Zurück in die Traumwelten

Sie rattern und knarren, surren und pfeifen: Im Hällisch-Fränkischen Museum sind Dampfmaschinen und Heißluftmotoren aus der Sammlung des Hallers Siegfried Stark zu sehen.

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  • Ein Scherenschleifer als Antriebsmodell: Dieses Exponat ist eines von vielen Stücken, die in der Ausstellung über Dampfmaschinen  und Heißluftmotoren im Hällisch-Fränkischen Museum in Hall ausgestellt sind.  1/2
    Ein Scherenschleifer als Antriebsmodell: Dieses Exponat ist eines von vielen Stücken, die in der Ausstellung über Dampfmaschinen  und Heißluftmotoren im Hällisch-Fränkischen Museum in Hall ausgestellt sind. Foto: 
  • Siegfried Stark an einem Exponat. 2/2
    Siegfried Stark an einem Exponat. Foto: 
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Weihnachten 1953: Der kleine Siegfried bekommt eine Dampfmaschine mit den Antriebsmodellen Schleifer, Kreissäge, Wurstmacher und Mühlrad geschenkt. Da das Modell mit Spiritus betrieben wird, darf nur der Vater es bedienen. Siegfried darf immerhin die Dampfpfeifen betätigen. Der Junge wird älter, irgendwann kommt das Modell  auf den Speicher.

Etwa 50 Jahre später: Siegfried Stark, der seinen Kindern immer wieder von Dampfmaschinen vorschwärmte, bekommt von ihnen eine Wilesco D 14 geschenkt. „Da begann die Leidenschaft wieder, Dampf zu machen“, erzählt der Haller im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM). Dort wird an diesem Abend die Ausstellung „Es dampft und faucht. Dampfmaschinen und Heißluftmotoren“ eröffnet.

Aus Gründen des Feuerschutzes dürfen die Modelle im HFM nicht dampfen (außer bei Führungen) – Elektromotoren bringen die Schwungräder der Dampfmaschinen in Bewegung. Die Optik, die Bewegungen aber sind „stimmig“, wie HFM-Leiter Dr. Armin Panter vor knapp 50 Gästen sagt.

Windmühle und Riesenrad

„Wer Dampf macht, kann Druck ablassen“ – diesen Satz sagt Siegfried Stark mit unüberhörbarem Vergnügen. Er könnte als Motto über seiner Sammelleidenschaft stehen. Wenige Monate nach dem Geschenk seiner Kinder kaufte er sich einen Dampftraktor aus Messing mit geschwärztem Weißblech.

Heute besitzt  der 70-Jährige 85 Dampfmaschinen und Modelle mit Sterlingmotor sowie mehr als 100 Antriebsmodelle. Viele von Starks Sammlerstücken sind bis Ende Januar im HFM ausgestellt. In zwei Räumen sehen die Besucher stationäre Dampfmaschinen, die Antriebsmodelle in Bewegung bringen – etwa eine Windmühle, einen Scherenschleifer, eine Schiffschaukel und ein Riesenrad. Im dritten, oberen  Raum liegt der Schwerpunkt auf Maschinen, die sich selbst in Bewegung setzen wie etwa Dampflokomotiven.

Die Ausstellungsmacher präsentieren Modellserien etwa von Fleischmann, Märklin und Wilesco – letztere ist „eine der wenigen Firmen, die noch immer Modell-Dampfmaschinen produziert und verkauft“, wie Dr. Johanna Hummel bei der Ausstellungseröffnung sagt.

Die HFM-Volontärin erzählt, dass die Dampfmaschine als Triebfeder der industriellen Revolution galt. Thomas Newcomen baute eine erste funktionsfähige Maschine, die im Jahr 1712 in einem Bergwerk eingesetzt wurde und die James Watt gut 50 Jahre später „wesentlich verbesserte“. Mit der Entwicklung von Blechspielwaren kamen ab 1867 erste billige Miniatur-Dampfmaschinen auf den Markt.

Die HFM-Volontärin weist auf ein ganz bestimmtes Exponat hin: die Modelleisenbahn von Katharina Bornemann. Deren Brüder hatten lange Taschengeld gespart, um sich dieses Stück kaufen zu können. Beide starben im Zweiten Weltkrieg. Für Katharina Bornemann hält die inzwischen 80 Jahre alte Bahn die Erinnerung an ihre Brüder lebendig.

Fortschritt auch für Hall

Die Exponate für Erwachsene „spiegeln deren Traumwelten von einst“ wider oder wecken „schöne Erinnerungen an die Kindheitstage“, sagt Halls Erster Bürgermeister Peter Klink bei der Ausstellungseröffnung..

HFM-Leiter Armin Panter berichtete, dass Dampfkraft auch bei der Industrialisierung Halls notwendig gewesen sei. Das Salzwerk Wilhelmsglück erhielt 1853 eine Dampfmaschine, ein Jahr später ließ die Knochenfabrik Ungeheuer das erste Modell auf Haller Boden errichten. 1856 stellte die Fabrik Churr auf Dampfkraft um. „Es war der Beginn des Fortschritts in der verarmten Oberamtsstadt“, sagt Panter.

Info Die Ausstellung ist bis Sonntag, 28. Januar, im Hällisch-Fränkischen Museum zu sehen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von  10 bis 17 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember ist geschlossen, am 1. Januar ab 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Viele Exponate können nach dem Ende der Ausstellung gekauft werden. Kontakt: siegfriedstark@aol.com

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