Zukunftsidee beim Biertrinken

Fünf Berliner Freunde funktionierten vor zwölf Jahren Bierflaschen zum Musikinstrument um. Heute sind sie im deutschsprachigen Raum auf Tournee und performen drei Bühnenprogramme - 120 mal pro Jahr.

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David Möhring, Jan Lubert, Jens Tangermann, Frank Wegner und Andreas Lubert musizieren als GlasBlasSingQuintett auf der Haller Henkersbrücke mit Bierflaschen. Im Juni werden sie im Neubau-Saal ein Konzert geben.  Foto: 

Mit zwei Getränkekästen und fünf farbigen Hemden kommen fünf Berliner auf dem Haller Marktplatz an. Sie waren im November schon einmal zu Besuch in Hall, hätten aber keine Zeit gehabt sich die Stadt anzuschauen, berichtet Jan "Fritze" Lubert vom Ensemble GlasBlasSing, der bei Auftritten immer das grüne Hemd trägt.

Seit Mitte der 90er Jahre machen die Freunde Musik in Rockbands. Ursprünglich kommen alle aus dem Harz, haben sich nach einigen Jahren aber in der Bundeshauptstadt wiedergefunden. Sie gründeten dort eine gemeinsame Rockband.

"2003 entstand die Idee, mit Bierflaschen zu musizieren, na wo wohl? Beim Biertrinken", erzählt David "Möhre" Möhring im roten Hemd. Mit der Idee, was Ungewöhnliches zu machen, kommen sie zunächst auf Berlins Straßen gut an. "Das Publikum hat super reagiert", sagt Andreas "Endie" Lubert mit dem hellblaufarbenen Hemd.

Jägermeister-Xylofon, Wasserspender-Drum und Flaschengitarre

Das Musizieren mit Glas- und Plastikflaschen ist eine Kunst für sich. Hauptinstrument ist eine handelsübliche 0,3-Liter Glasbierflasche. "Die hat sich aus ergonomischen Gründen durchgesetzt. Davon kann man drei auf einmal in die Hand nehmen", berichtet der in rosa gekleidete Jens "Peter" Tangermann. Je mehr Wasser in den Flaschen ist, desto höher ist der Ton, berichtet Fritze. Auf den Flaschenhälsen sind Markierungen für die Tonhöhen. Alle paar Monate wird neues Wasser eingefüllt.

"Wir recyclen unsere Musikinstrumente und zerstören sie nicht wie Rockstars", sagt Frank Wegner im orangefarbenen Hemd. Zum Hauptinstrument gesellen sich die Flaschengitarre, das Jägermeister-Xylofon, eine Wasserspender-Drum, Flaschen-Shaker, die mit Reis befüllt sind, PET-Flaschen zum "Draufhauen" und diverse kleine Glasflaschen zum "Ploppen". Letzteres ist das Geräusch, das entsteht, wenn man den Daumen so in eine Flasche steckt, dass er den Flaschenhals abschließt, und ihn dann schnell herauszieht.

Neue Lieder entstehen meist in Zusammenarbeit. Komponiert werden die Songs auf "normalen" Musikinstrumenten. Danach werden sie für die Flaschen umgeschrieben. "Wir spielen lustige Lieder - mit Bierflaschen am Mund nimmt uns keiner ein Liebesdrama ab", sagt Tangermann schmunzelnd.

Eine Zuordnung der Instrumente gibt es, im Gegensatz zu den Hemdfarben, nicht. "Jeder spielt alle Flaschen und Töne mal", berichtet Andreas Endie Lubert. Eine Herausforderung ist das Timing: Da jeder nur wenige Tonhöhen in der Hand hat, spielt kaum einer eine komplette Melodie, sondern Einzeltöne, die genau im richtigen Moment erklingen müssen.

Bevor die Mitglieder des GlasBlasSingQuintetts von ihrer Musik leben konnten, gingen die Fünf "ganz normalen" Berufen nach. Seit 2007 sind sie hauptberuflich Musiker und haben bis zu 120 Auftritte pro Jahr. Im Mai startet die neue Tour "volle Pulle".

Info Im Haller Neubau-Saal treten GlasBlasSing am Samstag, 13. Juni, ab 20 Uhr auf. Weitere Konzerte mit dem Programm "Volle Pulle" sind am 20. November im Kursaal in Bad Mergentheim und am 20. Februar in der Heilbronner Harmonie. Am 4. Dezember gibt es in den Kammerspielen in Ansbach "Süßer die Flaschen nie klingen!". Karten gibt es an allen Vorverkaufsstellen.

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