Zwischen Kritik und Ironie

Dekonstruieren und Ironisieren sind zwei Mittel der Auseinandersetzung von Sabine Groß mit Kunst. Unter dem Titel "Dunkle Souvenirs" sind Werke von ihr derzeit in der Galerie am Markt zu sehen.

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Sabine Groß in der Galerie am Markt neben ihrer Skulptur "Machen", in die sie Spachteln eingearbeitet hat.  Foto: 

Auf "nicht ganz tierisch ernste Weise, aber immer mit ernstem Anliegen" sei die Kunst von Sabine Groß gemacht, betonte Ludwig Seyfarth bei der Vernissage bei seiner Einführung in die Ausstellung. "Machen" hat die in Berlin lebende und aus Ulm stammende Künstlerin die fünf schwarzen Skulpturen im oberen Raum der Galerie am Markt genannt. Sie wirken, als seien unterschiedlichste Materialien durch Hitze miteinander verschmolzen: Holz, ein Buch, der Ansatz zu einem Podest, etwas Rundes, amorphe Masse. Allem ist das Bearbeiten mit Spachteln anzusehen, in einem Exemplar sind sie auch noch eingearbeitet zu sehen.

Doch Sabine Groß führt bei der Frage nach dem Material in die Irre. Wie Ludwig Seyfarth hervorhob, seien die Skulpturen ursprünglich in Ton gefertigt worden. Das Endprodukt aber bestehe aus Kunststoff. Das Material zu verbergen, gehöre wesentlich zur Kunst von Groß, auch das Spielen mit dem Imitieren, sodass der Betrachter es für etwas Anderes halte, als es ist.

Die Skulpturen seien betont unfertig und wirkten spontan entstanden. Der Künstlerin gehe es um das Auflösen der Form, um das Gegenüberstellen von Form und Nicht-Form. Sie verweise auf einen möglichen offenen Prozess. Der Titel der Skulpturen könne auch als ironischer Seitenhieb gegenüber aufgeblähten Kunst-Machern gesehen werden. Und nicht zuletzt seien es Skulpturen über Skulpturen - speziell mit Blick auf offene Formen in der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Ein bisschen davon schwingt auch noch in den drei Postkartenständern nach, die für die Ausstellung titelgebend waren. Die auf Betonpodesten ruhenden drehbaren Postkartenständer sind durch Neonröhren - Lichtskulpturen? - angeleuchtet und enthalten Fotos von Skulpturen von etwa Henry Moore oder Tony Cragg. Dabei wird ein Motiv auf den selbst zur Kunst gewordenen Kunstpostkarten ins Hellere oder Dunklere variiert. Wichtig ist der Moment des Entschwindens: vielleicht als Abgesang auf die Kunstpostkarte, auf jeden Fall aber als Kritik an der Kommerzialisierung von Kunst. Ein wenig stehe sie damit in der Tradition der surrealistischen Skulptur, hielt Seyfarth fest.

Das Spiel mit verschiedenen Ebenen bestimmt auch die Fotografien, die Sabine Groß als "Kunstbücher" zusammengefasst hat. Sie bearbeitete Bücher über Kunst: Kataloge oder Bücher über Künstler wie Jackson Pollock. Sie hatte sie zerschnitten, durchbohrt, gehäckselt, sodass daraus selbst Skulpturen wurden. So wurde das Buch über Skulpturen oder Bilder mit Bildern darin selbst zur Skulptur, die sie aber nicht als solche, sondern als Fotografie, also wieder als Bild präsentiert.

Peter Ege vom Kunstverein Schwäbisch Hall hob in seiner Begrüßung, in der er auch des kürzlich verstorbenen Thomas Lenk gedachte, hervor, dass die Ausstellung mit Sabine Groß an die im vergangenen Jahr begonnene Ausstellungsreihe über künstlerische Auseinandersetzungen mit Kunstgeschichte und klassischer Moderne anknüpfe. Damals waren Werke von Jens Wolf und Sven Drühl zu sehen.

Info

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. November zu sehen.

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