon lange vorher mit dem jetzigen Baubürgermeister Peter Klink vereinbart, dass das Kreuz während der Bauzeit sichergestellt und im Bauhof zwischengelagert werden sollte, um eventuell Beschädigungen während der Bauphase von vornherein auszuschließen.“ Nach dieser Zeit sollte das Kreuz entweder am alten oder einem Standort ganz in der Nähe wieder aufgestellt werden.

Kraiss dokumentierte die Bergung des Kreuzes fotografisch. Interessant war etwa, wie tief es verankert war. Im Unterschied zu anderen oft eingesunkenen Kreuzen stand es völlig aufrecht.

Die mit den entsprechenden Bauarbeiten beauftragte Firma Schneider informierte sie rechtzeitig vor dem Tag, an dem die Maschinen im Bereich des Kreuzes tätig werden sollten. Zunächst wurde durch einen Baumspezialisten das Gestrüpp entfernt. Der Bagger schob dann behutsam die obere Erdschicht weg. Alles andere war dann Handarbeit: Mit der Schaufel wurde das Erdreich um das Kreuz abgegraben und schließlich eine Sandsteinplatte freigelegt, in deren Mitte eine Aussparung war, in der das Kreuz stabil eingelassen war. Nun konnte das Kreuz an einem Seil vorsichtig angehoben, transportiert und auf eine Palette abgelegt werden. Dasselbe passierte mit dem durchbohrten Sandsteinfundament.

Ungewohnte Arbeit

Eva Maria Kraiss: „Für die Mitarbeiter der Firma Schneider aus Öhringen waren dies zwei Stunden ungewohnter Tätigkeit – zum ersten Mal erfuhren sie dabei mit großem Interesse etwas über die Geschichte und Bedeutung solcher Kleindenkmale.“ Schließlich wurden die Paletten mit dem Kreuz und dem Fundament mit Hilfe eines Gabelstaplers auf einen Lastwagen geladen. Eva Maria Kraiss begleitete den Transport des Kreuzes zu seiner vorläufigen Lagerstätte im Hochregal des Haller Bauhofs.

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