Zügig und dennoch majestätisch

In der Crailsheimer Johanneskirche erklingt Georg Friedrich Händels „Der Messias“. Sänger, Musiker und Kantor Christoph Broer wissen zu überzeugen.

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In voller Aktion: der Chor der Crailsheimer Johanneskirche bei der Messias-Aufführung.  Foto: 

Vor 24 Jahren hatte Kantor Christoph Broer eine Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Messias“ schon einmal geleitet. Damals stand er am Beginn seines inzwischen 25-jährigen Dienstes als Kantor an der Crailsheimer Johanneskirche. Die Aufführung am vergangenen Sonntag forderte wieder einmal den Chor der Johanneskirche, der sich mit viel Hingabe der Wiedergabe dieses Werkes widmete. Gerade dieses Händel-Oratorium lebt von zahlreichen klanggewaltigen wie dramatischen Chorstücken, die einen Kirchenchor ungemein fordern.

Besonders groß ist die Anzahl dieser Stücke im zweiten der insgesamt drei Oratorienteile. Die ständigen Wechsel im Ausdruck gelangen den Sängern hier wunderbar. Das zeigte etwa der Chor „Der Herde gleich, vom Hirten fern“ mit seinen schnellen Figurationen, die stark mit dem ruhigen und zurückgenommenen „und der Ew‘ge warf auf ihn unser aller Missetat“ am Ende kontrastierten.

Strahlender Klang

Klar durchhörbar und packend gerieten den Chorsängern um diesen Chor herum die beiden fugierten Chorstücke „Durch seine Wunden sind wir geheilet“ und „Er trauete Gott“, letzteres schön aufgestachelt im Ausdruck. Lichter klang es dann mit „Lasst alle Engel des Herrn preisen ihn“, um schließlich im berühmten „Halleluja“-Chor zu münden.

Christoph Broer hatte dafür ein zügiges Tempo gewählt, das dem majestätisch-strahlenden Klang nicht entgegenstand, auch durch Trompeten- und Paukenklänge des insgesamt sehr einfühlsam begleitenden Ansbacher Kammer­orchesters verstärkt. Das wiederholte sich am Ende des Oratoriums noch einmal mit „Würdig ist das Lamm“. Davor wurden Einhalt und Fluss in „Wie durch Einen der Tod, so kam durch Einen die Auferstehung von dem Tod“ als Gegensätze schön herausgearbeitet. Auch im ersten Oratorienteil wusste der Chor der Johanneskirche zu begeistern. Aufblühend und nicht überbetont war „Denn die Herrlichkeit Gottes“ zu hören, entschieden im Ton mit deutlich herausgestellten Figu­rationen „Und er wird reinigen“, mit federnden Betonungen zu „Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott“ der Chor „Denn es ist uns ein Kind geboren“, jubelnd „Ehre sei Gott in der Höhe“ und voller Leichtigkeit pulsierend „Sein Joch ist sanft“.

Doch nicht nur der Chor, auch die Vokalsolisten konnten am Sonntagabend überzeugen. Bassist Thomas Scharr ließ seine Arie „Sie schallt, die Posaun‘“ mit der Kraft seiner Stimme zu einem strahlenden Erlebnis werden, unterstützt durch die konzertant geführte Trompete von Johannes Stürmer.

Nora Hagens etwas zurück­genommen wirkender Sopran ­erwies sich für die innig intonierte Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ als ideal und ebenso für das pastorale „Er weidet seine Schafe“. Mit Altistin Stefanie Früh ­harmonierte sie zu „Wie lieblich ist der Boten Schritt“ sehr schön.

Stefanie Früh kostete die Kontraste zu „Doch wer wird ertragen“ mit seinem getragenen Ton und der „entflammten“ Dramatik im Mittelteil aus. Die Koloratur-„Herrlichkeit“ in „O du, der Wonne verkündet in Zion“ fesselte ebenso. Und Julius Pfeifer stellte den lichten Ton seiner Tenorstimme gleich zu Beginn zu „Alle Tale macht hoch erhaben“ heraus.

Nach zweieinhalb Stunden hingebungsvollen Musizierens spendete das Publikum in der gut gefüllten Kirche stehend und lang anhaltend Beifall.

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