Zitternde Muskeln und flinke Griffe

Junge Artisten des Haller Vereins zeigen eine gelungene Choreographie aus Musik, Show und Service. Ernst Kunz kocht für zwei ausverkaufte Shows jeweils 125 Vier-Gänge-Menüs.

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  • Schwindelfreie Akrobatik an Seilen. 1/4
    Schwindelfreie Akrobatik an Seilen. Foto: 
  • Das Team um Ernst Kunz (Zweiter von links) richtet an. 2/4
    Das Team um Ernst Kunz (Zweiter von links) richtet an. Foto: 
  • Zwischen den Showeinlagen servieren die Artisten Speisen. 3/4
    Zwischen den Showeinlagen servieren die Artisten Speisen. Foto: 
  • Ein Teil der Artisten posiert kurz vor dem Zwischengang. 4/4
    Ein Teil der Artisten posiert kurz vor dem Zwischengang. Foto: 
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„Noch drei Minuten: Wo ist das Gemüse?“, ruft Ernst Kunz in das Klassenzimmer der Freien Waldorfschule. Stühle fehlen darin, stattdessen sind mehrere Tische vor der Tafel zu einer großen Anrichte zusammengestellt. „Noch zwei Minuten.“ Ein junger Koch eilt mit silbernen Behältern in den Raum. Das Team geht in Stellung, als Chefkoch Kunz 20 Kilo des dampfenden Bugblatts des Limpurger Weideochsens aus dem Konvektomaten zieht. 18 Stunden garte es bei niedriger Temperatur. Nun muss jeder Handgriff sitzen. In wenigen Minuten richtet das Team 125 Teller nahezu identisch an.

Auch außerhalb der provisorischen Küche ist alles getaktet. Junge Servicekräfte stehen mit weißen Hemden und roten Schürzen vor dem Raum, um den Hauptgang zu den Gästen in die Kulturscheune zu tragen. Die Schminke in ihren Gesichtern verrät: Sie spielen an diesem Abend mehrere Rollen.

Menschliche Pyramide auf Einrad

Die Servicekräfte sind Musiker und Artisten des Compostelli, der zum jährlichen „Dinner for you“ einlädt. Mehrfach schlüpfen sie in verschiedene Kostüme, sorgen für eine fein konzipierte Choreographie auf und vor der Bühne. Sie sind geübt, gehören zum „Special Event Team“ des Vereins. Das sind jene, die ihre Artistenausbildung hinter sich haben und etwa als Übungsleiter fungieren – ehrenamtlich versteht sich.

Darunter sind die als Amigos verkleideten jungen Männer, die auf Trampolinen in atemberaubender Geschwindigkeit über die Bühne hechten. Einradfahrer, die als menschliche Pyramiden vor der Kulisse ihre Runden drehen. Junge Akteure, die sich nahezu schwerelos an zwei Seilen hochziehen. Die Muskeln zittern, die Minen verziehen sich kaum.

Es geht bei Compostelli um Mut und Angst, darum, Risiken einzugehen und Frustrationstoleranzen überschreiten. „Das lernen die jungen Artisten bei uns“, so Zirkus-Vorstand Arnd Knapstein. Es müsse nicht alles auf Anhieb klappen, man dürfe auch fallen. Im Projekt sollten Kinder ohne Druck lernen, dranzubleiben, auch Freiraum dafür haben.

Das ist auch der Grund, wieso der 1989 aus einem Klassenprojekt entwickelte Circus, der längst eigenständig ist, seine eigene Halle baut – direkt an die Waldorfturnhalle anschließend. Geplant ist neben eigenen Übungsräumen auch Staufläche für die enorme Menge an Requisiten. Bei 180 Kindern und Jugendlichen im Verein sei das nun dringend nötig. „Mit Eltern und Helfern sind es über 200“, so Knapstein.

Mitte Januar war Spatenstich. „Wenn alles gut geht, feiern wir Ende März Richtfest“, sagt Zirkus-Direktor Jürgen Schmidt. Die Stadt bezuschusst das rund 700 000 Euro teure Projekt mit 200 000 Euro. Der Rest sei größtenteils mit Spenden finanziert – „bis auf 100 000 Euro“, so Knapstein. Mit den beiden Zirkusshows am Wochenende soll der Fehlbetrag weiter schrumpfen, damit im Herbst die neue Halle fertig wird.

Geburtstermin steht an

Dabei war gar nicht klar, ob es dieses Jahr die Gala überhaupt geben wird. „Wir wollten unbedingt mit Ernst Kunz weitermachen“, so Schmidt. Der Rößle-Chef hat aber erst kurzfristig und nur mit Vorbehalt zugesagt. „Der Geburtstermin ist an diesem Wochenende. Kinderarzt und Hebamme sitzen mit Köfferchen in der Kulturscheune bereit“, sagt Kunz, der immer wieder auf sein Handy schielt. „Wenn der Anruf kommt, bin ich weg.“ Sein Team sei darauf vorbereitet. Ganz so eilig hat es sein zweites Kind dann doch nicht. Zum großen Finale der Show kann er mit allen Artisten sowie der Konditorin Ramona Hofmann auf die Bühne.

„Eine super Show“, freut sich Sabine Dörschner, „die jungen Leute steigern sich Jahr für Jahr.“ „Kulinarisch top, akrobatisch herausragend“, sagt Ehemann Benjamin Dörschner. Ähnlich urteilen Georg und Sylvia Anders. Ihre Tochter ist Artistin bei Compostelli – aber mit 14 zu jung für die Show. „Irgendwann wird sie hier mitmachen“, sagt die Mutter mit etwas Vorfreude.

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