Zwischen Schraubstock und Schnitzel

Praktikumsplätze sind rar in Polen. Dominika Bednarz und Powet Monastyvski sind über ein von der EU gefördertes Erasmus-Projekt fündig geworden. In Ilshofen und Sulzbach-Laufen sammelten sie Erfahrungen.

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Powet Monastyvski und Dominika Bednarz haben jeweils ein vierwöchiges Praktikum bei Firmen in der Region absolviert.  Foto: 

"Wir haben in Polen nur Theorieunterricht wie Physik oder Chemie, aber nie praktischen Unterricht", erzählen Dominika Bednarz (18) aus Tomaszow Lubelski und Powet Monastyvski (18) aus Zamosc in fließendem Englisch. Das duale System in Deutschland mit der Mischung von Theorie und Praxis habe ihnen sehr gut gefallen. Zum Abschluss des Projekts feiern sie mit den anderen Praktikanten im Hof der Gewerblichen Schule in Hall.

Die beiden jungen Polen gehören zu einer Gruppe von rund 20 Schülern, die vier Wochen ihrer Sommerferien dafür genutzt haben, bei den Firmen Bausch+Ströbel, Kocher-Plastik, Recaro und Optima in verschiedene Berufe reinzuschnuppern. Sie haben selbst Hand angelegt - zum Beispiel ist ein Plastiksalzstreuer konstruiert worden. "Das gemeinsame Ziel des Projekts ist, dass Europa stärker zusammenwachsen soll und junge Europäer sich auf gemeinsame Ziele verständigen", erklärt Helmut Wahl, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Hall.

Ausbilder mit ihren Schützlingen sehr zufrieden

Nicht nur Schüler haben bei dem von der Europäischen Union geförderten Erasmus-Projekt "Berufliche Orientierung in Deutschland, Polen und Portugal" teilgenommen, sondern auch vier polnische sowie vier portugiesische Lehrer. Sie haben sich beispielsweise über Angebote zur Berufsorientierung informiert.

Dominika Bednarz hat bei der Firma Bausch+Ströbel Einblicke in verschiedene Abteilungen beim Verpackungsmaschinenhersteller erhalten. Ebenso wie Michal Krawczyk (18), den Bednarz schon seit ihrer Kindheit kennt, und zwei weitere polnische Jugendliche. Die Ausbilder sind mit ihren vier Schützlingen sehr zufrieden: Die polnischen Gäste seien sehr engagiert und wissbegierig gewesen, ist von ihnen zu hören. Allerdings habe sich die Sprache hin und wieder als Hindernis entpuppt. Mit Englisch und Dolmetscher hätte es dennoch gut funktioniert.

Nicht für immer in Deutschland leben

Powet Monastyvski und drei weitere Schüler lernten das Maschinenbau-Unternehmen Kocher-Plastik in Sulzbach-Laufen kennen: "Dort haben wir in 3D gezeichnet, einen Hammer und einen Schraubstock konstruiert. Wir konnten sehen, wie deutsche Unternehmen funktionieren." Besonders die technischen Konstruktionen seien bei den Gästen aus Polen auf großes Interesse gestoßen, berichten die Ausbilder.

Ob sich Dominika Bednarz und Powet Monastyvski vorstellen können, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen und für eine längere Zeit in hier zu leben? "Ich bin im Moment in der dritten Klasse der Highschool. Dann mache ich mein Abitur und gehe danach auf die Universität in Polen. Aber wer weiß? Vielleicht werde ich für einige Zeit hier leben. Es ist auf jeden Fall gut, hier Kontakte zu knüpfen", erklärt Dominika Bednarz. Auch Powet Monastyvski kann sich vorstellen, für einige Jahre in Deutschland zu leben - aber auf keinen Fall für immer. Die deutsche Mentalität gefalle ihm nicht recht: "In Polen sind die Leute viel fröhlicher." Außerdem habe er das Arbeitstempo mitunter als langsam empfunden. Dominika Bednarz stimmt ihm zu: "Manchmal waren wir vier Stunden an einer Station." Allerdings mögen beide die deutsche Qualität und sind der Meinung, dass sehr gewissenhaft und gut gearbeitet werde. Im nächsten Jahr würden sie gerne wiederkommen.

Markus Koeberer (50), Abteilungsleiter Metall der Gewerblichen Schule in Hall, hat das Projekt mitgestaltet. Es sei wichtig, Schülern aus dem Ausland das deutsche Ausbildungssystem zu zeigen: "Wir exportieren viele Produkte, auch nach Polen, deshalb möchten wir Schülern aus dem Ausland hier Gastfreundschaft und vor allem eine Ausbildung ermöglichen." Koeberers polnisches Pendant, Boguslaw Klimczuk (46) aus Zamosc, kommt bei der Frage, was seine Schüler in Hall lernen können, ins Schwärmen: "Sie lernen viel über moderne deutsche Wirtschaft und Technologie, die es in Polen so nicht gibt. Zudem knüpfen die Jugendlichen Kontakte, von denen sie später noch profitieren können. Außerdem lernen sie Deutsch und die deutsche Kultur kennen."

Zur deutschen Esskultur gehören Schnitzel und Kartoffelsalat, die beim Abschlussfest im Hof der Gewerblichen Schule aufgetischt werden. Schüler, Ausbilder und Lehrer feiern Projektabschluss. Wirtschaftsförderer Helmut Wahl zitiert Johann Wolfgang von Goethe: "Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen."

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